Gaming auf Wolke 7: So funktioniert Google Stadia

Cloud-Gaming steht nach jahrelangem Warten endlich in den Startlöchern. Wir haben den neuen Online-Service Stadia von Google für euch getestet und geben ein erstes Urteil über die neue Technik ab.

Google Stadia konnte im ersten Test durch einfache Handhabung überzeugen.
© Google

Von Max Moschen

Innsbruck – Mit Stadia bringt der Internet-Gigant Google sein Cloud-Gaming-Angebot auf den Markt. Dabei wird viel versprochen: Kein Warten auf Downloads, Updates oder Installationen, keine teuren Konsolen oder Rechner. Alles was dazu benötigt wird, ist ein Gmail-Account und eine gute, stabile Internetverbindung. Eventuell sollte man noch einen Controller besitzen. Dann kann das Abenteuer beginnen.

Was genau ist Google Stadia?

Seit Anfang Dezember ist Google Stadia in Österreich und 21 weiteren Ländern verfügbar. Die cloud-basierte Gaming-Plattform bietet auf zahlreichen Geräten vollwertige Konsolen- und Computerspiele an – unter anderem auch auf Smartphone und Tablet. Um dies zu gewährleisten, fordert der Dienst eine gute und stabile Internetverbindung, denn das Bild, das dann auf dem Endgerät erscheint, wird gestreamt. Dafür empfiehlt Google mindestens 10 Mbit pro Sekunde für 1080p-Streaming und mindestens 35 Mbit pro Sekunde für 4K. Alle Rechenvorgänge passieren auf einem Server von Google.

Wo kann Google Stadia verwendet werden?

Es gibt einige verschiedene Möglichkeiten, Stadia zu verwenden. Auf Laptops und PCs braucht man dafür lediglich einen Google-Chrome-Browser. In anderen Browsern, wie zum Beispiel Mozilla Firefox, funktioniert es nicht. Weiters kann man auf Android-Smartphones und Tablets spielen. Dafür wird die Stadia-App benötigt. Allerdings werden bis dato nur bestimmte Smartphone-Modelle unterstützt.

Auch auf anderen Android-Geräten soll es aktuell möglich sein, Stadia zu verwenden, auch, wenn sie noch nicht offiziell unterstützt werden. Dafür muss ein experimenteller Modus in den Einstellungen der Stadia App aktiviert werden. Für unser Review wurde Google Stadia auf einem Oneplus 5T getestet, welches offiziell unterstützt wird.

Für TV-Geräte wird aktuell ein Chromecast Ultra, sowie ein Stadia-Controller benötigt. Die Stadia Premiere Edition, die es für 99 Euro im Google Store zu erwerben gibt, beinhaltet beides. Ein Controller extra kostet 69 Euro.

Update: iOS und iPadOS

Mit dem letzten Update für iOS und iPadOS, 14.3, kann Google Stadia auch auf den mobilen Geräten von Apple verwendet werden. Dazu einfach den Safari-Browser verwenden.

Was benötigt man außerdem zum Spielen?

Wie bereits erwähnt, gibt es mehrere Möglichkeiten zum Spielen. Die folgenden Kombinationen sind möglich:

Smartphone: Man kann die Spiele grundsätzlich ganz ohne Controller spielen, allerdings hat sich das bei den getesteten Spielen in der Praxis als eher unpraktisch erwiesen. Ein Layout der Tasten wird dabei über das Spiel gelegt und wird durchsichtig, wenn man den Touchscreen für kurze Zeit nicht berührt. Für manche Spiele könnte diese Art von Steuerung ausreichen, aber für groß ausgelegte Spiele, wie Dead by Daylight oder Sniper Elite 4, ist sie eher ungeeignet.

Google Stadia Controller: Das besondere am Stadia Controller ist, dass er sich mit dem W-Lan Netzwerk verbinden und somit direkt mit dem Server kommunizieren kann. Das soll das Erlebnis noch präziser machen und Input-Lag verhindern. Das funktioniert auch recht gut – meistens. Hin und wieder brauchte das fast 70 Euro teure Gamepad mehrere Versuche, bis die Verbindung zum W-Lan auch wirklich funktionierte.

