Von Sydney bis Paris: Wie die Welt unter Corona-Bedingungen Silvester feiert

Die Silvesterfeierlichkeiten rund um den Globus sind wegen der Corona-Pandemie diesmal sehr anders. Was wo zum Jahreswechsel passiert – von Sydney bis New York.

Auf den berühmten „Ball Drop“ am Times Square muss New York nicht verzichten, allerdings dürfen nur ein paar Hundert Menschen live zuschauen.
© David Dee Delgado

Wien – Vor einem Jahr wünschten sich viele Leute vielleicht eher nebenbei Gesundheit – zum Jahreswechsel 2020/21 hat das wegen Corona einen ganz anderen Klang. Wenn Milliarden Menschen in der Nacht zum Freitag (1.1.) das neue Jahr begrüßen, ist wegen der Pandemie vieles anders. Viele Feiern und Feuerwerke sind abgesagt, verkleinert oder ohne Anwesenheit von Massen geplant.

26 Stunden dauert es wieder zwischen 11 Uhr MEZ am 31. Dezember und 13 Uhr MEZ am 1. Jänner, bis der ganze Globus ins neue Jahr gerutscht ist. Es beginnt im Inselstaat Samoa, geht über Australien, Südkorea, Malaysia bis Europa, Südamerika, die US-Ostküste, Kalifornien, Hawaii zu den unbewohnten Eilanden Bakerinsel und Howlandinsel.

📽️ Video | Der leise Ausklang eines dramatischen Jahres:

🌍 Die australische Metropole Sydney will das neue Jahr trotz allem mit ihrem weltbekannten Feuerwerk an der Harbour Bridge vor dem Opernhaus begrüßen. Allerdings dürfen sich keine Zuschauer dazu am Hafen einfinden – und das Spektakel wird kleiner und kürzer als gewohnt.

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Spektakuläres Panorama in Sydney zum Jahreswechsel 2019/20.
© PETER PARKS

Saftige Strafen für Schaulustige in Sydney

Wenige Stunden vor dem weltbekannten Silvester-Feuerwerk in Sydney wollen die Behörden mit saftigen Strafen Schaulustige abschrecken. Jeder, der die aufgestellten Absperrungen zum Hafengebiet zu überwinden versucht, riskiere eine Geldstrafe von 1000 australischen Dollar (etwa 626 Euro), hieß es am Donnerstag.

🌍 Das fast Corona-freie Taiwan plant ein Feuerwerk in der Metropole Taipeh. Wie jedes Jahr soll die Pyrotechnik am Wahrzeichen der Stadt, dem Wolkenkratzer „Taipei 101", gezündet werden. Die Show mit rund 16.000 Feuerwerkskörpern soll rund fünf Minuten dauern.

🌍 In Singapur wurde das große Feuerwerk über der Bucht abgesagt, stattdessen soll es kleinere Lichtshows geben.

🌍 Auch in China, wo erst zum chinesischen Neujahrsfest im Februar richtig groß gefeiert wird, sind kleinere Veranstaltungen geplant. So soll es etwa in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, dem Ausbruchsort des Coronavirus, ein Feuerwerk geben.

🌍 In den Vereinigten Arabischen Emiraten soll das neue Jahr trotz der Pandemie in großem Stil eingeläutet werden. Am höchsten Gebäude der Welt, dem 828 Meter hohen Burdsch Chalifa in Dubai, ist wieder ein spektakuläres Feuerwerk samt Licht- und Lasershow geplant. Wer das Ereignis von einem besonderen Platz aus verfolgen will, kann in einem der edlen Restaurants im Stadtzentrum einen Tisch reservieren.

Auch heuer wird es am Burdsch Chalifa wieder ein Feuerwerk geben.
© AFP

Strenge Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus gelten trotzdem. Zugang zur Flaniermeile am Burdsch Chalifa erhält nur, wer sich vorher mit einer Handy-App registriert und einen entsprechenden QR-Code vorzeigen kann. Dabei dürfen sich höchstens zwölf Besucher zu einer Gruppe zusammenschließen. Außerdem sind Wärmebildkameras im Einsatz und Ordner, die darauf achten, dass Touristen und Anrainer Abstandsregeln einhalten. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen.

🌍 In Brasilien wurde die traditionelle Party mit Feuerwerk und Musik in Rio de Janeiro an der Copacabana abgesagt. Das Viertel Copacabana soll quasi abgeriegelt werden und nur für Anwohner zugänglich sein.

🌍 New York muss trotz allem auch dieses Jahr nicht auf den berühmten „Ball Drop“ am Times Square verzichten. Der leuchtende Kristallball wird dort wie immer um Mitternacht an einem Fahnenmast herabgelassen. Nur ein paar Hundert Menschen dürfen live zuschauen.

🌍 In Russlands Hauptstadt Moskau müssen die Leute trotz Pandemie nicht aufs Feuerwerk verzichten. Mit dem Glockenschlag des Spasski-Turms am Kreml sollen Raketen den Nachthimmel erhellen. Trotzdem wird diesmal etwas anders: Bars, Restaurants und Diskotheken müssen wegen der Corona-Sperrstunde spätestens um 23 Uhr schließen.

Feuerwerk am Kreml: Diesen Anblick wird es auch heuer wieder geben.
© DIMITAR DILKOFF

🌍 Die Niederlande gehörten zu den ersten Staaten, die Silvesterfeuerwerk verboten haben – mit Ausnahme von Knallerbsen oder Wunderkerzen. Auch die zentralen Feuerwerkshows wurden abgesagt, um Menschenansammlungen zu verhindern. Es soll allerdings eine Licht-Show in der Johan Cruijff Arena in Amsterdam geben, die das Fernsehen live überträgt: „Electric Fireworks" mit beweglichen LED-Lampen und Lasern und Knalleffekten aus Lautsprechern.

