Expertin im Aderlass-Prozess: Pulver für Menschen ungeeignet

Der angeklagte Mediziner Mark S., der sich wegen fast 150 Doping-Delikten vor dem Landgericht München verantworten muss, hat der österreichischen Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner ein potenziell gefährliches Mittel verabreicht.

Symbolbild.
© GEPA pictures/ Panoramic

München - Der in Deutschland wegen Dopings angeklagte Arzt Mark S. ist im Zusammenhang mit dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung von einer Expertin belastet worden. Danach hat der Mediziner, der sich wegen fast 150 Doping-Delikten vor dem Landgericht München verantworten muss, der österreichischen Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner ein potenziell gefährliches Mittel verabreicht.

Dieses Pulver - getrocknetes Hämoglobin - dürfe nicht bei Menschen eingesetzt werden, sagte Renate Stiess vom Chemiekonzern Merck bei einer Zeugenaussage am Freitag. Mercks Tochtergesellschaft Sigma-Aldrich stellt das verwendete Pulver her und vertreibt es.

Stiess betonte, dass dieses aus menschlichen Blutspenden, aber auch von Tieren wie Mäusen, Katzen, Ziegen oder Elefanten gewonnene Hämoglobin "definitiv keine Medizin" sei. "Dieses Produkt wird bei uns für die Forschung und Entwicklung verkauft", sagte sie. Kunden seien zumeist akademische Einrichtungen oder Institute aus dem Biotech-Bereich. Privatpersonen könnten das Pulver nicht bestellen.

Mark S.: Athletin nicht zur Injektion gedrängt

Mark S. hatte die Substanz über einen kroatischen Komplizen erworben und Kollmann-Forstner im September 2017 verabreicht. Der späteren Marathon-Vizeweltmeisterin wurde schlecht, sie schied roten Urin aus, ehe sie sich erholte. Kollmann-Forstner sagte in dem Prozess in München bereits aus, dass Mark S. ihr das Mittel vorgeschlagen habe. Der Arzt beteuert, die Athletin nicht zur Injektion gedrängt zu haben. Die in Österreich im Vorjahr wegen Betrugs im Zusammenhang mit Doping erstinstanzlich zu einer bedingten Haftstrafe verurteilte Kollmann-Forstner bestätigte das.

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Expertin Stiess sagte, dass auf dem Etikett deutlich stehe, dass das Pulver nur für Forschung und Entwicklung gedacht sei. Anders als medizinische Produkte würden derartige Substanzen deutlich weniger kontrolliert. Überhaupt werde das Pulver nicht steril geliefert. (APA/dpa)


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