Angebliche Hellseherin nahm ehemaliger Skirennläuferin Goldmünzen ab

Ein Hühnerei in einem Nachthemd gegen einen "schlechten Wurm", negative Strahlen von der Ex-Freundin und "verstrahlte" Philharmoniker – der Fall einer angeblichen Hellseherin beschäftigt die Staatsanwaltschaft Korneuburg. Die Gerichtsverhandlung beginnt im Februar.

Korneuburg – Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hat gegen eine angebliche Hellseherin Anklage erhoben, die einer früheren Skirennläuferin vorgemacht haben soll, sie könne sie von "negativen Strahlen" befreien. Außerdem musste die prominente Ex-Sportlerin ein in ihr Nachthemd gewickeltes Hühnerei auf den Bauch legen, um so einen vorgeblich "schlechten Wurm" loszuwerden.

In einem beim Landesgericht Korneuburg eingebrachten Strafantrag wird der 50-Jährigen schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Neben dem Ex-Ski-Star soll die Angeklagte fünf weiteren Frauen vorgemacht haben, über magische bzw. seherische Fähigkeiten zu verfügen und deren zerbrochene Beziehungen kitten bzw. sie von einem Fluch befreien zu können. Für ihre Dienste ließ sie sich bezahlen, wobei der mit Abstand größte Schaden der vormaligen Sportlerin entstand. Die Medaillengewinnerin übergab der 50-Jährigen am 15. Mai 2020 Bargeld und ihre Goldmünzsammlung im Gesamtwert von 30.646 Euro.

Negative Strahlen von der Ex und "schlechter Wurm"

Die - offensichtlich am Skisport desinteressierte - 50-Jährige soll die ihr völlig unbekannte Prominente auf der Straße angesprochen und dieser kurzerhand erklärt haben, sie würde ihr ihre Probleme ansehen. Sie könne diese lösen. Daraufhin begaben sich die beiden in ein Kaffeehaus, wo die 50-Jährige behauptete, die frühere Partnerin des Lebensgefährten der Ex-Sportlerin sende "negative Strahlen" aus.

Diese und darüber hinaus einen im Magenbereich angesiedelten "schlechten Wurm" könne sie mit einer entgeltliche Behandlung loswerden, worauf die Ex-Sportlerin zum nächsten Bankomaten ging und 2.500 Euro behob, die sodann die Besitzerin wechselten. An deren Goldmünzen soll die Angeklagte wiederum gekommen sein, indem sie erklärte, die Philharmoniker wären "verstrahlt" und müssten von ihr gereinigt werden.

Hilfe durch real existierende juristische Kenntnisse

Zusätzlich wird der 50-Jährigen von der Korneuburger Anklagebehörde schwerer Einbruchsdiebstahl angekreidet. Am 27. Juni 2020 soll sie in Ebreichsdorf (Bezirk Baden) in ein Haus eingedrungen sein, einen Tresor geknackt und Bargeld, Gold und Schmuck im Wert von 40.000 Euro gestohlen haben.

Die Gerichtsverhandlung, zu der die Ex-Sportlerin als Zeugin geladen ist, geht am 8. Februar am Landesgericht Korneuburg über die Bühne. Die vorgeblich mit überirdischen Kräften ausgestattete Angeklagte hat sich dafür mit den renommierten Verteidigern Philipp Wolm und Werner Tomanek "verstärkt". Da diese nachgewiesenermaßen über real existierende juristische Kenntnisse verfügen, darf die 50-Jährige hoffen, im Fall einer Verurteilung nicht all zu drakonisch bestraft zu werden. (APA)


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