Vier Rennen, drei Siege: Vlhova lässt ihre Muskeln spielen

360 von möglichen 400 Weltcuppunkten fuhr Petra Vlhova in den ersten vier Rennen der neuen Ski-Saison ein. Damit ist jetzt schon klar: Der Weg zur großen Kristallkugel führt heuer über die Slowakin.

Petra Vlhova eilte in dieser Woche von Sieg zu Sieg.
© EXPA/JOHANN GRODER

Lech – Petra Vlhova ist endgültig bereit für den Kampf um die große Weltcup-Kugel. Der 25-jährigen Skirennläuferin aus der Slowakei ist mit Platz drei beim Auftakt-RTL in Sölden und danach drei Siegen in Folge ein wahrer Traumstart in die WM-Saison gelungen. 360 von 400 möglichen Punkten hat Vlhova in den ersten vier Rennen geholt, nun will sie in den Speed-Disziplinen nachlegen.

2019 hat Vlhova bei der WM in Schweden einen kompletten Medaillensatz gewonnen, darunter im Riesentorlauf auch das erste Gold für die Slowakei. Nun ist das Slalom-Ass (10 Siege) drauf und dran, für eine nicht gerade typische und kleine Skination erstmals sogar die große Kugel für den Gesamtsieg zu holen. Ähnlich wie ihr jahrelanges Vorbild Janica Kostelic. Aus Bewunderung für die Kroatin hatte sich Vlhova als Jugendliche einst vor den Wettkämpfen selbst Zöpfe flechten lassen.

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Leicht wurde es Vlhova nicht gemacht, bis hierherzukommen. Wie schon vor ihr Landsfrau Veronika Velez-Zuzulova hatte und hat die aus Liptovsky Mikulas nahe der Hohen Tatra kommende Vlhova sowie ihre Familie kein gutes Verhältnis zum Skiverband. Anfänglich bezahlte ihr Vater alle Kosten. Heute bringt sie dank der zunehmenden Erfolge ein geschätztes Budget von 350.000 Euro für ihr von Livio Magoni angeführtes Privatteam auf.

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Magoni weist Vlhova den Weg zum Erfolg

Mit ihrem italienischen Coach, der seinen Schützling zwecks Koordinationsschulung sogar Schlagzeug spielen lässt, verbindet sie vor allem eines: Nämlich der Glaube daran, dass vor allem hartes Training zum Erfolg führt. Kein Mittel wird dabei ausgelassen. Wie Marcel Hirscher sitzt Vlhova oft im Paddelboot oder fährt Motocross, um bestimmtes Körperverhalten sowie das Gefühl für Rennlinien zu trainieren.

„Wenn sie dem Weg folgt, den ich ihr zeige, wird sie im nächsten Winter schwer zu schlagen sein“, sagte Magoni vergangenen Februar der NZZ. 17 Weltcupsiege und 38 Podestplätze hat Vlhova seit dem abendlichen Parallelrennen in Lech/Zürs auf der Habenseite sowie neben ihren WM-Medaillen auch kleine Kugeln für Slalom und Parallel gewonnen. Und das, obwohl sie zunächst meist die Nummer zwei hinter der überragenden Mikaela Shiffrin gewesen war.

Immer häufiger hat Vlhova die US-Rekordläuferin und 1995er-Jahrgangskollegin zuletzt aber auch in direkten Slalom-Duellen besiegt. Die Kalamitäten, die vergangenen Winter wegen Shiffrins Spionage-Vorwürfen aufgekommen waren, sind aber spätestens seit der Familientragödie im Hause Shiffrin kein Thema mehr. Die Amerikanerin fehlte vergangenen Winter wegen des Todes ihres Vaters länger und war am Donnerstagabend auch in Lech/Zürs nicht am Start.

Dort warf Vlhova die gesamte Wucht ihrer 1,80 Meter Körpergröße sowie 73 Kilo ins Rennen, entschied mehrmals dank lang gemachtem Arm und sogar ausgestreckter Finger nur um Wimpernschläge die Duelle doch noch zu ihren Gunsten. „Ohne mein Team würde ich nicht so fahren. Wir haben alle zusammen einen sehr guten Job gemacht“, streute Vlhova ihrer Truppe, der neben Magoni mehrere Ski-Coaches, Physios und Serviceleute sowie Bruder Boris angehören, Rosen.

Nächster Halt: St. Moritz

2012 hatte Vlhova Slalom-Gold bei Jugend-Olympia in Innsbruck geholt, 2014 wurde sie Junioren-Weltmeisterin im Slalom. Ein Jahr später gewann sie - in Abwesenheit von Shiffrin - als 20-Jährige mit einem Slalom in Aare in Schweden ihr erstes Weltcuprennen. Seitdem ist Vlhova als kommende Weltcupsiegerin punziert. Gut im Rennen war sie schon mehrmals. So auch vergangene Saison, in der wetterbedingt sowie wegen Corona aber die letzten zehn Rennen ausfielen und damit die führende Federica Brignone Gesamtsiegerin wurde.

Vlhova wurde am Ende hinter der Italienerin sowie Shiffrin Gesamtdritte nachdem sie ein Jahr davor schon Zweite hinter der US-Amerikanerin geworden war. Mittlerweile hat die Slowakin aber in den Speedbewerben stark zugelegt. Es ist ein Plan Magonis, der mit dieser Allround-Methode schon die Slowenin Tina Maze zur Gesamtsiegerin und einem Weltcup-Punkterekord gecoacht hat.

Top-Ten-Plätze in Abfahrt und Super-G sind bei Vlhova längst keine Überraschung mehr und ihre anhaltenden Erfolge in den Technikbewerben - Vlhova hat saisonübergreifend fünf Slaloms in Serie gewonnen - sind auch deshalb bemerkenswert, weil sie zuletzt vor allem an den schnellen Disziplinen gearbeitet hat. Was sie da drauf hat, kann sie bei der Weltcup-Fortsetzung Anfang Dezember in St. Moritz bei zwei Super-G-Rennen unter Beweis stellen. (APA)


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