Mehr als 1000 Gebäude nach Erdbeben in Kroatien zerstört, Bevölkerung in Angst

Sieben Menschen kamen beim verheerenden Erdbeben am Dienstag ums Leben, mindestens 26 wurden verletzt. Am Mittwoch erschütterten weitere Erdstöße mit Stärken von 4,8 und 4,6 das Land.

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch Petrinja.
© AFP/Sencar

Zagreb, Sisak – In Zentralkroatien seien bei dem Erdbeben am Dienstag mehr als 1000 Gebäude im Gebiet von Petrinja, Sisak und Glina komplett zerstört worden, mindestens so viele seien beschädigt, sagte der Verantwortliche der Region Sisak-Moslavina, Ivo Zinic, am Mittwoch zum Regionalsender N1. Meldungen über Vermisste gäbe es vorerst keine.

Nachdem die Rettungskräfte auch die entferntesten Dörfer überprüft haben, werden die endgültigen Opferzahlen feststehen, so Zinic. Bei dem Erdbeben starben am Dienstag sieben Menschen, darunter eine zwölfjähriges Mädchen, und nach Angaben des Innenministeriums wurden mindestens 26 Menschen verletzt, sechs davon schwer. Die Regierung erklärte den 2. Jänner zum nationalen Trauertag. Außerdem wurden für den ersten Hilfebedarf umgerechnet 16 Millionen Euro bereitgestellt.

Mehr als 1000 Häuser wurden komplett zerstört.
© AFP/Sencar

Weitere Erdstöße am Mittwoch

Mittwochfrüh haben zwei weitere Erdstöße das Gebiet um die Kleinstädte Sisak und Petrinja erschüttert. Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärken mit 4,8 und 4,6 an. Die Epizentren lagen erneut rund 45 Kilometer südöstlich von Zagreb. Von neuen Opfern war zunächst nichts bekannt.

"Was noch nicht von den Ruinen der Stadt heruntergefallen ist, ist jetzt heruntergefallen", sagte der Bürgermeister von Petrinja, Darinko Dumbovic, im staatlichen Fernsehen HRT. Insgesamt seien in den vergangenen 49 Stunden in Kroatien 38 Erdstöße verzeichnet worden, berichtete das Nachrichtenportal "jutarnji.hr" am Mittwochmorgen. Bereits am Montag hatte die Erde zum ersten Mal gebebt. Erdstöße der Stärke 5,2 und 5,0 hatten zunächst nur Sachschaden angerichtet. Kroatische Seismologen rechnen mit weiteren Beben.

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Zerstörung mit Kroatien-Krieg verglichen

Bilder aus den betroffenen Gebieten, die ohnehin zu den ärmsten Teilen des Landes zählen, zeigten enorme Schäden. Zahlreiche Häuser sind dem Boden gleichgemacht, anderswo wurden die Dächer notdürftig repariert. Die Zerstörung wird mit dem Kroatien-Krieg (1991–1995) verglichen, viele Menschen haben nach dem Krieg nun zum zweiten Mal ihre Häuser verloren. In Glina und Umgebung gab es am Mittwoch keine Wasserversorgung, wegen beschädigter Leitungen waren Teile von Petrinja nach wie vor ohne Strom.

"Das ist keine Katastrophe, das ist ein Kataklysmus", sagte ein Bewohner aus dem Dorf Majske Poljane zum Nachrichtenportal "Index" vor seinem stark beschädigten Haus. Auch er verbrachte die Nacht im Wagen. Seine 90-jährige Mutter, die sich während des Bebens im Haus befunden hatte, übernachtete in der Notunterkunft in Glina. In dem Dorf, das zu den am stärksten betroffenen gehört, starben fünf Menschen in den Trümmern.

© DAMIR SENCAR

Viele verbrachten Nacht im Freien oder Auto

In Petrinja haben laut Medien rund 500 Menschen, deren Häusern zerstört wurden, die Nacht in Notunterkünften verbracht, viele davon in der dortigen Kaserne. Andere kamen bei Verwandten unter, ein Teil der Bevölkerung blieb allerdings bei ihren Häusern. Die Nacht verbrachten sie aus Angst vor weiteren Beben im Freien oder in ihren Autos. Auch in Sisak blieben die meisten Bewohnern bei ihren beschädigten Häusern, rund 130 nützten die Notunterkünfte, die in den Sporthallen von dortigen Schulen errichtet wurden. Mehr als 300 Krankenhauspatienten und Bewohner von Altersheimen wurden aus Sisak und Petrinja nach Zagreb evakuiert.

Hilfe für das betroffene Gebiet langte aus allen Teilen Kroatiens sowie auch aus dem Ausland ein. Zahlreiche Freiwillige trafen ein, um zu helfen. Die Behörden haben diese aufgerufen, nicht mehr nach Petrinja und Sisak zu kommen. "Trotz ihrer guten Absichten erschwert das Gedränge die Arbeit der Rettungsdienste", twitterte das Innenministerium. In den abgelegenen Dörfern freute man sich unterdessen über die Freiwilligen, die bei den Aufräumarbeiten helfen. Eine Gruppe von jungen Menschen mit Schaufeln betonte gegenüber N1, sie hätten sich mit lokalen Behörden abgestimmt, wo sie helfen können. (APA)

Österreichisches Hilfspaket auf dem Weg

Ein österreichisches Hilfspaket wird noch am heutigen Mittwoch in das kroatische Bebengebiet transportiert. "Österreich ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner in der internationalen Katastrophenhilfe. Es ist daher eine Selbstverständlichkeit, die notwendigen Hilfsgüter rasch auf den Weg zu schicken", so Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Mittwoch.

Die Landesfeuerwehrverbände Niederösterreich und Wien wollten sich mit mehr als 30 Fahrzeugen auf den Weg machen, um den kroatischen Behörden die Hilfsgüter zu überbringen. Das Paket umfasst u.a. Wohncontainer, Feldbetten, Zeltbeleuchtungen und Heizlüfter. Neben der ersten Tranche, wird ein weiterer Transport am Abend des Neujahrstages erfolgen.


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