Ruhige Silvesternacht in Tirol, aber Einsätze wegen privater Feuerwerke

Auch wenn heuer aufgrund der Corona-Pandemie alles ruhiger war: Ganz ohne Einsätze verlief die Silvesternacht nicht. Vor allem das Ignorieren der Feuerwerksverbote und der Covid-Verordnung sorgten für Einsätze.

Auch wenn private Feuerwerke verboten waren, hielten sich viele nicht daran.
© Zeitungsfoto.at

Innsbruck – Auch die Silvesternacht stand in Tirol deutlich unter den Zeichen der Corona-Pandemie: Dank Lockdown und Feuerwerks-Verbot war es so ruhig wie schon lange nicht mehr, zumindest was die Einsätze von Feuerwehr, Polizei und Rettung betraf: In den Kernzeiten zwischen 23 Uhr und 2.30 Uhr gingen die Alarmierungen um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, zwischen 19 Uhr und 5 Uhr Früh verzeichnete die Tiroler Leitstelle einen Rückgang um 43 Prozent. „Das Auffallendste an dieser Nacht war sicher die Ruhe. Diese Silvesternacht ist nicht vergleichbar mit jenen der Vorjahre", so Leitstellen-Schichtleiter Lukas Huber.

📽 Video | Silvesternacht verlief relativ ruhig:

Die Nachtmannschaft war heuer gleich besetzt wie in den Vorjahren: 14 Mitarbeiter kümmerten sich um die eingehenden Alarmierungen. Ihr Job war heuer aber deutlich entspannter wie noch vor einem Jahr: Während es zum Jahreswechsel 2019/20 in der Kernzeit 160 Alarme gab, waren es heuer fast beschauliche 63. In der ganzen Nacht mussten die Leitstellen-Mitarbeiter 239 Fälle abwickeln, ein Jahr zuvor waren es noch 421 gewesen.

Videochat rettete Frau in Deutschland

Der wohl auffälligste Einsatz, den die Leitstelle heuer zu verzeichnen hatte, war auch kennzeichnend für die Corona-Situation in diesem Jahr: Während eines Videochats zwischen Familien aus Tirol, Deutschland und den USA kam es zu einem medizinischen Notfall. Ein Tiroler bemerkte, dass seine im deutschen Bundesland Baden-Württemberg lebende Schwiegermutter ein medizinisches Problem hat. Er wählte daraufhin sofort den Notruf in Tirol.

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Sämtliche Daten zum Einsatzort und dem medizinischen Problem wurden erfasst und der zuständigen Integrierten Regionalleitstelle Ostwürttemberg in Aalen weitergegeben. „Vor allem in solchen Fällen bewährt sich die parallele Bearbeitung eines Ereignisses durch mehrere Mitarbeiter, weil dadurch wertvolle Zeit gespart werden kann. Während ein Kollege am Notruf bleibt, läuft bereits die Alarmierung, in diesem Fall auch über Ländergrenzen hinweg“ schilderte der diensthabende Schichtleiter Florian Prosch die schnelle Abwicklung.

Feuerwerksverbot vielerorts ignoriert

Das von der Regierung verkündete Feuerwerksverbot stieß trotz der angedrohten Strafen von bis zu 10.000 Euro auf viele taube Ohren in Tirol: Während Innsbruck als einzige Landeshauptstadt Österreichs ein öffentliches Feuerwerk abfeuerte, waren auch ringsherum immer wieder Böller und Raketen zu sehen und zu hören. Die Ignoranz schlug sich auch in den Einsatzzahlen der Nacht nieder: Es kam zu mehreren Feuerwehreinsätzen und die Rettung musste Verletzte ins Krankenhaus einliefern.

Bereits gegen 19.40 Uhr musste die Feuerwehr ausrücken: Bei einem Müllablageplatz am Knappenweg in Fulpmes war ein Brand ausgebrochen. Durch den entzündeten Müll wurde auch ein anliegendes Garagengebäude beschädigt. Die alarmierte Feuerwehr Fulpmes, die mit drei Fahrzeugen und 30 Mann ausgerückt war, konnte den Brand rasch löschen, es entstand allerdings Sachschaden in derzeit noch unbekannter Höhe. Personen kamen nicht zu Schaden. Brandursache dürfte ein Feuerwerkskörper gewesen sein.

