Sprechblasen und Pieptöne: Wendler in „DSDS“ herausgeschnitten und verpixelt

Da waren es nur noch drei Juroren: RTL lässt Michael Wendler nach dessen „KZ“-Äußerung optisch und akustisch nun völlig aus „DSDS“ verschwinden. Dem Zuschauererfolg tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil.

In den Szenen der Gesamtjury an ihrem Pult blieb Michael Wendler im Bildausschnitt, allerdings nur als undefinierbares Etwas am linken Rand.
© RTL

Köln/Berlin – RTL hat den Schlagersänger Michael Wendler wie angekündigt aus der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ herausgeschnitten. Der Sender fand auch eine Lösung für Kamerafahrten auf die ganze „DSDS“-Jury: In der am Samstagabend ausgestrahlten Folge waren dann zwar alle vier Juroren der Sendung im Bild, Wendler ganz links war jedoch nur schemenhaft erkennbar. Mittels Bildbearbeitung war er digital völlig verpixelt worden, so dass er verwischt aussah. Sprechblasen ersetzten in der aufgezeichneten Show Wortmeldungen von ihm. RTL zog damit Konsequenzen aus jüngsten Äußerungen Wendlers beim Messengerdienst Telegram.

War das Urteil von Wendler für die Dramaturgie von Relevanz, wurde eine Sprechblase für Text genutzt.
© RTL

Bei Szenen, in denen Wendler nicht im Bild zu sehen ist, aber kurze Äußerungen tätig, wurde seine Stimme weggepiept. Darüber hinaus blendete der Privatsender mit weißer Schrift vor schwarzem Bildschirmhintergrund einen redaktionellen Hinweis ein, dass „ein Juror Verschwörungstheorien verbreitet“ habe. Wegen „völlig untragbarer Äußerungen“ habe man ihn aus den 2020 aufgezeichneten Folgen herausgeschnitten. „Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste.“

Dass es durch die herausgeschnittenen Szenen „zu erheblichen, teils dramaturgischen Brüchen, vor allem aber auch zu bildlichen „Fehlern“ kommt, die nicht dem RTL-Standard entsprechen“, nahm man dabei in Kauf, wie RTL am Sonntag bekräftigte. Der Zuschauererfolg gab dem Sender Recht. Bei den werberelevanten 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei starken 18,1 Prozent. „DSDS“ war in dieser Zielgruppe die Nummer eins am Samstagabend. Insgesamt sahen 3,60 Millionen Zuschauer (10,8 Prozent) die Folge. „In allen Zielgruppen war diese ungewöhnliche Folge erfolgreicher als die Auftaktfolge am vergangenen Dienstag“, so RTL.

Auch Auftritt mit Wendler-Song stummgeschaltet

Nicht herausgeschnitten hat RTL allerdings einen Kandidaten, der sich ausgerechnet einen Song von Michael Wendler ausgesucht hatte. Das TV-Publikum bekam jedoch weder Interpret und Titel noch den Gesang zu hören. Ersteres wurde gepiept, der Auftritt dann mit dem Soundbett der „DSDS"-Entscheidungen unterlegt. Dazu eine Einblendung: „Der Kandidat Christian hat sich für seinen Auftritt einen Song des Jurors ausgesucht, den wir aufgrund seiner unsäglichen Äußerungen aus der Sendung herausgeschnitten haben. Deshalb werden wir auch die Musik dieses Jurors nicht mehr spielen."

📽️ Video | Stummer Kandidaten-Auftritt

RTL hatte den harten Schnitt am Mittwoch angekündigt, nachdem Wendler Deutschland wegen der Anti-Corona-Maßnahmen bei Telegram als „KZ“ (Konzentrationslager) bezeichnet hatte. Angeblich sei „KZ“ dabei eine Abkürzung für „Krisen Zentrum“ gewesen, hatte er später auf Instagram behauptet. Zwischen Wendler (48, „Sie liebt den DJ“) und RTL war es schon im Herbst 2020 zum Bruch gekommen. (dpa)


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