Feuerkugel über Österreich: Teile könnten Boden erreicht haben

Die tschechische Akademie der Wissenschaften glaubt, dass zwei Meteoriten mit einem Gewicht von ein bis vier Kilo in einem Gebiet zwischen Lunz am See und Kindberg niedergegangen sein könnten.

(Symbolfoto)
© AFP/Guerrero

Wien/Prag – Der Meteor, der in der Nacht auf Donnerstag in Tschechien, Bayern und Österreich als spektakuläre Feuerkugel zu sehen war, dürfte nicht vollständig verglüht sein. Tschechische Astronomen gehen davon aus, dass Teile davon über Österreich den Boden erreicht haben. Demnach dürften Meteoritenteile in einem schmalen Streifen zwischen Lunz am See (NÖ) und Kindberg (Steiermark) zur Erde gefallen sein, die bis zu vier Kilogramm schwer sein könnten.

Die Wissenschafter des Astronomischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften konnten mit Hilfe von Foto- und Videoaufnahmen von elf Stationen des europäischen Netzwerks zur Beobachtung von Feuerkugeln nicht nur die Flugbahn des Meteors durch die Atmosphäre präzise beschreiben, sondern auch Informationen über seine Zusammensetzung erlangen. Demnach handelte es sich um einen Steinmeteoriten. Zugleich haben sie jenes Gebiet identifiziert, in dem eine relativ große Anzahl von Fragmenten des ursprünglichen Körpers als Meteoriten die Erdoberfläche erreicht haben könnten.

Demnach drang der rund 270 Kilo schwere Himmelskörper um 4.46 Uhr in die Erdatmosphäre ein und begann in einer Höhe von rund 100 Kilometer über der tschechisch-bayerischen Grenze im Böhmischen Wald zu leuchten. Zu dieser Zeit bewegte er sich mit einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 14 Kilometern pro Sekunde und flog weiter in südöstlicher Richtung auf einem leicht abfallenden Pfad, wie die Astronomen auf ihrer Homepage schreiben. Die maximale Helligkeit, die jener des Vollmonds entsprach, erreichte der Meteor kurz nach der Überquerung der Donau südöstlich von Linz in 42 Kilometer Höhe.

Feuerkugel leuchtet 24 Sekunden

In dieser Phase des Fluges wurde der Meteor langsamer und begann sich in der Atmosphäre aufzulösen – was bis zu seinem Erlöschen in einer Höhe von 25 Kilometern südwestlich von Mariazell dauerte. Als Feuerkugel leuchtete der Himmelskörper über eine Strecke von fast 290 Kilometern ungewöhnlich lange über 24 Sekunden.

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Das Gros des ursprünglichen Materials dürfte in der Atmosphäre verglüht sein. Dennoch gehen die tschechischen Astronomen davon aus, dass "relativ viel" Material insbesondere kleinere Teile die Erdoberfläche erreicht haben. Zu erwarten seien aber auch zwei Meteoriten mit einem Gewicht von ein bis vier Kilogramm, die im südöstlichen Teil des Fallgebiets liegen sollten, das sich laut einer auf der Homepage des Instituts veröffentlichten Karte etwa von Lunz am See bis Kindberg erstreckt. Weil es sich dabei hauptsächlich um bergiges Gelände handelt, dürfte das Auffinden von Meteoriten ziemlich kompliziert sein, schreiben die Experten.

Der Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Ludovic Ferriere, hat sich am Samstag dennoch aufgemacht, um in dem Gebiet nach Meteoriten zu suchen, wie er gegenüber der APA erklärte. Weil es in Österreich kein spezifisches Gesetz für den Fund von Meteoriten gibt, befürchtet er, dass etwaige Funde in den Händen privater Meteoritensammler und nicht im Museum landen. Er bittet bei ungewöhnlichen Gesteinsfunden in der Region um Informationen und Fotos (ludovic.ferriere@nhm-wien.ac.at). (APA)


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