Damals, heute und im Corona-Jahr: Weihnachten in Tirol im Wandel der Zeit

Vor 100 Jahren war es ein Familienfest ohne viel Trubel, im Corona-Jahr erleben wir Weihnachten wieder ähnlich. Welche Festtraditionen es in Tirol schon wie lange gibt, was sich verändert hat und was wahrscheinlich immer so bleiben wird, weil wir alle „große Kinder" sind.

Heiligabend 1983: Viel Lametta hing damals noch am Baum, und die Kerzen waren so gut wie immer echt. An der Begeisterung der Kleinen hat sich nichts geändert.
© Rauth

Von Anja Larch

Innsbruck – Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, des Zusammenseins, der Familie. Zumindest im ursprünglichen Sinn. In den letzten Jahrzehnten wurde es mit dem Wachstum des gesellschaftlichen Wohlstands auch immer mehr zu einem Fest des Konsums, der Vermarktung einer besonderen Stimmung, der Menschenmassen. Bis zum heurigen Jahr, wo die Pandemie alles nochmal umkehrt. Große Zusammenkünfte gibt es genausowenig wie vorweihnachtliche „Partys" am Christkindlmarkt, den Heiligen Abend werden wir wohl im engsten Kreis verbringen.

Gemeinsames Christbaum-Schmücken 1967 in Kufstein.
© Stocker

Wir erleben heuer eine Weihnacht „wie früher", eigentlich genau so, wie wir sie aus den Geschichten unserer Großeltern kennen. Das dürfte viele Menschen freuen, denn unsere Vorstellung des Festes wird damit bestätigt, wie Lukas Morscher, Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs, erklärt. „Unser Bild von Weihnachten ist geprägt von Darstellungen, die etwa 100 Jahre zurückgehen", so der Archivar. „Die Erzählungen der Generation unserer Großeltern und Urgroßeltern prägt unsere Erwartungshaltung heute noch, aus dieser Zeit stammen etwa Traditionen wie der Brief ans Christkind".

Weihnachten sei etwas, das wir einerseits von Generation zu Generation tradiert bekommen. Auf der anderen Seite habe es sich in den letzten Jahrzehnten vom Kontext des „Familienfestes" auch gelöst, etwa durch die Möglichkeit, Ski-Urlaube oder Reisen in den Süden auf diese Zeit zu legen. Breite Schichten der Bevölkerung könnten sich das nun leisten. Heuer fällt dies weg – und wir finden uns wieder in Festtraditionen, wie sie unsere Großeltern erlebten.

🎄📸 Weihnachten, wie's früher war

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Nudelsuppe, Karpfen und Essen am Christkindlmarkt

Dazu gehören natürlich auch Traditionen kulinarischer Art – wobei man sich hier meist nicht mehr wie früher bis zum 25. Dezember „zurückhält". „Vor 100 Jahren war die Adventszeit noch eine Fastenzeit und auch an Heiligabend kam leichte Kost wie die berühmte Nudelsuppe mit Würstel auf den Tisch", so Morscher. Heutzutage beginne die „Völlerei" in den meisten Familien nicht erst am Weihnachtstag. „Dass dabei von der Gans über den Karpfen, Hummer oder italienischen Salat fast jede Familie mittlerweile ihre eigene Tradition hat, hat neben dem Wohlstand natürlich auch mit der wachsenden Lebensmittelmobilität zu tun".

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Christkindlmarkt in der Innsbrucker Altstadt, 1973.
© IAI Gmbh, TVB

Das heutzutage in Tirol bekannteste Weihnachtsessen to go, den „Kiachl", mit dem dazugehörigen Christkindlmarkt gibt es hingegen noch nicht so lange, wie man meinen mag. „Märkte an sich sind eine wachsende Tradition, die es seit dem Mittelalter gibt, den spezifischen Christkindlmarkt gibt es in Innsbruck erst seit der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts, ab 1973 wurde er fixer Bestand des Advents", erklärt Morscher. Zuvor gab es andere vorweihnachtliche Märkte, aber nur an wenigen Tagen – wie auch das ganze Jahr über zu Ehren der Tagheiligen. Am 4., 5. und 6. Dezember zum Beispiel den Nikolausmarkt, der von 1657 bis 1861 am Stadtplatz in der Herzog-Friedrich-Straße stationiert war, ab 1926 in der Maria-Theresien-Straße, danach in der Wilhelm-Greil-Straße und zuletzt am Marktplatz. Der Thomasmarkt rund um den 21. Dezember war ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert bekannt, wurde dann jedoch von den Christkindlmärkten verdrängt.

Eine längere Tradition als der Christkindlmarkt, wie wir ihn heute kennen, hat in Innsbruck der Christkindleinzug. Er wurde 1934 von Gräfin Julia Trapp eingeführt und fand – mit Unterbrechungen während des Zweiten Weltkrieges – bis in die 1980er-Jahre in der Innenstadt statt. 2004 wurde die Idee des Christkindleinzugs dann wieder aufgegriffen. „Die damalige Bürgermeisterin Hilde Zach war ebenso geprägt vom Weihnachten, das sie als Kind erlebte. Sie hat den Einzug in den 60er-Jahren gesehen und wollte diese Tradition wiederbeleben", erzählt Morscher. Dieses Phänomen könne man weithin beobachten und Weihnachten werde deshalb auch noch über Jahrzehnte so weiterbestehen, wie wir es eben kennen: „Man will auch als Erwachsener das wiedererleben, was man als Kind so wahnsinnig beeindruckend gefunden hat".

📸 Advent und Weihnachten, wie's in Innsbruck früher war:

Der Christbaum vor dem Goldenen Dachl in den 1950er-Jahren (Instagram: altstadt.innsbruck)

Altstadt voller Schnee in den 1950er-Jahren (Instagram: altstadt.innsbruck)

Der Hl. Nikolaus sorgte auch in den 1950ern für leuchtende Kinderaugen (Instagram: altstadt.innsbruck):

Weihnachten vor dem Goldenen Dachl in den 1930er-Jahren (Instagram: altstadt.innsbruck)

Rodelpartie auf der schneebedeckten Igler Straße 1918 (Instagram: stadt_innsbruck)

Eislaufplatz in Saggen 1910 (Instagram: stadt_innsbruck)


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