Zwei Experten durften nicht einreisen: Fehlstart für WHO-Mission in China

Die chinesischen Behörden haben zwei Wissenschaftern des Teams, das den Ursprung des Coronavirus untersuchen soll, die Einreise verweigert. Bei ihnen sollen Antikörper gefunden worden sein. Die WHO gibt an, mehrere PCR-Tests seien negativ gewesen.

Die Mitglieder des WHO-Teams, die einreisen durften, verlassen den Flughafen in Wuhan mit einem Bus.
© NICOLAS ASFOURI

Wuhan – Zwei Experten des internationalen Teams, das im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach den Ursprüngen des Coronavirus forschen soll, dürfen zunächst nicht nach China einreisen. Bei den Wissenschaftern seien Covid-19-Antikörper festgestellt worden, teilte die WHO mit. Das deutet auf eine frühere Infektion hin. Das Wall Street Journal berichtete, chinesische Beamte hätten die Experten daran gehindert, beim Transit in Singapur ins Flugzeug nach Wuhan zu steigen.

PCR-Tests bei Wissenschaftern fielen negativ aus

Die Forscher seien vor der Abreise mehrfach mit PCR-Corona-Tests negativ getestet worden, betonte die WHO. Auch in Singapur seien Tests bei allen Delegationsmitgliedern negativ gewesen. Die beiden Betroffenen würden nun erneut auf Antikörper untersucht. Die anderen 13 Mitglieder der Delegation trafen unterdessen in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ein, wo vor einem Jahr die ersten Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Voris entdeckt worden waren.

Chinas Außenamtssprecher sagte zu dem Einreiseverbot in Peking nur, dass die Vorschriften gegen die Pandemie "streng befolgt" würden. Die 13 anderen Wissenschaftler mussten in Wuhan zunächst in Quarantäne. "Die Experten werden ihre Arbeit umgehend aufnehmen, während sie die zweiwöchige Quarantäne für internationale Reisende absolvieren", schrieb die WHO.

Virus soll zur Quelle zurückverfolgt werden

Um die Reise hatte es ein langes Tauziehen gegeben, so dass sich die Ankunft hinausgezögert hatte. Gemeinsam mit chinesischen Forschern wollen die Experten erkunden, ob das Virus zu seiner Quelle zurückverfolgt werden kann. Inzwischen wurden weltweit Dutzende Millionen Menschen damit infiziert. Mehr als 1,9 Millionen Menschen sind nach offiziellen Statistiken schon gestorben.

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Mitglieder des WHO-Teams hatten im Vorfeld der Reise schon die Erwartungen heruntergeschraubt. Es gehe vor allem darum, im Austausch mit chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten. Die Suche nach dem Ursprung des Virus gilt als politisch heikel.

WHO-Notfallkomitee in Genf, Corona-Todesfall in China

In Genf traf unterdessen angesichts der dramatisch schnellen Ausbreitung neuer Virus-Mutationen vorzeitig das Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer "dringenden" Sitzung zusammen. Diese sei vorgezogen worden, um "Themen zu besprechen, die dringender Aufmerksamkeit bedürfen", erklärte die WHO. Dazu zählten "die jüngsten Virusvarianten sowie Überlegungen über den Umgang mit Impfungen und Testzertifikaten auf internationalen Reisen".

In den vergangenen Wochen waren in Großbritannien und Südafrika zwei Mutationen des Virus entdeckt worden, die als deutlich ansteckender gelten als die bisherigen Formen des Erregers. Diese Mutationen haben sich mittlerweile in mindestens rund 50 Staaten weltweit verbreitet. Zudem gab Japan am Sonntag die Entdeckung einer weiteren Mutation bekannt, die aus dem brasilianischen Amazonasgebiet stammen soll. Diese Variante wird derzeit untersucht. Es gibt Befürchtungen, dass Impfungen bei neuen Mutationen womöglich nicht so gut wirken könnten. Außerdem können die Mutationen nur durch Sequenzierung des genetischen Codes entdeckt werden, was nicht überall auf der Welt möglich ist.

China meldete indes den ersten Corona-Todesfall seit acht Monaten. Mit strikten Maßnahmen wie der Abriegelung ganzer Städte und Regionen sowie Massentests hatte das Land das Infektionsgeschehen bis zum Frühjahr zunächst unter Kontrolle gebracht. In den vergangenen Wochen stiegen die Infektionszahlen jedoch insbesondere im Norden des Landes wieder an, allerdings auf weit niedrigerem Niveau als etwa in Europa.

China will nicht als Schuldiger für Pandemie gelten

China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden. Seit Monaten streuen chinesische Behörden daher Zweifel, ob das Virus überhaupt aus China stammt. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, wonach es Infektionen schon anderswo gegeben haben könnte. So müssten WHO-Experten auch in andere Länder reisen, teilte ein Außenamtssprecher mit.

Chinas Propaganda verbreitet auch die These, dass das Virus über gefrorene Lebensmittel eingeschleppt worden sein könnte. Es wird auf heutige Viruspuren auf importierten Tiefkühlwaren verwiesen. Doch ist unter Wissenschaftlern strittig, ob diese Spuren für eine Infektionen ausreichen. Ausländische Forscher verdächtigen hingegen weiter Fledermäuse aus Südchina, die auch von chinesischen Behörden lange als möglicher Ursprung genannt worden waren. (APA, AFP, dpa)


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