Das Tiroler „Piefke-Zebra“ zeigt auf: Baumann hat noch einiges vor

In der Abfahrt von Val d’Isère lag der „deutsche Tiroler“ Romed Baumann auf Siegkurs, am Ende gab es für den 34-Jährigen Rang neun und viel Zuversicht für Gröden.

In Topform im Anflug auf Gröden: Romed Baumann.
© GEPA pictures/ Mario Buehner

Von Roman Stelzl

Gröden – Über manche Dinge im Leben schmunzelt Romed Baumann schon aus Prinzip. Zum Beispiel wenn es um das Alter geht. 34 Jahre? Da haben andere Weltklasse-Abfahrer weit mehr Winter in den Oberschenkeln. Oder wenn es um die Ösi-Witze im DSV-Team geht, die Kollege Josef Ferstl einmal angesprochen hat und die eben Teil der lockeren Stimmung sind. Und schmunzelnd zur Kenntnis nimmt Baumann auch den Spitznamen „Piefke-Zebra“, den ihm eine deutsche Zeitung 2019 nach dem Nationenwechsel von Österreich nach Deutschland aufgedrückt hat.

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Dabei bewies der Hochfilzner mit Wohnsitz in Kiefersfelden in den letzten Jahren vielmehr eine Elefantenhaut, um jetzt beim tierischen Vergleich zu bleiben. Zuerst war da der verbissene und lange Kampf um den Anschluss im ÖSV-Team, dann die Aussichtslosigkeit eines Startplatzes und schließlich der Wechsel des deutsch-österreichischen Doppelstaatsbürgers (dank Ehefrau Veronika) zum deutschen Skiverband. Diese Geschichte war medial ein gefundenes Fressen und hinter vorgehaltener Hand versteckte sich so manch ein Lächeln.

„Ich habe diesen Nationenwechsel nicht für eine Saison gemacht“

Doch all diese Zwischentöne hat Baumann mit Klasse und harter Arbeit verstummen lassen. Mit Rang sieben bei der Kitzbühel-Abfahrt ließ der zweifache Familienvater (Magdalena, 4 Jahre, und Elisabeth, 1,5 Jahre) aufhorchen. Am Sonntag lag Baumann in der Abfahrt von Val d’Isère (FRA) bei der Zwischenzeit noch voran, wurde trotz früher Startnummer, die kein Vorteil war, am Ende Neunter.

Eine (weitere) Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. „Ich habe diesen Nationenwechsel nicht für eine Saison gemacht, um allen zu zeigen: ,Ich habe es ja gesagt.‘ Das ist langfristig geplant“, sagt der WM-Dritte der Kombination von 2013 und ergänzt: „Das Podest ist das große Ziel für heuer. Langfristig gesehen will ich Medaillen holen.“

Die Form stimmt, das Umfeld auch. „Ich habe mich letztes Jahr schon gut eingelebt, das hat nicht lang gedauert bei der Mannschaft. Wir verstehen uns gut“, erzählt Baumann, der mehr denn je für das Projekt „zweite Karriere“ brennt: „Wenn ich nicht mehr die Leidenschaft dafür hätte, müsste ich den Hut draufschmeißen. Aber es ist noch viel drin. Jansrud war 33 Jahre alt beim WM-Titel 2019, Svindal beim Olympia-Sieg 2018 sogar 35. So alt bin ich noch nicht.“

Dass sich der zweifache Weltcupsieger, der sich „halb-halb“ als Österreicher und Deutscher sieht, mit Olympiasiegern vergleicht, zeugt vom großen Selbstvertrauen. Und das nimmt Baumann nach dem gelungenen Auftakt mit nach Gröden, wo er 2010 als Zweiter nur um 0,06 Sekunden den Sieg verpasste. Zwar ohne Zuschauer, dafür sitzen seine zwei größten Fans zuhause vor dem Fernseher, wie Baumann mit einem Lächeln ergänzt: „Magdalena kriegt jetzt schon mit, wenn der Papa fährt. Und Elisabeth freut sich einfach mit.“


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