Massentests starteten mit massiven IT-Pannen und regem Andrang

In Tirol, Vorarlberg und Wien starteten Freitagfrüh die ersten Massentests. An vielen Standorten gab es Probleme mit dem IT-System des Bundes, das immer wieder ausfiel. Zum Teil griffen die Behörden deshalb auf eigene Datenerfassungs-Systeme zurück.

Die Getesteten in Tirol merkten von der Datenpanne wenig, das die Verantwortlichen rasch auf ein eigenes IT- bzw. Datenerfassungssystem zurückgriffen.
© EXPA/JOHANN GRODER

Wien – Die Corona-Massentests sind Freitagvormittag planmäßig in drei Bundesländern gestartet, allerdings in Wien und Tirol von massiven IT-Problemen begleitet. Trotz der Systemausfälle konnten die Tests aber ohne Auswirkungen auf die getesteten Personen abgewickelt werden. So war das Bundesheer in Wien, das die Tests organisiert, aber mit dem IT-System nichts zu tun hat, von Beginn für Notfälle gerüstet und stellte teilweise auf einen analogen Betrieb um.

"Für die zu testenden Personen hat das keine Auswirkungen, wir halten die geplanten Zeiten ein", sagte der Wiener Militärkommandant Kurt Wagner. Man nehme alle Daten auf Papier auf und würde diese anschließend elektronisch erfassen. Besonders die Teststation Stadthalle erfreue sich großer Beliebtheit, "dort ist der Zulauf enorm". Die Wiener Bevölkerung werde daher ersucht, sich an den Standorten Messe Wien und Marxhalle anzumelden und dort die freien Kapazitäten zu nutzen.

📽 Video | Start der Massentests

Tirol verwendet IT-System des Bundes nicht mehr

Auch Tirol meldete zum Start der Corona-Massentestung Freitagfrüh einen großen Andrang. Die IT-Probleme führten dort dazu, dass alle negativ getesteten Personen nur verspätet oder keine Benachrichtigung erhielten. Die vom Gesundheitsministerium mit dem IT-System beauftragte A1-Tochter World Direct sprach am Freitag von "Kapazitätsengpässen", die bereits "erkannt und an deren Erweiterung gearbeitet" werde.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Am Nachmittag entschied die Einsatzleitung in Tirol, das ganze Test-Wochenende auf das IT-System des Bundes zu verzichten.

▶️ Positiv getestete Personen sollen demnach umgehend an 1450 weitergemeldet werden, diese werden dann automatisch informiert.

▶️ Auch negativ getestete Personen sollen nach Möglichkeit von Hilfspersonal telefonisch über ihr Testergebnis informiert werden. Wenn keine Nachricht innerhalb von fünf Stunden erfolgt, kann von negativem Ergebnis ausgegangen werden. Es sind dann für diese Personen keine weiteren Schritte zu setzen.

⚠️ Im Detail heißt das:

Die Voraussetzungen für die Personen, die sich testen lassen, sind nahezu unverändert. All jene Personen, die bei der Antigen-Testung positiv sind, werden vom Leitstellentool 1450 automatisch benachrichtigt, dass dieses Ergebnis mit einem PCR-Test überprüft werden muss und dass sich diese Personen in die nächstgelegene Screeningstraße begeben sollen.

Für negativ getestete Personen gilt ganz allgemein nach wie vor: Alle Personen, die innerhalb von etwa fünf Stunden nach der Testung keine Benachrichtigung erhalten haben, können davon ausgehen, dass ihre Testungen negativ sind. „Einige Gemeinden haben ihre negativ getesteten GemeindebürgerInnen heute Vormittag von sich aus telefonisch kontaktiert und ihnen mitgeteilt, dass sie negativ getestet wurden. Dies wurde als besonders zuvorkommendes Service sehr geschätzt“, begrüßt Projektleiter Elmar Rizzoli diese Vorgehensweise.

Auch in Wien war der Andrang zu den freiwilligen Massentests stark.
© APA/Hochmuth

Probleme meldeten dagegen auch Bundesländer, in denen noch gar getestet wird. So haben in Salzburg und der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz Lehrer, deren Tests erst am Samstag beginnen, schon heute einen Termin bekommen. Das Bundesheer in Salzburg war schon startklar und führte am Vormittag kurzerhand vorzeitig Tests durch. Die Stadt Linz kündigte den Ausstieg aus dem System an.

Mit der vom zuständigen Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellten Software gebe es auch in Niederösterreich "massive Anmelde-Probleme", sagte Stefan Spielbichler von Notruf NÖ am Freitag auf APA-Anfrage. Das Land setze deshalb auf das eigene System www.testung.at. "Es ist seit Donnerstagfrüh online", so der Sprecher. Auf der Plattform habe es seither schon mehr als 50.000 Anmeldungen gegeben.

Kritik von der Opposition

Aus Kärnten und der Steiermark kamen keine Fehlermeldungen. Die Steiermark hält am Bundestool fest, hieß es aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). "Die IT funktioniert im Großen und Ganzen vielleicht nicht so, wie es versprochen wurde, aber wir stellen uns der Situation", sagte Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Er sei auf die Massentests im pädagogischen Bereich gespannt." Es sei ein wenig "Learning by doing", sagte Kaiser.

Massive Kritik an den IT-Problemen, die vor zwei Tagen mit einem Datenleck begonnen hatten, übte die Opposition auf Bundesebene. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sprach von einem "chronischen Missmanagement". "Die Regierung ist nach dem Gemurkse bei der Corona-Ampel am besten Weg dazu, auch die so wichtigen Massentests zu vergeigen", so Deutsch.

Viele Testergebnisse fielen negativ aus.
© EXPA/JOHANN GRODER

Die Bundesregierung sorge jeden Tag "für eine veritable Panne im Kampf gegen das Coronavirus", attestierte FPÖ-Chef Norbert Hofer. "Der Bundeskanzler trägt in diesem Fall die Verantwortung für diese Pannen. Er hat die Massentests im Alleingang durchgesetzt und damit die Expertenmeinung des Gesundheitsministeriums konterkariert. Die Experten haben davon abgeraten, Massentests durchzuführen, weil sie eine Vielzahl an falschen Testergebnissen befürchtet hatten", so Hofer.

Für NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker "wird es immer offensichtlicher, dass diese Bundesregierung bei ihrem Krisenmanagement nichts mehr im Griff hat". "Die überstürzten Massentests, auf die Türkis-Grün ihren einzigen Fokus in der Bekämpfung der Pandemie legt, entpuppen sich als Flop und zeigen das Totalversagen dieser Bundesregierung."


Kommentieren


Schlagworte