Von Haus zu Haus mit Maske: Sternsinger hoffen trotzdem auf offene Türen

Die Heiligen Drei Könige sind die Segensbringer mit Mundschutz, die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr machen. In manchen Gemeinden bekommen die Bewohner aber auch „Post“ von den Sternsingern.

Im Stubaital haben sich zur großen Überraschung von Sabine Dablander vom Sternsingerteam sogar mehr Kinder als sonst gemeldet.
© Foto Rudy De Moor

Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – C+M+B: Diese drei Buchstaben schreiben die Sternsinger an die Haustüren. Sie stehen für „Christus mansionem benedicat“ – Christus segne dieses Haus – „und sind gerade in der aktuellen Situation besonders passend“, sagt Karin Boscolo, Referentin der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar in Tirol. „Ein gutes neues Jahr, Frieden und vor allem Gesundheit, das wünschen sich gerade jetzt sehr viele.“ Rund 10.000 Kinder gehen jedes Jahr in Tirol von Haus zu Haus, um Segen zu bringen und Spenden zu sammeln. Heuer werden es weniger sein, nicht in allen Pfarren sind als Könige verkleidete Kinder unterwegs. In manchen Gemeinden bekommen die Bewohner auch „Post“ von den Sternsingern, die an die Türen gehängt wird, andere haben sich zusätzlich für virtuelle Segenswünsche entschieden.

Mit Abstand, Mundschutz und Desinfektionsspray: Die Familie vom Oberberger Schalcherhof im Stubaital empfängt die Sternsinger Jasmin, Patricia, Magdalena und Liesl (von links) im Freien.
© BAGNG

Im Stubaital haben sich zur großen Überraschung von Sabine Dablander vom Sternsingerteam sogar mehr Kinder als sonst gemeldet – über 100 von der zweiten Klasse Volksschule bis zur vierten Klasse Mittelschule. Insgesamt 31 Gruppen machen sich vier Tage lang in dem großen und weitläufigen Seelsorgeraum in Neustift, Fulpmes, Telfes, Mieders und Schönberg auf den Weg. „Die Kinder freuen sich immer sehr darüber, etwas für andere Menschen tun zu können. Ihnen geht’s aber auch ums Zusammensein, vermutlich sind sie heuer auch einfach froh über die Abwechslung und die Gelegenheit, sich legal in den Ferien treffen zu dürfen.“ Denn das Sternsingen ist unter bestimmten, strengen Bedingungen erlaubt. Damit alles Corona-konform abläuft, wurde ein genaues Sicherheitskonzept erarbeitet.

Weil sie nicht singen können, haben sie gefragt, ob sie Ziehharmonika spielen dürfen.
Petra Prinoth (Sternsingerteam Absam)

Dazu gehört, dass es keine großen gemeinsamen Proben gibt und einen gestaffelten Abmarsch der einzelnen Gruppen vom Widum im Viertelstundentakt. Dablander: „Außerdem haben wir im Pfarrsaal ein Einbahnsystem eingerichtet, es gibt Desinfektionsmittel, und natürlich tragen alle einen Mundschutz.“ Der macht auch das Schminken der Kinder überflüssig, das ebenso ausfällt wie das Singen. Stattdessen tragen die Sternsinger nur ihre Segenssprüche vor – im Freien, denn die Häuser dürfen sie nicht betreten.

Florian, David, Matthias und Florian (von links) dürfen zwar nicht singen, haben aber die Ziehharmonika mitgebracht.
© BAGNG

In Absam haben sich Kinder für dieses Jahr etwas Besonderes überlegt. „Als ich ihnen sagte, dass wir heuer nicht singen können, hat mich eine Gruppe gefragt, ob sie Ziehharmonika spielen dürfen“, erzählt Petra Prinoth vom Organisationsteam. Das Lied, das sie sich passenderweise dafür ausgesucht haben: „Ihr Kinderlein kommet.“

„Die Begeisterung fürs Sternsingen ist bei uns sehr groß“, sagt Prinoth. „Die meisten Bewohner machen ihre Türen auf und ihre Herzen auch!“ Den Mund-Nasen-Schutz mit Sternen für die 55 Kinder haben hilfsbereite Mütter und Großmütter aus der Gemeinde selbst genäht, und damit die Sicherheit aller gewahrt bleibt, wurde das gemeinsame Einkleiden abgesagt. „Zur Kleideranprobe haben wir die Kinder einzeln ins Widum gebeten. Sie haben die Gewänder mit nach Hause genommen und kommen – wenn es losgeht – schon fertig angezogen zum Treffpunkt.“ Der geplante Besuch im Seniorenheim musste allerdings abgesagt wer-den.

Ein würdiges Leben für notleidende Menschen

„Die Spenden, die Sie geben, verhelfen Menschen zu würdigem Leben.“ Die Könige rufen mit ihren Segenssprüchen dazu auf, notleidenden Menschen zu helfen. Im vergangenen Jahr sammelten sie in Tirol mehr als 1,8 Millionen Euro, österreichweit haben Kinder seit 1954 über 470 Millionen ersungen.

Bei der aktuellen Dreikönigsaktion steht Indien beispielhaft für rund 500 Hilfsprojekte weltweit, die mit den Spenden finanziert werden. Dort trifft der Klimawandel besonders Bauern- und Fischerfamilien hart – durch Ernteausfälle, weil Fische in kühlere Gewässer abwandern und Stürme Siedlungen zerstören.

Viele Bauernfamilien, die oft nur von einem kleinen Stück Land leben, haben sich mit dem Kauf von Dünger und Pestiziden verschuldet. Fällt die Ernte schlecht aus, sind Hunger und Krankheit die Folgen, vor allem bei Kindern und schwangeren Frauen führt die Mangelernährung zu großen gesundheitlichen Problemen. Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen noch viel schwieriger gemacht. Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion unterstützen sie dabei, ihr Recht auf Nahrung durchzusetzen.


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