Tourismus bangt um Millionen Winterurlauber, Hoteliers sind sich uneinig

Die hohen Corona-Infektionszahlen und internationale Reisewarnungen haben den Start des heimischen Tourismus in die aktuelle Wintersaison vorerst ausgebremst. 70 Prozent der Gäste sind Skifahrer, 11,5 Millionen kamen im vergangenen Winter aus dem Ausland. Die Hoteliers sind uneins bezüglich einer Öffnung vor Weihnachten.

(Symbolbild)
© BARBARA GINDL

Wien – Beim Vorstoß Italiens und Deutschlands, die europäischen Skigebiete Corona-bedingt bis in den Jänner hinein geschlossen zu halten, steht für die heimischen Touristiker viel auf dem Spiel. Vergangenen Winter beherbergten diese fast 16 Millionen Gäste. „Rund 70 Prozent der Urlauber im Winter entfallen auf den alpinen Raum, die Lifte- und Gondelregionen, sind also Skifahrer", sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits.

Der Rest seien Städtetouristen oder Besucher der Thermenregionen, der allergeringste Anteil entfalle auf Geschäftsreisende, ergänzte der Branchensprecher unter Verweis auf eine entsprechende geografische Erhebung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). In normalen Jahren steigerten sich die Buchungen der Wintersportler dem Hotelierssprecher zufolge ab Mitte November bis inklusive Februar ständig – mit einer leichten Zwischenabflachung im Jänner. „Der Februar ist der stärkste Monat", ergänzte er. Da schlugen bisher immer die Semesterferien durch.

Mehr deutsche Urlauber als inländische

Das Gros der Winterbuchungen kommt von den Deutschen und von den Österreichern selbst. Von den in Summe knapp 16 Millionen Österreich-Urlaubern im vergangenen Winterhalbjahr 2019/20 (November 2019 bis April 2020) reisten laut Statistik Austria 11,5 Millionen aus dem Ausland an – fast 5,2 Millionen davon aus Deutschland und über eine Million aus den Niederlanden. Weitere 4,5 Millionen kamen aus Österreich. Somit machten mehr Deutsche Urlaub in Österreich als Inländer. Diese rangierten nur auf Platz zwei. Reisewarnungen beziehungsweise die entsprechenden Quarantänebestimmungen in den Herkunftsländern würden den heimischen Tourismus ins Mark treffen, da im Durchschnitt lediglich 28 Prozent der Urlauber aus Österreich selbst stammten und fast drei Viertel aus dem Ausland. In den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg ist der Auslandsanteil sogar noch wesentlich höher.

Unter den ausländischen Gästen waren die Schweizer und Liechtensteiner in der vergangenen Wintersaison mit in Summe knapp einer halben Million Ankünften die drittstärkste Gruppe – mit großem Abstand zu den Deutschen und Holländern. Knapp dahinter rangierten die über 430.000 Tschechen, die 410.000 Briten und die knapp 330.000 Italiener. Ebenfalls zu den Top-10-Herkunftsnationen im Ausland zählten auf den weiteren Plätzen die Ungarn (fast 280.000), die Belgier (fast 250.000), die Polen (über 230.000) und die Amerikaner (knapp 210.000), wie aus den endgültigen Daten der Statistik Austria für die Wintersaison 2019/20 hervorgeht.

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Die Corona-Pandemie hat das Winterhalbjahr 2019/20 bereits spürbar beeinträchtigt, da der erste Lockdown vom März/April noch in diese Periode fiel. Unter dem Strich lag die Urlauberzahl dadurch um fast ein Viertel (24 Prozent) unter dem Jahr davor.

Weiterer Fahrplan vielleicht schon morgen

Der aktuelle Winter ist im November angesichts der hohen Infektionszahlen gleich mit geschlossenen Hotels und Pisten gestartet. Wann die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie wieder uneingeschränkt öffnen dürfen, hoffen sie morgen, Mittwoch, im Zuge der erwarteten Ankündigungen der Bundesregierung zu erfahren. „Die Hotels brauchen mindestens eine Woche Vorlaufzeit zum Hochfahren und auch die Mitarbeiter wollen das wissen, ob sie im Dezember einen Job haben oder nicht", verdeutlichte Stanits die Dringlichkeit behördlicher Vorgaben diesbezüglich. Der Umsatzersatz, den die Betriebe im derzeitigen Lockdown erhalten, basiert auf dem November-Umsätzen des Vorjahres und endet nach derzeitiger Information am 6. Dezember, also kommenden Sonntag. (APA)

🏨 Hoteliers uneins betreffend Weihnachtsöffnung

Über den optimalen Zeitpunkt für die Wiederöffnung der Hotels herrscht Uneinigkeit. Knapp die Hälfte (46,5 Prozent) der Betriebe will spätestens bis Weihnachten aufsperren dürfen, etwas über die Hälfte danach, wie aus einer Umfrage der Hoteliervereinigung hervorgeht, die der APA exklusiv vorliegt.

„So schnell wie möglich" öffnen möchten 23,5 Prozent; vor Weihnachten – sprich ab dem 20. Dezember – aufmachen wollen weitere 23 Prozent. Mitte Jänner starten wollen 43 Prozent; knapp nach Weihnachten – am 26. Dezember – loslegen, also versuchen, auch das Silvestergeschäft noch mitzunehmen, wollen weitere 10 Prozent. Knapp ein Viertel aller Befragten betonte aber zugleich, dass für das Aufsperren "alleine die Infektionszahlen entscheidend" seien.

Obwohl die Buchungen massiv eingebrochen sind und eine wirtschaftliche Bewertung zumindest eine Herausforderung darstellt, würden aber sogar 69 Prozent der befragten Hoteliers am liebsten schon zu Weihnachten öffnen, wenn dies erlaubt und möglich wäre. Nur ein Fünftel davon führte als Motiv an, dass sich das auszahlte. Für den Großteil (rund 43 Prozent) stünde dabei im Vordergrund, die Mitarbeiter zu halten. Ein weiteres knappes Fünftel (19 Prozent) würde gerne für seine Stammgäste da sein, der Rest gab „sonstige Gründe" an.

Die erwartete Auslastung ist diesen Winter keinesfalls berauschend: Zu Weihnachten liegt sie aus aktueller Sicht im Schnitt bei knapp 29 Prozent, zu Silvester bei 43 Prozent, im Jänner bei rund 37 Prozent und im Februar dann bei fast 53 Prozent, wie aus der Erhebung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) weiters hervorgeht.

Westen und Osten sind sich einig

Befragt wurden 544 Beherbergungsbetriebe der gehobenen Kategorie mitten im zweiten Lockdown, im Zeitraum 27. bis 30. November. Über die Hälfte davon befindet sich in den im Winter nächtigungsstarken Bundesländern Tirol (22,3 Prozent), Salzburg (20,6 Prozent) und Vorarlberg (13 Prozent).

Die verbreitete Annahme, dass vor allem die westlichen Bundesländer mit einem besonders hohen Anteil an internationalen Urlaubern und dem Saisonhöhepunkt ab Februar (mit den österreichischen und deutschen Semesterferien bzw. niederländischen Krokusferien) auf den späteren Saisonbeginn setzen würden, halte nicht, so die Hoteliervereinigung: Die Zustimmung sei mit 44 Prozent im Westen bzw. 45 Prozent im Osten „praktisch gleich hoch" und die Differenz jedenfalls innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.


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