Die Kombination aus Stadia Controller (r.) und Chromecast Ultra (l.) ermöglicht Spielen am großen Bildschirm.
© Google

Der Controller liegt dafür sehr gut in der Hand. Man sieht, dass Google viel Wert auf Ergonomie gelegt hat. Weniger überzeugend fühlen sich hingegen die Knöpfe an. Diese wirken etwas billig, erfüllen ihren Zweck aber ohne gröbere Probleme. Außerdem lässt sich der Controller per USB-Typ-C-Kabel aufladen oder mit einem Gerät verbinden. Ein Kopfhöreranschluss lässt den In-Game-Sound auch über Kopfhörer abspielen.

HID-kompatible Gamepads: Hierzu zählen etwa Dualshock 4 und Xbox One-Controller, die mit Smartphone oder PC verbunden werden können. Eine Liste der geeigneten Geräte gibt es HIER.

Tastatur und Maus: Am Laptop oder am PC kann auch ganz einfach mit Tastatur und Maus gespielt werden.

Wieviel kostet Google Stadia?

Stadia kann man grundsätzlich mit einer Gmail-Adresse kostenlos verwenden. Allerdings müssen die einzelnen Spiele gekauft werden. Die Titel kann man zum Vollpreis erwerben und sofort, ohne Download, bei bis zu 1080p/60fps spielen. Aktuell gibt es mehr als 100 Spiele zur Auswahl. Das Spiel Destiny 2: New Light gibt es gratis. HIER kann das Spiel probiert werden.

Stadia Pro ist die Premium Version und kostet im Abo 9,99 Euro im Monat. Diese Variante bietet eine Auswahl kostenloser Spiele, wobei jeden Monat neue Spiele dazu kommen. Außerdem kann mit Stadia Pro bei bis zu 4K/60fps/HDR gespielt werden und es gibt exklusive Rabatte auf Spiele. Im Testzeitraum, Dezember 2020, waren unter den kostenlosen Spielen Into the Breach und Hitman 2.

Welche Spiele stehen zur Auswahl?

Im Store von Google Stadia stehen aktuell schon über 100 Spiele zur Auswahl. Darunter befinden sich einige exklusive Indie-Titel wie Crayta, Embr und GYLT. Aber auch auf richtige Blockbuster muss man nicht Verzichten. Darunter sind zum Beispiel DOOM Eternal, Destiny 2: New Light, NBA 2K21, Red Dead Redemption 2 und das heiß erwartete Cyberpunk 2077. In dieser Auswahl sollte für jeden etwas dabei sein, und es werden auch in der Zukunft viele weitere Triple-A-Spiele erwartet.

Wie ist das Spielerlebnis?

Der erste Eindruck war „Wow. Die Zukunft ist da." Schnell war Stadia eingerichtet, der gratis Probemonat von Stadia Pro aktiviert und alles spielbereit. Über die App am Smartphone konnten wir auf den Store zugreifen und die Auswahl der kostenfreien Spiele durchforsten. Das in der Premiere Edition enthaltene Chromecast Ultra haben wir an einem Fernseher angeschlossen, mit der Google Home-App eingerichtet und auch den Controller mit dem Chromecast verknüpft.

Als erstes wählten wir am Smartphone das Spiel Sniper Elite 4 aus. Dazu musste man das Spiel erst freischalten, wodurch es quasi reserviert wird und auch im nächsten Monat noch verfügbar sein sollte, insofern wir das Stadia Pro Abonnement verlängern würde. Sofort wurde es auf dem Fernseher angezeigt und wir konnten es starten.

Eine Vielzahl an Spielen lässt sich jetzt schon über Stadia starten.
© Google

Noch immer ganz verblüfft wie einfach und schnell das Ganze ging, standen wir schon auf einem Schlachtfeld zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und mussten uns an deutschen Soldaten vorbei schleichen. So weit, so gut, bis auf einige kleinere Störungen schien das Ganze recht gut zu funktionieren.

Dazu sei gesagt, dass die Internet-Verbindung, auf welcher der erste Test lief, eine mobile war, und dazu noch unterdurchschnittlich schnell. Es war spielbar, allerdings gab es immer wieder Leistungseinbrüche, die sich als kurze Steher und verschwommene Bilder bemerkbar machten. Einmal kam sogar eine Meldung, dass die Gefahr bestehe, dass wir die Verbindung verlieren und Stadia uns rauswerfen könnte. So weit kam es allerdings nie.

