"Gracias Diego!" Argentinien und Neapel nehmen Abschied von Maradona

Tausende Menschen standen schon vor Sonnenaufgang Schlange, um Abschied von Maradona nehmen zu können. Das verstorbene Fußball-Idol soll noch am (heutigen) Donnerstag in Buenos Aires bestattet werden.

Legende Diego Maradona verstarb kurz nach seinem 60. Geburtstag: Argentinien trägt Trauer.
© Alejo Manuel Avila / Le Pictoriu via www.imago-images.de

Buenos Aires/Neapel - Argentiniens verstorbenes Fußball-Idol Diego Maradona soll noch am (heutigen) Donnerstag in Buenos Aires bestattet werden. "Die Beisetzung findet heute am Nachmittag statt", sagte sein Sprecher Sebstian Sanchi der Nachrichtenagentur AFP. Maradona solle auf dem Friedhof der Gemeinde Bellavista im Nordwesten von Buenos Aires beigesetzt werden, auf dem auch seine Eltern beerdigt wurden.

Der Weltmeister von 1986 war am späten Mittwochvormittag im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt erlegen. Am Donnerstag nahmen Zehntausende Fans Abschied von ihrem Idol, dessen Sarg im Präsidentenpalast von Buenos Aires aufgebahrt war. Aus aller Welt trafen Trauerbotschaften für Maradona ein, der in seiner Profi-Ära als bester Fußballer der Welt galt.

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Nach dem Tod von Maradona wurde der Leichnam des argentinischen Fußball-Idols im Regierungspalast in Buenos Aires aufgebahrt worden. Der Sarg mit den sterblichen Überresten sei in der Nacht auf Donnerstag in einem Krankenwagen in die Casa Rosada gebracht worden, berichteten örtliche Medien. Tausende Menschen standen schon vor Sonnenaufgang Schlange, um Abschied von Maradona nehmen zu können. Familienangehörige und enge Freunde waren bereits vorher eingelassen worden.

Als sich in der Früh die Pforten öffneten, zogen die Fans nach einer Sicherheitskontrolle an dem mit einer argentinischen Fahne bedeckten Sarg vorbei, um dem Weltmeister von 1986 die letzte Ehre zu erweisen. Viele weinten, andere warfen Trikots mit der Nummer 10 über die Absperrung, wie auf TV-Bildern zu sehen war. "Gracias Diego, gracias! (Danke Diego, danke!)", schrie ein Mann unter Tränen, als er an dem Sarg vorbeiging.

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Die Regierung rechnet mit bis zu einer Millionen Trauergästen. Angesichts der Corona-Pandemie riefen die Behörden die Menschen dazu auf, Schutzmaßnahmen einzuhalten. Staatschef Alberto Fernandez hatte eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Die Obduktion habe bestätigt, dass der 60-Jährige an einem Herzinfarkt gestorben sei, hieß es in Medienberichten. Maradona sei demnach am Mittwoch gegen 11.30 Uhr Ortszeit leblos in seinem Bett gefunden worden. Ein Neffe habe ihn am Abend zuvor gegen 23.00 Uhr vermutlich als Letzter lebend gesehen.

"Ciao Gott des Fußballs" - Neapel trauert

Kerzen, Fahnen und bengalische Feuer: Die Stadt Neapel hat nach der Nachricht über den Tod von Diego Maradona lautstark und emotional Abschied von der Fußball-Legende genommen. Am Mittwochabend schien Corona keine Rolle zu spielen. Hunderte Menschen waren auf den Straßen der Stadt unterwegs, für die eigentlich wegen der Pandemie ein Teil-Lockdown mit strengen Ausgangsbeschränkungen gilt.

"Neapel trauert - Ciao Gott des Fußballs", stand auf einem Schild, das ein Mann an einer Tür anbrachte. "Neapel sieht ihn wie eine zweite Mutter", erklärte ein Passant Mittwochnacht in einem Video, das die Zeitung "il Fatto Quotidiano" veröffentlichte. "Neapel dankt ihm für das, was er getan hat", sagte ein anderer.

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In den engen Gassen Neapels drängten sich in der Nacht auf Donnerstag die Menschen. Maradona ist dort allgegenwärtig, an vielen Hausfassaden prangen Graffitis und Gemälde des ehemaligen Superstars von SSC Napoli. 1984 war er vom FC Barcelona zu den Neapolitanern gekommen. Acht Jahre hatte er für den süditalienischen Club gespielt. Bei keinem anderen Verein stand er in seiner Profi-Karriere länger unter Vertrag. Mit ihm feierten die "Azzurri" ihre größten Erfolge, wie ihre beiden bisher einzigen Titel in der italienischen Serie A in den Jahren 1987 und 1990. International verhalf der Argentinier 1989 dem Club zum Gewinn des UEFA-Cups.

Damit spielte sich der kleine Offensivmann mit dem riesigen Talent aus der Nähe von Buenos Aires in die Herzen der Fans aus Neapel, die ihm nun mit Feuerwerk und Böllern gedachten - auch vor dem berühmten Wohnblock im Osten der Stadt, an dessen Wand der Straßenkünstler Jorit ein mehrere Meter hohes Konterfei Maradonas einst malte. Und vor dem San-Paolo-Stadion der Azzurri lagen sich Menschen in den Armen, legten Schals sowie Trikots nieder und riefen zusammen Maradonas Namen. "O unsterblicher König - deine Fahne wird nie aufhören zu wehen" stand auf einem Banner am Zaun der Arena.

Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris setzte unterdessen erste Schritte in Gang, um das Stadion umzubenennen. "Lasst uns das San-Paolo-Stadion Diego Armando Maradona widmen", schrieb er bereits am Mittwoch auf Twitter. Es sei ein Prozess, aber ein schneller. Wenn es so einen starken Willen dafür gebe, werde uns nichts aufhalten, sagte er einen Tag später. (APA/dpa)


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