Anschober: „Auf Intensivstationen noch kein Trend nach unten"

Bei einer Pressekonferenz am Freitag betonte der Gesundheitsminister die Wichtigkeit, die Zahlen in den nächsten Tagen „viel stärker" nach unten zu drücken. Der Tiroler Infektiologe Günter Weiss sieht das Gesundheitssystem nach wie vor „bis an die Grenzen belastet". Intensivmediziner Klaus Markstaller ruft zu einer Kraftanstrengung für ein „so normales Weihnachten wie möglich" auf.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (re.), Klaus Markstaller (li.) und Günter Weiss (Mitte) gaben am Freitag Auskunft über die aktuelle Pandemie-Lage und die Situation in den Intensivstationen.
© HERBERT NEUBAUER

Wien – Am Freitag sind in Österreich 4954 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet worden. Es gebe „die ersten kleinen Schritte nach unten in den vergangenen Tagen", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz. Bei der Auslastung der Intensivbetten sah er dagegen „noch keine Entwicklung nach unten", Anschober ortete aber eine Stabilisierung. „Es muss in den nächsten Tagen viel stärker nach unten gehen", sagte er daher auch zu den Neuinfektionen.

„Die Zahlen sind nach wie vor dramatisch hoch, das halten wir auch nicht lange aus", betonte der Gesundheitsminister. Es sei nun der elfte Tag des harten Lockdowns und jeder sollte sich noch einmal fragen: „Was brauchen wir an Kontakten, was ist vermeidbar?" Auf den Intensivstationen sollten nicht nur Triagen vermieden, sondern auch Entlastung geschaffen werden.

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„Wir haben einen dramatischen Zuwachs erlebt auf den Intensivstationen", sagte Klaus Markstaller, Präsident der Intensivmedizin-Fachgesellschaft ÖGARI bei der Pressekonferenz. Mehr als 700 der rund 2000 Intensivbetten in Österreich seien nach wie vor belegt. Zehn Prozent seien problemlos zu belegen, aber da beginne es bereits damit, dass Patienten verlegt und Operationen nicht zeitgerecht durchgeführt werden, erläuterte der Mediziner.

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Hauptsächlich jüngere Menschen auf Intensiv

Die aktuelle Auslastung von einem Drittel sei sehr hoch, „aber es ist keine Katastrophe". Die Zahlen stabilisieren sich, bedankte sich Markstaller auch bei der Bevölkerung. Es sei zu keiner kritischen Phase bei einer 50-prozentigen Auslastung oder einer Triage gekommen. Er betonte aber die Wichtigkeit der weiteren Einhaltung der Corona-Maßnahmen.

„Das System ist bis an die Grenzen belastet", sagte der per Video zugeschaltete Direktor des Departments Innere Medizin an der MedUni Innsbruck, Günter Weiss. Die Zahl sei auf Normal- und Intensivstationen „nach wie vor sehr hoch" und es werde „dringend Entlastung gebraucht" vor der Influenza-Welle. Es sei nicht möglich gewesen, den Normalbetrieb in den Spitälern aufrecht zu erhalten, berichtete Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz. Planbare Operationen – sogenannte elektive Eingriffe – mussten verschoben werden, das betraf etwa Leistenbrüche, Grauen Star und Hüft-OPs. „Dies muss alles nachgeholt werden", sagte Lamprecht.

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Auf den Intensivstationen befinden sich derzeit hauptsächlich jüngere Patienten, die berufstätig sind, erläuterte Markstaller. Es handle sich meist um 50- bis 60-Jährige, berichtete er aus dem AKH Wien. Dort sei der älteste Intensivpatient derzeit 68 Jahre alt und die jüngste intensivpflichtige Patientin 19 Jahre. „Covid-19 ist bei manchen Menschen eine wirklich schwere Erkrankung". Zudem gibt es auch „Folgewirkungen, wie wir inzwischen wissen", warnte der Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie am AKH Wien.

Anschober: „Es liegt noch sehr viel vor uns"

„Ich glaube, wir könnten in den nächsten Wochen relativ gut Weihnachten verbringen, wenn es eine gemeinsame Kraftanstrengung wird", sagte Markstaller. Kraftanstrengung „bedeutet nicht Verzicht auf Weihnachten", erläuterte der ÖGARI-Präsident, sondern unter den Gegebenheiten zu leben, bis wir eine Impfung haben. Das sei „leider unsozial", würde aber dabei helfen, „ein so normales Weihnachten wie möglich" zu verbringen. „Wir Intensivmediziner tun auch unser bestes dafür."

Es gebe weiterhin die Chance eine „Katastrophe zu vermeiden, Triage zu vermeiden", sagte Anschober. Es liege noch sehr viel vor uns, dass wir das schaffen. „Das dürfen wir durch zu starke, zu rasche Öffnungsschritte einfach nicht gefährden", betonte der Gesundheitsminister auch auf Nachfrage zu den Regierungsplänen für die Skisaison. Diese sollten am kommenden Mittwoch auf den Tisch gelegt werden. Bis dahin laufe noch sehr intensiv ein interner Arbeitsprozess. (APA)


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