Weniger Einsätze für die Feuerwehr

Eine verirrte Feuerwerksrakete dürfte auch einen Brand in Innsbruck-Hötting ausgelöst haben, zu dem die Feuerwehr um 22.45 Uhr ausrücken musste. Die Bewohner der Wohnung waren zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht zu Hause. Zum Glück bemerkten zwei Nachbarn die Rauchentwicklung und reagierten beherzt mit Feuerlöschern. Aufgrund der starken Rauchentwicklung und der aufkommenden Stichflammen erlitten die beiden Männer (es handelt sich hier um zwei Slowenen im Alter von 29 und 34 Jahren) eine Rauchgasvergiftung und wurden anschließend zur weiteren Abklärung in die Klinik Innsbruck eingeliefert.

Die Berufsfeuerwehr Innsbruck gelangte mittels Drehleiter auf den Balkon und konnte den Brand rasch unter Kontrolle bringen. Am Balkon entstand erheblicher Sachschaden in derzeit noch unbekannter Höhe, da auch ein Teil der Hausfassade abgetragen werden musste. Die Verursacher, die die Rakete geschossen hatten, konnten noch nicht ausgeforscht werden, diesbezügliche Ermittlungen sind im Gang. Im Einsatz waren drei Fahrzeuge der Feuerwehr, zwei der Rettung und mehrere Polizeistreifen.

Um 3.37 Uhr wurden die Feuerwehren Roppen und Imst sowie in weiterer Folge die Feuerwehr Ötztal-Bahnhof zu einem Zimmerbrand im Ortsteil Ötzbruck alarmiert. Der Brand war in einem Wohnhaus in dem sich insgesamt sechs Personen, darunter ein drei Monate altes Baby, befanden, ausgebrochen. Die 47-jährige Hausbesitzerin hatte das Feuer um 3.30 Uhr bemerkt und alle anderen Bewohner geweckt. So konnten alle rechtzeitig das Haus verlassen.

Das Gebäude selbst wurde aber so schwer beschädigt, dass es derzeit nicht bewohnbar ist. Die Ermittlungen zur Brandursache ergaben, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Hitzestau am Ölradiator in einem Schlafzimmer zum Brand führte. Im Einsatz standen die Feuerwehren Roppen (fünf Fahrzeuge und 40 Einsatzkräfte), Ötztal-Bahnhof (vier Fahrzeuge und 20 Einsatzkräfte) und Imst (vier Fahrzeuge und 23 Einsatzkräfte), die Rettung sowie die Polizei.

Das Haus ist derzeit nicht bewohnbar.
© zeitungsfoto.at/Liebl Daniel

Anzengruber zieht positive Bilanz

Zahlreiche, speziell über die Kernzeit verteilte Brände stellten sich als Fehl- oder Täuschungsalarme heraus. Vereinzelt mussten aber kleinere Brände gelöscht. Insgesamt wurde die Feuerwehr in der Nacht 39 Mal alarmiert, davon 14 Mal in der Kernzeit. Im Vorjahr waren es noch 69 Gesamteinsätze verzeichnet, wovon 33 in die Kernzeit zwischen 23 Uhr und 2.30 Uhr fielen.

„Die Silvesternacht verlief aus Sicht der Feuerwehr und MÜG in der Tiroler Landeshauptstadt relativ ruhig. Bis auf den Wohnungsbrand in Hötting gab es keine besonderen Vorkommnisse. Die Stadt Innsbruck ist gut ins neue Jahr gerutscht. Bei der Mobilen Überwachungsgruppe wurden 15 Standardeinsätze vom Falschparken bis zur Lärmbelästigung abgewickelt. Die Berufsfeuerwehr verzeichnete lediglich neun Alarmfahrten, davon eine Fahrt zum Balkonbrand in Hötting und eine zu einem Kleinst-Wiesenbrand an der Römerstraße in Igls“, so der für die Sicherheit in Innsbruck verantwortliche Vize-Bürgermeister Johannes Anzengruber.

