Gut zu wissen: Lernen im Lockdown mit YouTube und Co.

Online gibt es zahlreiche Seiten mit frei verfügbaren Erklärvideos. Das Angebot ist groß und oft unübersichtlich. Hier finden Sie Tipps für einige Kanäle von Geschichte bis Mathematik und Naturwissenschaften.

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Mai Thi Nguyen-Kim, Mirko Drotschmann und Yumna Samie (v.l.) erklären auf YouTube u.a. Naturwissenschaft, Geschichte und Aufsatzgestaltung.
© Screenshots YouTube (MaiLab, MrWissen2go, Crash Course)

Von Benedikt Kapferer

Innsbruck – Was ist die Bedeutung der gelben Tapete in Charlotte Perkins Gilmans gleichnamiger Kurzgeschichte? Welche Philosophie steckt hinter Immanuel Kant? Und was hat es mit Big Data auf sich?

Erklärvideos im Internet gibt es heute wie Sand am Meer. Auf Sozialen Medien wie Instagram und YouTube geben sie in fünf bis 15 Minuten einen kurzweiligen Einblick in verschiedenste Themen: von Geschichte, Philosophie und Literatur über Mathematik und Naturwissenschaften bis hin zu Digitaler Grundbildung gibt es kein Schulfach, zu dem es im Web nichts gibt.

Das Angebot ist dementsprechend groß und häufig unübersichtlich. Wer im Fernunterricht von Zuhause aus spannend und unterhaltsam Inhalte lernen möchte, sollte sich einen Überblick über die besten Kanäle und Plattformen verschaffen (siehe Infobox unten). Denn speziell im Lockdown 2.0 lockern Mai Thi Nguyen-Kim, John Green und Co. den schulischen Alltag im Home Office auf.

Schulfernsehen zwischen damals und heute

Was früher für viele das ORF Schulfernsehen war, ist heute YouTube. Seit der Gründung vor 15 Jahren bietet die Videoplattform von Google der nächsten Generation ein Medium zur Unterhaltung und Information.

Wie die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie zeigt, werden Erklärvideos den klassischen Unterricht nicht ersetzen, aber sie können ihn anreichern und abwechslungsreicher gestalten
Reinhold Madritsch (Dozent für eLearning und Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Universität Innsbruck

Laut einer Studie des deutschen Rates für Kulturelle Bildung aus dem Jahr 2019 ist YouTube ein Leitmedium und digitaler Kulturort für Jugendliche. 86 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen die Plattform. Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler finden das Portal wichtig bis sehr wichtig. Dabei verwenden sie die Videos insbesondere für die Wiederholung von Inhalten aus dem Unterricht oder als Hilfe bei Hausaufgaben.

„Vor allem in Hinblick auf das individuelle Lerntempo bringen Erklärfilme viele Vorteile“, meint Reinhold Madritsch, Dozent für eLearning und Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Universität Innsbruck. Gefragt sind sie daher auch zum eigenständigen Vertiefen des Wissens oder zum Lernen auf Tests.

„Kein Ersatz der Schule, aber Abwechslung"

Während es im heimischen Fernsehen ab 1964 „Let’s learn English“ oder „Russisch für Anfänger“ hieß, ist der Bildungscontent von heute auf YouTube-Kanälen wie „Simple Club“, „Sommers Weltliteratur to go“, „Khan Academy“ oder „Lehrerschmidt" zu finden. Mit umfangreichen Playlists und zahlreichen Videos spannt sich eine audio-visuelle Enzyklopädie für Jung und Alt.

Aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender mischen den Markt der Erklärvideos auf: Das Gemeinschaftsprojekt „funk“ von ARD und ZDF sowie die „ORF1 Freistunde" oder „Edutube“ vom ORF und dem Bildungsministerium bieten professionell aufbereitete Inhalte.

