Erdrutschsieg: Bürgerrechtler Adolf Hitler zum Landrat in Namibia gewählt

Deutsche Vor- und Nachnamen sind in der ehemaligen Kolonie Namibia keine Seltenheit. Ein Kommunalpolitiker sorgt nach seiner Wahl zum Landrat mit seinem ungewöhnlichen Namen allerdings für Aufsehen.

Wahlen in Namibia (Archivbild von 2019).
© Gianluigi Guercia / AFP

Windhuk – In der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia amtiert nun ein Politiker mit einem ungewöhnlichen Namen als Landrat: Adolf Hitler Uunona. Der Namibier von der sozialistisch ausgerichteten Regierungspartei Swapo wurde zum Landrat von Ompundja gewählt – mit 84,88 Prozent der Stimmen vertritt er künftig die Region Oshana im Norden des Landes. Am Mittwoch wurde er in seinem Amt vereidigt, wie ein Video zeigte.

Der 54-Jährige reagierte leicht verärgert auf Nachfragen der Nachrichtenagentur AFP zu seinem Namen. Es überrasche ihn, dass die Menschen von seinem Namen derart fasziniert seien, sagte er. Warum seine Eltern ihn nach dem deutschen Diktator benannten, wollte Uunona nicht erläutern. „Wollen Sie wirklich, dass wir ein ganzes Gespräch über meinen Namen führen? Inwiefern wird das Namibia zu einem besseren Land machen, inwiefern wird es zur Entwicklung unseres Landes beitragen?", fragte Uunona. In seiner Heimat ist der schwarze Namensvetter Hitlers als Anti-Apartheidskämpfer bekannt und setzt sich für Bürgerrechte ein.

Bei einigen Twitter-Nutzern löste der Name Verwunderung aus: „Warum würdest du dein Kind nach Hitler benennen? Warum würdest du mit solch einem Namen in die Politik gehen?", schrieb einer. In Namibia gibt es zahlreiche Einheimische mit deutschen Vor- und Nachnamen. So wurden Kinder oftmals von oder nach den Arbeitgebern der Eltern benannt. Zum einen, weil es den Europäern schwerfiel, die einheimischen Namen korrekt auszusprechen, zum anderen aus Hochachtung für den Arbeitgeber oder Vorgesetzten.

„Ich habe mit all diesen Dingen nichts zu tun"

Von 1884 bis 1915 gehörten Teile Namibias zum deutschen Kaiserreich. So ist auch der Vorname Adolf in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika durchaus üblich. Im Interview mit der Bild-Zeitung sagte Adolf Hitler, der Name sei für ihn lange Zeit normal gewesen. „Erst als Heranwachsender begriff ich: Dieser Mann wollte die ganze Welt unterwerfen. Ich habe mit all diesen Dingen nichts zu tun."

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Sein Vater habe ihn nach Hitler genannt und „wahrscheinlich gar nicht verstanden, wofür Adolf Hitler stand". Nun sei es allerdings „zu spät", um seinen Namen zu ändern. Er stehe „in allen offiziellen Dokumenten".

Bis heute ist die Beziehung zwischen Namibia und Deutschland keine einfache – die deutsche Bundesregierung führt seit Jahren zähe Gespräche mit der namibischen Hauptstadt Windhuk über die Aufarbeitung der Verbrechen während der Kolonialzeit. Die Kolonialherren schlugen damals Aufstände der Volksgruppen der Herero und Nama brutal nieder, Zehntausende starben. (AFP, TT.com)


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