Lage in Osttirol entspannt sich weiter, noch 1500 Haushalte ohne Strom

Die Aufräumarbeiten nach den massiven Schneefällen laufen auf Hochtouren. Elf Gemeinden sind noch von Stromausfällen betroffen. Die Lawinengefahr sank in weiten Teilen auf Stufe 3.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei befreien die Fahrbahnen von den Schneemassen.
© EXPA/ JFK

Lienz – In Osttirol hat sich die Lage nach den heftigen Schneefällen weiter entspannt. Am Donnerstagvormittag waren laut Christian Ammer von der Tinetz noch rund 1500 Haushalte ohne Strom, am frühen Nachmittag waren laut Tinetz-Störungsseite noch elf Gemeinden betroffen. Die Niederschläge hätten zum Glück aufgehört und über Nacht seien keine weiteren Störungen mehr hinzugekommen, berichtete Ammer.

Die Mitarbeiter der Tinetz stehen seit Tagen im Dauereinsatz.
© EXPA/ JFK

Der größte erschwerende Faktor war nach wie vor die Zugänglichkeit zu den Störstellen. In enger Abstimmung mit den Lawinenkommissionen versuchte man die Monteure der Tinetz zu den Störstellen zu bringen. Gleichzeitig wurde mit Hubschraubern und dem sogenannten „Down-Wash“-Effekt der Rotoren versucht, die Stromleitungen von der Schneelast zu befreien. Teilweise seien auch Aggregate zur Stromversorgung in die Täler gebracht worden, so etwa ins Lesach- und ins Villgratental.

Für die kommenden Tage sah Ammer eine weitere Entspannung der Lage. Die Monteure müssten aber sicher noch das gesamte Wochenende durcharbeiten. Wann die Stromversorgung in Osttirol wieder komplett hergestellt sein wird, konnte Ammer jedoch noch nicht prognostizieren.

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Nach der letzten Sitzung der Bezirkseinsatzleitung Lienz am Donnerstagnachmittag um 17 Uhr, werden der Stab und die Einsatzleitung heruntergefahren und wieder der normale Dienstbetrieb aufgenommen. „Einmal mehr bin ich vom Miteinander, der Einsatzbereitschaft und dem Engagement aller Blaulichtorganisationen, des Bundesheeres, der Gemeinden und aller Kolleginnen und Kollegen in der Bezirkseinsatzleitung und in den Ämtern zutiefst beeindruckt und möchte dafür ein herzliches Dankeschön sagen", so Bezirkshauptfrau Olga Reisner.

Nach Auskunft des Landes wird die Gailtalstraße (B111) bei Untertilliach derzeit für eine einspurige Verkehrsführung von Schnee freigefräst. Auf Kärntner Seite bestehe nach einem Lawinenabgang aktuell jedoch keine Möglichkeit, die Straße zu räumen, weshalb eine ungehinderte Fahrt von Osttirol nach Kärnten auf der B111 vorerst nicht möglich sei.

Straßensperren und Stromausfälle in Tirol

⛔ Alle aktuellen Straßensperren und Behinderungen in Tirol sind auf der Homepage des ÖAMTC zu finden.

Die aktuellen Versorgungsunterbrechungen im Überblick

Höchste Aufmerksamkeit müsse nun auf die Schneelast auf den Dächern gelegt werden, erklärte Reisner. „Aufgrund der Schneefeuchte und der Regenniederschläge ist die Schneelast teilweise als hoch einzustufen“, warnte Reisner. Auf der Homepage der Bezirkshauptmannschaft Lienz wurde eine Excel-Tabelle zur Berechnung der Schneelast bereitgestellt. Trotzdem wurde auf die Beiziehung eines Statikers im Anlassfall hingewiesen.

Neben den Blaulichtorganisationen habe auch das Bundesheer massive Unterstützung geleistet, so Reisner. „Am Flugplatz in Nikolsdorf hilft das Bundesheer mit einem Notstromaggregat zum Betanken der Hubschrauber, da es hier einen Stromausfall gibt und die Betankungsanlage ausgefallen ist“, erklärte die Bezirkshauptfrau. Auch beim Räumen der B111 sowie beim Abschöpfen des Daches der Ortsstelle Lienz des Roten Kreuzes sei das Heer im Einsatz gestanden.

Zahlen, Daten, Fakten zum Osttirol-Einsatz

Eine Woche lang im Einsatz standen in Osttirol folgende Kräfte:

Bezirkseinsatzleitung: 15 Personen

Baubezirksamt Lienz: 100 Personen und 100 Fahrzeuge

Bezirksfeuerwehrverband: 3850 Personen und rund 600 Fahrzeuge

Bergrettung Osttirol: 217 Personen (Prägraten am Großvenediger 30 Personen, Virgen 20 Personen, Matrei 35 Personen, Kals 25 Personen, Defereggen 12 Personen, Lienz 45 Personen, Obertilliach 25 Personen und Sillian 25 Personen)

Rotes Kreuz Osttirol: 101 Personen mit 2424 Einsatzstunden und fünf Fahrzeugen

Wasserrettung Osttirol: 44 Personen

Bezirkspolizeikommando Lienz: 90 Beamten und 25 Fahrzeuge

Bundesheer/Jägerbataillon 24: 70 Soldaten und 15 Fahrzeuge (darunter zwei Quads) und ein Helikopter

Lawinengefahr sinkt weiter

Für das Wochenende erwartet der Lawinenwarndienst eine Normalisierung der Lawinensituation. „Für morgen, Freitag, erwarten wir sonniges Winterwetter in ganz Tirol. Samstag und Sonntag ziehen mehrere kleine Störungen durch, die aber keinen Schnee in Osttirol und nur wenig Schnee in Nordtirol bringen sollen“, kann Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndiensts Tirol, auf eine stabile Entwicklung der Schneesituation verweisen: „Das bringt einen weiteren Rückgang der Lawinengefahr mit sich, sodass wir für morgen, Freitag, die Lawinengefahrenstufe 3 ausgeben. Die Tendenz eines weiteren Rückgangs der Lawinengefahr sollte auch über das Wochenende hinaus anhalten.“

Auch wenn die Lawinengefahr zurückgeht, so ist doch zu beachten, dass sich gerade bei Stufe 3 die meisten Lawinenunglücke mit SkitourengeherInnen und WintersportlerInnen ereignen. Deshalb ist eine eingehende Planung und Information vor jeder Tour unerlässlich.

(TT.com, APA)


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