Aufräumen nach Schneechaos in Osttirol, Dach von Holzwerk teilweise eingebrochen

Hinter Osttirol und Teilen Nordtirols liegen angespannte Tage, die Lawinengefahr ist auch am Mittwoch weiterhin hoch. Endlich ist nun ein Ende in Sicht: Im Laufe des Tages ließ der Schneefall nach.

Ein Mitarbeiter der Tinetz bei der Reparatur einer gerissenen Stromleitung im Raum Lienz.
© EXPA/ JFK

Lienz, Innsbruck – Nach den massiven Schneefällen der vergangenen Tage herrschte auch am Mittwoch in Osttirol weiterhin große Lawinengefahr der Stufe vier auf der fünfstufigen Gefahrenskala, also große Gefahr. In der Nacht kamen 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee dazu. Doch die Lage entspannte sich langsam.

Zahlreiche Straßen in Osttirol waren nach wie vor gesperrt, Haushalte immer noch ohne Strom. Die gute Nachricht: Die Lawinengefahr nimmt allmählich ab, berichtet der Warndienst. Auch der Schneefall ließ am Mittwoch nach.

📸 | Bilder aus Osttirol:

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Straßenverbindung von Untertilliach nach Kärnten freigeräumt

Auch Bezirkshauptfrau Olga Reisner zeigte sich am Mittwochnachmittag vorsichtig optimistisch. Viele Einsätze und Arbeitsaufträge hätten mit Hilfe der Blaulichtorganisationen und des Bundesheeres erfolgreich abgearbeitet werden können.

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„Mit Unterstützung des Jägerbataillons 24 des Bundesheeres konnte die B111 Gailtalstraße von Untertilliach nach Kärnten wieder befahrbar gemacht werden. Am Flugplatz in Nikolsdorf hilft das Bundesheer mit einem Notstromaggregat zum Betanken der Hubschrauber, da es hier einen Stromausfall gibt und die Betankungsanlage ausgefallen ist“, erklärte die Bezirkshauptfrau.

Wegen des feuchten Schnees und einer damit verbundenen hohen Schneelast steht das Bundesheer aktuell auch beim Abschöpfen des Daches der Ortsstelle Lienz des Roten Kreuzes im Einsatz.

„Ein herzliches Dankeschön an die tolle Unterstützungsleistung und Zusammenarbeit des Bundesheeres mit unseren Blaulichtorganisationen, den Ämtern und Straßendiensten sowie unserer Bezirkseinsatzleitung“, so Reisner.

In eigener Sache

Die Zustellung der Tiroler Tageszeitung war auch am Mittwoch leider wegen der akuten Schneesituation in Teilen Osttirols nur sehr eingeschränkt möglich.

Wir bitten um Verständnis und empfehlen das TT-ePaper, das allen Abonnenten zur Verfügung steht. Sobald sich die Lage entspannt, wird die TT wie gewohnt zugestellt.

Dach von Holzwerk teilweise eingebrochen

Unter den Schneemassen ist am Mittwochnachmittag bei einem Brettschichtholzwerk in Assling die Dachkonstruktion teilweise eingebrochen. Der Vorfall habe sich während des Produktionsbetriebs gegen 17 Uhr ereignet, teilte das Unternehmen in einer Aussendung mit. Der Betrieb wurde sofort darauf eingestellt und das Gelände rundherum aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

Von den Mitarbeitern wurde niemand verletzt. Das Dach brach auf einer Fläche von zirka 12x35 Metern ein. Die Feuerwehren waren mit 53 Mann im Einsatz.

Große Vorsicht im alpinen Gelände

Aufgrund der gegebenen Gefahr wurde zu „großer Zurückhaltung“ im alpinen Gelände aufgefordert. An steilen Hängen seien jederzeit Nass- und Gleitschneelawinen möglich, vereinzelt auch sehr große, wurde gewarnt. Neu- und Triebschnee der vergangenen Tage seien in allen Expositionen oberhalb der Waldgrenze störanfällig. Dabei nahmen laut Experten Anzahl und Größe der Gefahrenstellen mit der Höhe zu.

📽️ Video | Eindrücke aus Osttirol

Bis die Lawinengefahr wieder in einen weniger bedenklichen Bereich sinkt, wird es auch noch ein wenig dauern, vorerst sind jedoch keine großen Neuschneemengen mehr zu erwarten, erklärte Reinhard Prugger von den Meteo Experts. Osttirol steht in den kommenden Tagen zwar immer noch unter dem Einfluss eines Tiefs, wird davon aber nur noch gestreift. Seit Freitagnachmittag ist der Bezirk im Ausnahmezustand.

