Ski-Lockdown: Bayern ruft Alpenländer zu Schließung bis Jänner auf

Der bayerische Staatskanzlei-Chef ist für einen Umsatzersatz von 75 Prozent. WK-Seilbahn-Obmann Hörl bekräftigt hingegen, „für unsere Leute" da sein zu wollen.

(Archivbild)
© TT/Böhm

München, Innsbruck – Im Streit um die Öffnung von Skigebieten in den Alpen appelliert Bayern weiterhin an die anderen Alpenländer, die Pisten auch über Weihnachten und Silvester nicht zu öffnen. Auch wenn sich „unsere Freunde" in Österreich und der Schweiz jede Einmischung verbieten, könne er am Ende des Tages nur raten, es wie Deutschland zu tun, sagte Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München.

Statt die Pisten, Hotels und Lifte zu öffnen, sollten die von der Schließung betroffenen Branchen lieber 75 Prozent der Umsätze vom Staat erstattet bekommen und die Skigebiete geschlossen bleiben.

Um das gemeinsame Ziel zu erreichen, die Pandemie zu bekämpfen, müssten Kontakte und Reisebewegungen reduziert werden. Daher müsse hinter dem normalen Ski- oder Winterurlaub ein großes Fragezeichen gemacht werden. Bayern sei in dieser Frage gegen Alleingänge und wünsche sich ein europäisch einheitliches Vorgehen.

Nach Rückkehr in Quarantäne

Wer dennoch zum Skifahren oder Wandern über die Grenze etwa nach Österreich fahre, der müsse nach seiner Rückkehr in Quarantäne, sagte Herrmann. Zwar sei dies an den Grenzen nicht lückenlos „administrierbar", Skifahrer und andere Wintersportler seien aber etwa in ihren Autos gut erkennbar.

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Österreich und die Schweiz wollen trotz Bedenken aus vielen anderen Ländern – darunter auch Deutschland – wegen sehr hoher Corona-Infektionszahlen ihre Skigebiete in der bei Touristen beliebten Weihnachtszeit öffnen – teils sind sie sogar schon offen. In Bayern sind die Skigebiete dagegen per Infektionsschutzverordnung geschlossen. Es ist davon auszugehen, dass dies auch über die bisherige Befristung bis zum 20. Dezember hinaus bis Jänner verlängert wird.

Herrmann betonte, dass bereits im Frühjahr der Skitourismus die Pandemie aus dem österreichischen Ischgl nach ganz Europa getragen habe und keiner hier ein Déjà-vu wolle. Dort hatten sich damals viele Touristen abseits der Pisten in Bars und Restaurants beim Feiern gegenseitig angesteckt.

Hörl für „baldige Wiederaufnahme" des Skibetriebs

Der Obmann des Fachverbandes der Österreichischen Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, Franz Hörl (ÖVP), hielt indes dagegen und drängte in einer Aussendung auf eine „baldige Wiederaufnahme" des Skibetriebs. „Wir sind keine reine Tourismusattraktion, sondern ein unverzichtbares Angebot für Erholung und Sport für die Tiroler Bevölkerung", betonte der ÖVP-Abgeordnete am Dienstag in einer Aussendung. Diesbezüglich verwies er auf bereits 75.000 verkaufte Tickets der drei großen Tiroler Kartenverbünde.

Reisewarnungen und Quarantäneregelungen im Ausland ändern „nichts daran, dass wir für unsere Leute da sein wollen und ihnen ein qualitativ hochwertiges, möglichst flächendeckendes Angebot und sichere Rahmenbedingungen bieten möchten", unterstrich der Tiroler Wirtschaftsbundobmann. In diesem Zusammenhang forderte Hörl auch, eine Verpflegung am Berg zu ermöglichen. Es sei „unverantwortlich, den Menschen auf 3.000 Metern den Zugang zu einer Stärkung, einer Aufwärmpause oder zu einem Schluck Tee zu verwehren. Eine gewisse Grundversorgung muss bei einer Öffnung der Skigebiete sichergestellt sein." (APA)


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