🌍 In der belgischen Hauptstadt Brüssel ist statt Feuerwerk eine Lasershow geplant, die das Stadtzentrum mit mehreren Stadtteilen verbinden soll. Ab 22 Uhr herrscht allerdings Ausgangssperre – die Lasershow wird deshalb live im Internet übertragen.

🌍 In Paris herrscht auch am Silvesterabend die nächtliche Ausgangssperre von 20 Uhr bis 6 Uhr. Es gibt aber ein online zu sehendes Konzert von Jean-Michel Jarre als Avatar in der virtuellen Kulisse der Kathedrale von Notre-Dame.

Außerdem lädt der französische Star-DJ David Guetta lädt zu einer Silvester-Show vor der Louvre-Pyramide ein, die als Livestream zu sehen sein wird. Mit der Musik- und Lichtshow „United at Home" am 31. Dezember um Mitternacht sammelt der 53-Jährige erneut Gelder für Nothilfen an Bedürftige. Guettas Livestream-Auftritt wurde in der Nacht zum Mittwoch unter Live-Bedingungen aufgenommen und kann unter anderem auf den Social-Media-Plattformen Facebook, YouTube, Instagram, Twitter, Twitch, VK, Insight TV und Triller verfolgt werden.

🌍 In London hat Bürgermeister Sadiq Khan schon im September das Feuerwerk abgesagt. Dort darf man sich im Freien nur noch mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen, Besuche zu Hause sind verboten. Es sollen auch keine anderen Silvester-Events stattfinden und die U-Bahn legt im Gegensatz zu anderen Jahreswechseln nachts eine Pause ein.

Auf sämtliche Events rund um den Jahreswechsel müssen die Menschen in London heuer verzichten.
© TOLGA AKMEN

Statt Feierlichkeiten und Feuerwerk sendet die BBC über Mitternacht eine Live-Show. Gezeigt werden positive Ereignisse des Jahres, etwa die Spendenaktion des 100 Jahre alten Kriegsveteranen Tom Moore, der von der Queen zum Ritter geschlagen wurde. Auch in anderen Städten des Landes wird auf Feuerwerk verzichtet, etwa auf das traditionelle Hogmanay in der schottischen Hauptstadt Edinburgh.

🌍 In Spanien ist in Barcelona vorgesehen, dass es statt der traditionellen zwölf Glockenschläge in den letzten Sekunden vor Mitternacht, bei denen je eine Weintraube gegessen wird, je eine Rakete bei dezentralen Feuerwerken in den Himmel steigt. Um Punkt zwölf beginnt dann ein 15-minütiges Höhenfeuerwerk, das die Bürger von zu Hause aus sehen können sollen, ohne sich zu versammeln.

🌍 In Italien hat die Regierung für Silvester eine strenge Ausgangssperre verhängt. Von 22 Uhr bis 7 Uhr sollen die Menschen zu Hause bleiben. Silvester begeht Rom mit einer Show mit Auftritten vieler Künstler, die die Stadt im Internet übertragen will. Ob es auch ein Feuerwerk geben wird, ließ die Stadt offen.

🌍 In Kopenhagen ist der traditionelle Versammlungsort Rathausplatz gesperrt, in Norwegens Hauptstadt Oslo und der finnischen Hauptstadt Helsinki fallen die großen Feuerwerke aus. Überall herrschen strikte Alkoholverkaufsverbote. In Schweden soll das vom Fernsehen gezeigte Feuerwerk im Freilichtmuseum Skansen über Stockholm ohne Publikum vor Ort gezündet werden.

🌍 Deutschlands größte Silvesterparty in Berlin am Brandenburger Tor fällt aus. ZDF überträgt von dort eine TV-Show ohne Publikum. Obwohl das zuständige Bezirksamt Berlin-Mitte auch ein großes Höhenfeuerwerk am Brandenburger Tor genehmigt hatte, werde es ein solches in diesem Jahr nicht geben. Diesmal gab es ein grundsätzliches Verkaufsverbot von Feuerwerk. Dies soll vor allem die Krankenhäuser vor Überlastung schützen und Notaufnahmen entlasten.

Große Silvesterpartys wie vergangenes Jahr am Brandenburger Tor sind heuer undenkbar.
© JORG CARSTENSEN

📍 Die größte Party in Österreich, der Wiener Silvesterpfad, wurde schon Mitte Oktober abgesagt. Normalerweise strömen Hunderttausende dorthin und verwandeln die Innenstadt in eine kilometerlange Partymeile. Knapp 4000 Polizisten werden in Österreich in der Silvesternacht im Einsatz sein und auch die Einhaltung des Pyrotechnikgesetzes überwachen. Grundsätzlich besteht ein Verbot im Ortsgebiet –auch zu Silvester.

Im Gegensatz zu allen anderen Landeshauptstädten wird es jedoch in Innsbruck ein großes Feuerwerk zum Jahreswechsel als „Signal der Hoffnung" für 2021 geben – eine umstrittenen Entscheidung.

Ein Fixpunkt bleibt: Die Wiener Philharmoniker spielen am 1. Jänner ihr traditionelles Neujahrskonzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, das in 90 Länder übertragen wird – diesmal allerdings ohne Live-Publikum. Bereits zum sechsten Mal am Neujahrspult steht Riccardo Muti, der eine „Botschaft der Hoffnung" in die Welt senden will. (TT.com/APA/dpa)

📽️ Video | Neujahrskonzert im Corona-Jahr:


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