Erdbeben in Kroatien: Mindestens sieben Menschen getötet

In Kroatien hat erneut die Erde gebebt. Nach dem Beben am Montag kam es am Dienstag um die Mittagszeit zu heftigen Erdstößen, die bis nach Österreich spürbar waren.

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Ein zerstörtes Auto vor eingestürzten Häusern in Petrinja, etwa 50 Kilometer von Zagreb entfernt.
© DENIS LOVROVIC

Zagreb – Das starke Erdbeben, das am Dienstag gegen 12.20 Uhr Zentralkroatien erschütterte, hat mehrere Menschenleben und Dutzende Verletzte gefordert: Die Zahl der Todesopfer stieg bis zum Abend auf sieben, wie kroatische Medien berichteten. Die Rettungs- und Aufräumaktionen liefen nach Einbruch der Dunkelheit weiter. In der Kleinstadt Petrinja, wo das Epizentrum des Beben lag, kam ein Mädchen ums Leben. Mindestens fünf Leben forderte das Beben in einem Dorf in der Nähe von Glina.

Ein weiteres, siebentes Todesopfer gab es laut Medien in einer eingestürzten Kirche nahe Sisak. In Petrinja, wo zahlreiche Häuser im Stadtzentrum zusammen fielen, wurde in den Trümmern mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht. Neben Rettungskräften waren auch 130 Soldaten im Einsatz.

Das Militär half mit Transportflugzeugen bei der Evakuierung von Patienten aus dem Spital in der ebenfalls stark betroffenen Stadt Sisak. Beinahe alle Gebäude im dortigen Allgemeinkrankenhaus wurden beschädigt, so dass Patienten, darunter auch Covid-Erkrankte, nach Zagreb gebracht werden mussten. Soldaten halfen auch bei Evakuierung von Patienten aus der Pneumologie-Klinik in Petrinja. Über immense Zerstörungen wurde aus Glina berichtet, rund 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt. In der Gegend sei kaum ein Haus sei unbeschädigt geblieben, sagte die Vize-Bürgermeisterin Branka Baksic Mitic gegenüber Medien. Im Dorf Majske Poljane seien in den Trümmern fünf ums Leben gekommene Menschen gefunden worden. Auch dort waren die Rettungskräfte am Abend noch im Einsatz.

Die Kleinstadt mit rund 25.000 Einwohnern, war durch das Beben mit der Stärke von 6,3 stark beschädigt worden. Die Hälfte der Stadt sei zerstört, sagte Bürgermeister Darinko Dumbovic. Bilder aus dem Stadtzentrum, das am schwersten getroffen wurde, zeigten eingestürzte Häuser und komplett zerstörte Dächer. Auch ein Kindergarten wurde Berichten zufolge zerstört. Zum Zeitpunkt des Bebens, das sich gegen 12.20 Uhr ereignete, waren dort aber keine Buben oder Mädchen.

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Erdbeben auch in Österreich spürbar

Das Erdbeben war auch stark außerhalb der Landesgrenzen zu spüren. Auch in Österreich – in Teilen Kärntens und der Steiermark sowie in Wien, Linz, Graz und sogar Innsbruck wurden entsprechende Beobachtungen gemacht. Bereits in der ersten Stunde nach dem Beben erreichten die ZAMG mehr als 200 Wahrnehmungsberichte aus Österreich. Der Erdbebendienst der ZAMG ersucht die Bevölkerung, das Wahrnehmungsformular auf der Website http://www.zamg.ac.at/bebenmeldung auszufüllen.

In Graz etwa wackelten rund zwei Minuten nicht nur hohe Gebäude, auch in massiven Altbauten mit nur einem Geschoß waren die wellenartigen Bewegungen deutlich zu spüren. Christbaumkugeln und Glasschiebetüren wackelten, Fenster und Möbel knarrten. Das Beben war wesentlich deutlicher wahrnehmbar als noch jenes im Frühjahr in der Nähe von Zagreb. Außerdem hielten die Erdstöße länger an. Sogar in Wien gab es Berichte, dass die Wände wackelten.

Der Erdstoß wurde auch in den italienischen Regionen Friaul Julisch Venetien, in Venetien, in der Adria-Region Abruzzen sowie in Slowenien und Bosnien-Herzegowina deutlich verspürt. Die Feuerwehr wurde mit Anrufen besorgter Bürger bombardiert.

Patienten mussten aus Krankenhaus evakuiert werden

Erhebliche Schäden wurden auch aus der nahegelegenen Stadt Sisak berichtet, die rund 15 Kilometer entfernt von Petrinja liegt. Das Krankenhaus musste geräumt werden, berichtete das Regionalsender N1. Alle bis auf ein Gebäude seien durch das Beben beschädigt worden, die Patienten wurden nach Zagreb gebracht, hieß es. Nach Angaben des Gesundheitsministers Vili Beros soll die Armee beim Transport aushelfen. Das Krankenhaus in Sisak hat trotzdem 20 verletzte Personen aus Petrinja aufgenommen, darunter zwei Schwerverletzte.

In der rund 50 Kilometer entfernten Hauptstadt Zagreb wurden ebenfalls Gebäude beschädigt. Die Menschen, die noch das schwere Beben vom März in Erinnerung haben, flüchteten auf die Straßen. Telefon- und Stromleitungen wurden in Teilen des Landes unterbrochen, betroffen war auch Zagreb.

Nach dem Erdbeben wurde das slowenische Atomkraftwerk Krsko, das rund 80 Kilometer Luftlinie vom Epizentrum des Erdbebens entfernt liegt, präventiv abgeschaltet. Das sei ein übliches Verfahren bei Beben von einer solchen Stärke, hieß es aus dem AKW zur slowenischen Nachrichtenagentur STA. Der slowenische Infrastrukturminister Jernej Vrtovec betonte via Twitter, dass die Sicherheit nicht gefährdet sei. Die erste Überprüfung im AKW hätte keine Auswirkungen des Bebens gezeigt, hieß es. In der Anlage wird eine Prüfung aller Systeme durchgeführt, die Wiederinbetriebnahme ist binnen 24 Stunden geplant.

Geröll türmt sich auf den Straßen in Petrinja.
© DENIS LOVROVIC

Das Erdbeben wurde vom European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) mit einer Stärke von 6,3 angegeben. Das Epizentrum lag rund 45 Kilometer südwestlich von Zagreb, etwa drei Kilometer von Petrinja entfernt. Dort war bereits das Zentrum des Bebens vom gestrigen Montag, das eine Stärke von 5,2 hatte. Das Beben wurde in der ganzen Region gespürt: Wahrnehmungsberichte gab es aus Slowenien, Österreich, Italien sowie Bosnien-Herzegowina und Serbien.

Das Beben wurde von der ZAMG um 12.19 Uhr im Raum Sisak mit einer Magnitude von 6,0 registriert. Meldungen aus Kärnten, der Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, dem Burgenland sowie aus dem Raum Wien trafen auf der Hohen Warte ein. Unter anderem wurde deutliches Rütteln von Gebäuden verspürt und Gläser, Geschirr und Christbaumkugeln klirrten.

EU-Kommissionschefin sagt Hilfe zu

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Hilfe zugesagt. "Wir sind bereit zu unterstützen", schrieb sie nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Andrej Plenkovic auf Twitter. Sie habe den für humanitäre Hilfe zuständigen Kommissar Janez Lenarcic gebeten, so bald wie möglich ins Erdbebengebiet zu reisen. "Wir stehen an der Seite Kroatiens", betonte von der Leyen. (TT.com, APA)


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