Proteste in Weißrussland halten an: Mehr Hilfe für Opposition gefordert

Die Polizei geht in Weißrussland brutal gegen Gegner von Staatspräsident Alexander Lukaschenko vor. Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hofft auf mehr Unterstützung aus dem Ausland.

Swetlana Tischnowskaja ist aus Weißrussland geflohen und befindet sich nun im Exil.
© CLAUDIO BRESCIANI

Minsk – Nach massiver Polizeigewalt gegen Demonstranten in Belarus (Weißrussland) fordert die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja von Deutschland eine Aufhebung der Visumspflicht. Verfolgte hätten so die Möglichkeit, in Sicherheit zu gelangen, sagte die Bürgerrechtlerin bei einem Besuch in Berlin dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Montag.

"Wenn Menschen eingesperrt und zusammengeschlagen werden, dann ist das der Moment, in dem Deutschland und andere Länder nachdenken sollten: Sind sie vorsichtig oder folgen sie den Prinzipien der Demokratie?"

EU soll Sanktionen verschärfen

Die 38-Jährige forderte zudem eine Ausweitung der EU-Sanktionen gegen den Machtapparat von Staatschef Alexander Lukaschenko. "Die Strafmaßnahmen wirken lächerlich, wenn wir sehen, wie viele Menschen bis jetzt festgenommen wurden. Mehr als 30 000 sind es seit August." Es gebe viele Worte der Unterstützung. "Wir brauchen aber Taten."

Bei Protesten gegen Lukaschenko am vergangenen Sonntag kamen dem Innenministerium in Minsk zufolge 271 Menschen in Gefängnisse, weil sie an nicht genehmigten Kundgebungen teilgenommen hätten.

Teilnahme an Protesten nimmt im Winter ab

Tausende Menschen hatten sich daran beteiligt, weniger als noch im Herbst. "Auch wenn die Proteste auf der Straße jetzt im Winter abnehmen werden, wir werden das überstehen und im Frühjahr noch stärker zurückkehren, wenn das Wetter besser wird", sagte Tichanowskaja. "Wir können gewinnen, daran glaube ich." Sie wollte am Montagnachmittag Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier treffen.

Weißrussland steckt seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Für die Opposition ist Tichanowskaja die wahre Siegerin. Sie war nach der Abstimmung ins EU-Land Litauen geflohen.

Tichnowskaja erhält Preis des EU-Parlaments

Am Mittwoch nimmt Tichanowskaja den renommierten Sacharow-Menschenrechtspreis des Europaparlaments entgegen. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an die Opposition in Weißrussland.

Die frühere Fremdsprachenlehrerin Tichanowskaja gilt als Anführerin der Demokratiebewegung. Die Bürgerrechtlerin hatte überraschend eine Zulassung zur Präsidentenwahl erhalten, nachdem Machthaber Alexander Lukaschenko ihren Ehemann im Gefängnis hatte einsperren lassen. (APA, dpa)


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