Gerade im Corona-bedingten Fernunterricht eignen sich die Kurzfilme besonders für Kinder und Jugendliche. „Wie die aktuelle Situation zeigt, werden sie den klassischen Unterricht nicht ersetzen, aber können ihn anreichern und abwechslungsreicher gestalten“, so Madritsch im TT-Gespräch. Ob auf Englisch oder Deutsch: Mit „Kurzgesagt – Dinge einfach erklärt“ bzw. „In a Nutshell“ oder „School of Life“ lassen sich nebenbei auch die Fremdsprachenskills verbessern.

Vom Anschauen zum Gestalten

Das kritische Denken muss dabei keinesfalls zu kurz kommen. Wenn Lehrerinnen und Lehrer Fragen zu den Videos mitgeben, beziehen sie sie aktiv in das virtuelle Klassenzimmer ein und regen Diskussionen an.

Der Einfluss von YouTube ist dabei nicht außer Acht zu lassen. Denn die Mehrheit der Jugendlichen wünscht sich mehr kritische Auseinandersetzung mit der kommerziellen Plattform, so die Studie von 2019.

Auch die eigene Gestaltung sollte nicht zu kurz kommen. „Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist oft aufwändiger, als eine eigene Videosequenz zu produzieren“, meint eLearning-Experte Madritsch zur großen Auswahl im Netz. Sogar mit dem Smartphone lässt sich leicht ein kreatives Lernvideo produzieren. Statt des Referates in der Klasse können die Schülerinnen und Schüler im Lockdown in einem Erklärvideo zum Experten werden. Vorbilder gibt es dafür genug.

Tipps für Kanäle mit Erklärvideos

MrWissen2go / MrWissen2go Geschichte: Seit 8 Jahren erklärt MrWissen2go alias Mirko Drotschmann auf seinen Kanälen Politik, Geschichte und aktuelles Zeitgeschehen. Bilder und Grafiken machen die komplexen Inhalte leicht verständlich. Damit hat er bereits den einen oder anderen Maturanten gut auf die mündliche Prüfung vorbereitet. >> YouTube / funk.net

ZDF Terra X: Das ZDF stellt seit etwa einem Jahr Beiträge aus der Terra X Reihe unter einer freien Lizenz (Creative Commons, CC-BY bzw. CC-BY-SA) bereit. Die kurzen Videos zu Physik, Biologie oder Technik können daher heruntergeladen und unter Quellenangabe verwendet sowie bearbeitet werden. Ideal für eigene Produktionen. >> zdf.de

Crash Course: John Green ist vielen eher als Autor von Jugendbüchern bekannt. Mit seinem Bruder Hank baute er mit dem Kanal jedoch ein regelrechtes Universum des Wissens auf. Die englischsprachigen Playlists reichen von Geschichte, Literatur über Medienkompetenz bis zu Astronomie und Wirtschaft. >> thecrashcourse.com / YouTube

Edutube: Das Bildungsministerium startete im Zuge des ersten Lockdowns im April zusammen mit dem ORF die Plattform Edutube. Bildungseinrichtungen haben Zugang zu einem breiten Angebot an journalistischen Dokus und Tutorials. Besonders die Lehrplanbezüge führen zu zahlreichen Treffern für das gewünschte Unterrichtsfach. >> edutube.at

MaiLab: Mai Thi Nguyen-Kim veranschaulicht auf ihrem Kanal die Welt der Naturwissenschaften und wie sie unser Leben beeinflussen. Sie ist auch Teil von funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF. Die promovierte Chemikerin begrüßt regelmäßig ihre „Freunde der Sonne“ und erhellt damit den Alltag von über einer Million Abonnenten. >> YouTube / funk.net

❓❕ Sie haben noch weitere Tipps für Kanäle und Plattformen auf Lager? Was ist Ihre Meinung zum Lernen auf YouTube und Co.? Schreiben Sie es in die Kommentare oder per Mail an benedikt.kapferer@tt.com


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