Noch rund 1800 Haushalte ohne Strom

Nach den heftigen Schneefällen hat es Mittwochnachmittag in 14 Tiroler Gemeinden noch Probleme mit der Stromversorgung gegeben. Rund 1800 Haushalte waren davon betroffen. In Osttirol waren rund 140 Monteure der Tinetz sowie weitere 30 Mitarbeiter von Partnerfirmen im Einsatz. In Kartitsch und Nikolsdorf wurde damit gerechnet, dass noch am Mittwoch die Stromversorgung wieder hergestellt werden könne.

Mit dem Ende der Schneefälle und der prognostizierten Wetterbesserung hoffte man seitens der Tinetz auf eine „zeitnahe Wiederherstellung der wichtigsten Teile des Stromnetzes".

Auch im Ötztal waren etwa Sölden und Längefeld von Stromausfällen betroffen sowie Steinach, Trins und Mühlbachl im Wipptal.

In Osttirol würden die größten Herausforderungen in der Erreichbarkeit der Störstellen liegen. Immer wieder würden etwa Bäume auf Leitungen stürzen, die Einsatzkräfte „stehen bis zu den Schultern im Schnee", berichtete Ammer.

🚧 Straßensperren und Stromausfälle in Tirol

▶️ Alle aktuellen Straßensperren und Behinderungen in Tirol sind auf der Homepage des ÖAMTC zu finden.

▶️ Die aktuellen Versorgungsunterbrechungen im Überblick

Die Schneelasten hielten bis in die Nacht auf Mittwoch die Einsatzkräfte weiter auf Trab. So wurde im Gaimberg ein Einfamilienhaus beschädigt, berichtete die Polizei. Eine Terrassenüberdachung stürzte ein, während die Feuerwehr noch daran arbeitete, die Schneemassen zu beseitigen.

Es wurde niemand verletzt, die betroffene Familie musste die Nacht bei Bekannten verbringen und konnte nicht in ihr Haus zurückkehren.

❄️ Mehr Schnee als sonst im ganzen Winter

Zu verdanken sind die aktuellen Schneemassen dem Tief Yvonne, das seit Dienstag sehr feuchte Luft nach Österreich bringt. Nach Angaben der Österreichischen Unwetterzentrale ist in Osttirol und Oberkärnten gebietsweise schon mehr Schnee gefallen als durchschnittlich im gesamten Winter zusammenkommt. So bringt es Lienz im angebrochenen Dezember 2020 bereits auf 88 cm Neuschnee, im Schnitt fallen hier im Dezember, Jänner und Februar 71 cm.

Straßen nach wie vor gesperrt, ähnliches Bild in Südtirol

Auch auf den Straßen waren die Auswirkungen ebenso weiter deutlich zu spüren. Zahlreiche Bundes- und Landesstraßen waren noch gesperrt. Die Felbertauernstraße (B108) zwischen Huben und Matrei in Osttirol konnte nicht befahren werden sowie die Brennerstraße (B182) zwischen Mühlbachl und Schönberg im Stubaital. Zudem herrschte zwischen Gries am Brenner und Brenner Schneekettenpflicht.

📽️ Video | Am Mittwoch leichte Entspannung in Südtirol

In Südtirol zeigte sich indes ein ähnliches Bild. Mittwochfrüh waren 2300 Haushalte ohne Strom, die Feuerwehren absolvierten während der Nacht 150 Einsätze. Die Lawinengefahr blieb hoch, in großen Teilen Südtirols galt wie in Osttirol die Warnstufe „4". Zahlreiche Passstraßen waren gesperrt sowie die Gadertaler Staatsstraße. Auch einige Zugstrecken konnten nicht freigegeben werden, darunter die Brennerbahnlinie und die Pustertalbahn. In Südtirol rechnete man aber ebenfalls mit einer Entspannung, in den vergangenen zwölf Stunden seien die Niederschlagsmengen gering gewesen, teilte das Land mit. (TT.com)

Zwischen Gasthof Stefansbrücke und Abzweigung Schönberg kam es auf der Brennerstraße zu einigen Hangrutschungen sowohl bergseitig (l.) als auch talseitig.
© Land Tirol/Außerlechner


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