Da uns Anschleichen nicht so liegt, wechselten wir nach ungefähr einer halben Stunde das Spiel und probierten uns an Destiny 2. Wieder ging der Einstieg unglaublich schnell und einfach von der Hand: Über die App wurde das Spiel freigeschaltet und sofort konnten wir über Chromecast einsteigen.

Auch direkt am Smartphone lassen sich die Spiele ohne Probleme starten. Dafür haben wir den Stadia Controller mithilfe eines USB-C-Kabels mit dem Smartphone verbunden und das Handy mit dem Power Support Claw am Controller befestigt. Sieht etwas klobig aus und liegt nicht mehr ganz so gut in der Hand, aber funktioniert. Am Smartphone musste man dafür noch USB-OTG aktivieren, was eine USB-Verbindung mit dem Controller ermöglicht.

Mit Stadia am Smartphone, in Verbindung mit der Power Support Claw, kann man praktisch überall spielen.
© Google

Die Spiele sehen über Stadia gut aus. Ganz sicher nicht so brillant wie lokal auf einem Gaming-Rechner, aber definitiv spielbar, wenn man nicht die höchsten Anforderungen stellt. Vor allem die im Stadia Pro inkludierten Indie-Games wirken sehr gut. Bei Spielen mit weiten Welten hingegen kommen die Schwächen von Cloud-Gaming zum Vorschein. Es wirkt generell wie Spielen auf niedrigeren Grafik-Einstellungen.

Besonders gut gefiel der Test auf dem iPad. Das letzte Update von iOS und iPadOS, 14.3, ermöglicht nämlich die Nutzung von Stadia auf den mobilen Apple-Geräten. Dazu kann man auch ganz einfach den Stadia-Controller verwenden oder auch ein Xbox One- oder PS4-Controller verbinden. Auf dem iPad Pro (11 Zoll) war der Bildschirm noch groß genug, um vollwertige Triple-A-Spiele zu genießen.

Fazit

Google verspricht mit der Stadia viel und kann auch einiges davon halten. Das System ist sehr einfach und funktioniert tadellos, wenn man denn auch eine gute, stabile Internetverbindung hat. Sonst wird aus dem Spaß- schnell ein Frusterlebnis. Auch ist es ratsam, Stadia zu verwenden, wenn nicht gerade im gleichen Netzwerk gestreamt wird oder große Dateien heruntergeladen werden, um ein reibungsloses Spielen zu gewährleisten.

Pros und Cons:

+ Sehr einfach und schnell eingerichtet

+ Ohne monatliche Gebühren spielbar

+ Kein spürbarer Input-Lag mit Stadia Controller

+ Markt hat zum Start schon über 100 Spiele

– Controller wirkt etwas billig (für knapp 70€)

– Grafik nicht ganz am letzten Stand

– Ohne sehr stabile Internet-Verbindung sehr frustrierend

Besonders gut gefiel die schnelle Möglichkeit Spiele zu starten, ohne diese downloaden oder installieren zu müssen. Das ermöglicht vor allem bei der Auswahl an Gratis-Spielen, die bei Stadia-Pro inkludiert sind, ein einfaches Durchtesten.

Ob am TV, Computer oder iPad, Cloud-Gaming macht extrem viel Spaß und funktioniert in Form von Stadia wirklich sehr gut. Man darf also gespannt sein, wie sich diese Technik in den nächsten Jahren noch weiter entwickelt.

Für wen eignet sich Stadia?

Cloud-Gaming-Services wie Stadia eignen sich für jeden der keine Hardware am letzten Stand besitzt, um aktuelle Games zu spielen. Viele Studenten zum Beispiel könnten sich Platz und Geld sparen, und auf Laptops oder Tablets spielen. Voraussetzung ist natürlich eine stabile Internetverbindung über 10 Mbit pro Sekunde.

Auch wer sich statt Vollpreis-Titel lieber von den monatlich wechselnden Spielen im Stadia-Pro-Abo überraschen lassen möchte, könnte am 9,99€ Zahlmodell Gefallen finden. Außerdem stehen einige Indie-Titel zur Verfügung, die teils auch sehr gut gemacht sind.

Jeder, der an Cloud-Gaming interessiert ist, kann Google Stadia selbst ausprobieren. Destiny 2 ist für alle User gratis spielbar und wer sich mit seiner Gmail-Adresse bei Stadia anmeldet, kann Stadia-Pro, und damit über 30 Titel, ein Monat lang gratis testen.


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