Tirols LH Platter an Touristiker und Gäste: „Wir sperren auf“

Sinkende Corona-Zahlen und ein neuer Fixkostenzuschuss sollen Start in die Wintersaison in Tirol ermöglichen – trotz neuer Warnungen aus dem Ausland.

LH Günther Platter gibt für die Wintersaison die Parole "Aufsperren" aus: "Dass Betriebe – Hotels, Gasthäuser und Skilifte – nicht aufsperren, ist eine Gefahr für den Tourismusstandort Tirol."
© Land Tirol/Pichler

Von Alois Vahrner

Innsbruck – Seit Inkrafttreten des Lockdowns light vor drei Wochen seien die Neuinfektionen in Tirol um 15 Prozent gesunken, mit dem vorerst bis 6. Dezember befristeten harten Lockdown sollte die Kurve scharf nach unten gehen, sagte Tirols LH Günther Platter bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschafts-Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser.

Laut Platter gibt es auch die Hoffnung auf eine rasche Impfung, zudem könnten mit dem neuen Fixkostenzuschuss-Modell auch die Kosten der für einen Minimalbetrieb benötigten Mitarbeiter gefördert werden – und das bei ganz schwacher Auslastung bis zu 100 Prozent. Bei nur 30 Prozent Auslastung gäbe es beispielsweise 70 Prozent Zuschuss. Für den Tourismus und die Urlauber könnten damit deutliche „Öffnungssignale“ gesendet werden, so Platter. „Der Start in die Wintersaison etwa für Hotels, Gastronomie und Seilbahnen wird damit möglich: Unsere Botschaft ist daher klar: Wir sperren auf.“

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Platter für "behutsames Aufsperren", Zeitpunkt ungewiss

Für Zoller-Frischauf (ÖVP) sei das vorgelegte Modell ein „wichtiges Sicherheitsnetz“, damit sich Unternehmen im Winter zum Öffnen entschließen. „Es darf ganz einfach nicht lukrativer sein, seinen Betrieb geschlossen zu halten, als aufzumachen.“ Für Kammer-Chef Walser sei nun gewährleistet, dass die Betriebe bei schlechter Auslastung nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Die Betriebe könnten öffnen, auch wenn das sonst vorerst betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll oder zu riskant wäre.

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Wann der Tourismus allerdings aufsperren kann, das steht vorerst in den Sternen. Platter sprach sich für ein „behutsames Aufsperren“ aus. Der Landeshauptmann warnte in diesem Zusammenhang vor der Hoffnung, dass „im Dezember alles wieder aufmacht“. Der Tourismus mit seinen 64.000 Beschäftigten verdiene jeden dritten Euro des Wohlstandes in Tirol.

Kritik von Opposition

Von Seiten der Opposition kam unterdessen scharfe Kritik an der Aufsperr-Ankündigung: LH Platter betreibe komplette Realitätsverweigerung und treibe die Tiroler Tourismusbetriebe in ein gefährliches Abenteuer, auch wenn der Fixkostenzuschuss ein gutes Instrument sei, sagt NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer. Seine Partei schlage „den freiwilligen Winterschlaf“ für Betriebe vor. Für FPÖ-Chef Markus Abwerzger sei die Wirtschaft beinahe am Ende und die Bevölkerung vollkommen verunsichert und verängstigt. Die Regierungen in Bund und Land müssten endlich reinen Wein einschenken.

Während die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erneut vor Winter-Urlauben im Ausland warnten, will die italienische Regierung ein europaweites Verbot von Skiurlauben in den Weihnachtswochen durchsetzen. Sechs norditalienische Regionen, darunter auch das Trentino und Südtirol, appellierten an Rom, den Vorstoß zurückzunehmen. Die italienische Ski-Weltcupsiegerin Federica Brignone warnte vor katastrophalen Schäden, sollten die Skianlagen über Weihnachten geschlossen bleiben. „Zu Weihnachten muss man ein positives Signal senden und die Skipisten öffnen.“ Südtirols LH Arno Kompatscher rechnet mit einem Wintersaison-Start nicht vor Jänner.

Einbruch im Oktober, 30 Prozent Sommer-Minus

Innsbruck – Die internationalen Reisewarnungen wegen der stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen haben die Gäste-Ankünfte im Oktober in Tirol um über 69 Prozent (auf 216.000) und die Nächtigungen um über 65 Prozent (auf 804.000) einbrechen lassen.

Insgesamt bilanziert die zu Ende gegegangene Sommersaison (Mai bis Oktober) mit einem Rückgang der Ankünfte um fast 39 Prozent auf etwa 3,8 Millionen, die Zahl der Nächtigungen fiel wegen der etwas längeren Aufenthaltsdauer mit fast 30 Prozent auf 15,58 Millionen und damit den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. In Innsbruck gab es einen Nächtigungs-Einbruch um über 61 Prozent. (va)


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