Mehrere Verletzte durch Feuerwerkskörper

Die Rettung war in der Nacht bei einem Einsatz in Eben am Achensee gefordert: Dort hatten mehrere Burschen Flammen im Bereich des „Häusererbühels“ nahe der Rofanbahntalstation gemeldet. Auch hier dürfte eine Rakete oder ein Böller Schuld gewesen sein: Die vier Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren befanden sich zum Vorfalls-Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe und konnten beobachten, wie Funken einer Rakete auf den Boden fielen und dadurch ein leichtes Feuer auslösten. Die Burschen versuchten sofort, das Feuer zu löschen, wobei sich ein 16-Jähriger an der linken Hand unbestimmten Grades (Brandwunde) verletzte. Er wurde von der Rettung ins Krankenhaus Schwaz eingeliefert. Die alarmierte Feuerwehr Eben am Achensee konnte den Brand rasch löschen, der entstandene Sachschaden ist unbekannt.

Die Feuerwehr löschte das Feuer in Eben binnen kürzester Zeit.
© ZOOM.TIROL

In Fügen endete die Kracherei für einen Beteiligten sogar mit Gesichtsverletzungen: Der Betroffene wurde um 0.10 Uhr durch Feuerwerkskörper getroffen und musste in die Klinik Innsbruck gebracht werden. Nur 20 Minuten später wurde dort der nächste Feuerwerks-Patient eingeliefert: Der Betroffene hatte in Innsbruck durch Raketen Kopf- und Beinverletzungen erlitten.

Einbruch in Zirl, Schreckschuss in Innsbruck

Auch andernorts waren die Einsatzkräfte gefordert. In Zirl etwa machten sich Einbrecher den Jahreswechsel zunutze, um in ein Lebensmittelgeschäft einzusteigen: Gegen 0.25 Uhr drückten die Unbekannten der Schiebetüre des Geschäfts ein. Die alarmierte Polizei durchsuchte das Objekt wenig später mit einem Diensthund, konnte aber niemanden mehr finden. Eine Fahndung im Nahbereich des Tatortes verlief negativ. Es ist derzeit noch nicht bekannt, was aus dem Geschäft entwendet wurde. An der Schiebetüre entstand Sachschaden in derzeit noch unbekannter Höhe.

In Innsbruck war die Polizei in der Nacht wegen der Abgabe eines Schreckschusses im Einsatz. Gegen 0.10 Uhr wurden in Hötting mehrere Schüsse gemeldet. Da der Sachverhalt für die alarmierten Polizeistreifen noch total unklar war, rückten die Polizisten mit ballistischer Schutzausrüstung aus. Vor Ort verhielten sich dann mehrere Beteiligte auffällig, indem sie die Flucht ergriffen, als sie die Polizisten bemerkten. Die Streifen nahmen die Verfolgung auf und konnten noch im Eingangsbereich eines Wohnblocks einen Mann anhalten, der die Eingangstüre schließen wollte.

Bei der weiteren Durchsuchung des Objektes konnten dann insgesamt acht Erwachsene und drei Kinder im Wohnhaus angetroffen werden. Bei den Ermittlungen und Befragungen stellte sich heraus, dass ein 18-jähriger Italiener die Schüsse mit einer Schreckschusspistole abgegeben hatte. Gegen ihn wurde ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen und die Schreckschusspistole samt Munition sichergestellt. Anzeigen nach der Covid-Verordnung und nach dem Sicherheitspolizeigesetz wurden ebenfalls erstattet. Mehrere der in diesem Wohnhaus angetroffenen Personen sind dort nicht wohnhaft.

Apropos Covid-Verordnung: Laut Aussagen der Polzei kam es auch in diesem Bereich zu Anzeigen, konkrete Zahlen liegen derzeit allerdings noch nicht vor. (TT.com, rena)


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