Anschlag in Wien: Prozess gegen möglichen Beteiligten am 21. Dezember

Gegen einen möglichen Beteiligten am Terroranschlag in der Wiener Innenstadt wird am 21. Dezember wegen terroristischer Vereinigung verhandelt. Der Anschlag spielt in dem Prozess nur indirekt eine Rolle.

Die Anklage hat nichts mit dem Anschlag vom 2. November zu tun, der vier Menschen das Leben kostete.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Einer der möglichen Tatbeteiligten am Terror-Anschlag vom 2. November in der Wiener Innenstadt muss sich noch vor Weihnachten wegen terroristischer Vereinigung am Wiener Landesgericht verantworten. Die Anklage gegen den 18-Jährigen bezieht sich allerdings auf Vorgänge zwischen März 2018 und Oktober 2019 und hat damit nichts mit dem Anschlag zu tun, der vier Passanten das Leben gekostet hat, ehe der Attentäter (20) von der Polizei erschossen wurde.

Allerdings spielt der 20-Jährige in der auf 21. Dezember anberaumten Verhandlung insofern eine Rolle, als der damals 16-Jährige den späteren Attentäter in seinen Plänen bestärkt haben soll, als dieser ihm ankündigte, er wolle nach Syrien reisen und sich dort der radikalislamistischen Terror-Miliz IS (Daesh) anschließen, um zur „Eroberung“ Syriens beizutragen. Der 18-Jährige, der laut Anklage dem Angreifer im Vorfeld mittels Übermittlung von Videodateien und Internet-Links mit IS-Propagandamaterial versorgt hatte, soll diesen dafür in holprigem Deutsch gelobt („Möge Allaah dich höchste Platz in Paradise nimmt“) und ihm Schutz vor den „Kuffar“ (Ungläubigen, Anm.) gewünscht haben. Außerdem avisierte der damals Jugendliche, er werde nach Abschluss seiner Ausbildung selbst gen Syrien ziehen.

IS-Material gesammelt und verbreitet

Der Anklageschrift zufolge, mit der sich in drei Wochen ein Schöffensenat auseinandersetzen muss, hatte der mittlerweile Erwachsene spätestens im März 2018 den Entschluss gefasst, „seine Sympathien gegenüber der terroristischen Vereinigung Islamischer Staat und deren Wirken durch aktive Handlungen zu unterstützen“. Zum IS hatten den Burschen einschlägige Videos, Nasheeds (salafistische Kampfgesänge, Anm.) und radikale Prediger gebracht, denen er im Internet folgte. Von ihm angesammeltes IS-Material soll der Angeklagte vor allem über Telegram-Chats Gleichgesinnten zukommen haben lassen und solcherart die Ziele der Terror-Organisation verbreitet und gefördert haben.

Der spätere Attentäter war im Spätsommer 2018 tatsächlich nach Syrien aufgebrochen, wurde aber von den türkischen Behörden aufgegriffen, festgenommen und nach vier Monaten in einem türkischen Gefängnis an Österreich ausgeliefert. Hier wurde er Ende April 2019 wegen terroristischer Vereinigung zu 22 Monaten verurteilt, wobei ihm die Haft in der Türkei sowie die U-Haft in Wien angerechnet wurde. Anfang Dezember 2019 wurde der spätere Attentäter gegen Auflagen – unter anderem wurde ihm die Fortsetzung eines während der Inhaftierung begonnenen Deradikalisierungsprogramms aufgetragen – vorzeitig bedingt entlassen. (APA)

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