„Jetzt zweimal Märchenwiese“ – Feller erntete Kritik von Damen-Chef Mitter

Manuel Feller spricht im Interview über das Aus der Slalom-Klassiker von Wengen und Kitzbühel, das bevorstehende Doppel in Flachau und das Privileg, ein Weltcupfahrer zu sein. Kritik kam vom ÖSV-Damen-Chef.

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Manuel Feller nimmt es, wie es kommt. Statt zweimal Kitzbühel kommt ein Flachau-Doppel.
© gepa klansek

Im Gegensatz zu Ihren Kollegen haben Sie heute auf ein Stangentraining in Going verzichtet. Eine Vorsichtsmaßnahme?

Manuel Feller: Ich spüre noch ein bisschen muskuläre Spannungen von Adelboden. Nichts Gravierendes, ich habe am Dienstag trainiert und werde auch morgen wieder auf der Piste sein.

Wie haben Sie die Slalom-Wechsel von Wengen nach Kitzbühel und letztlich in die Flachau aufgenommen?

Feller: Die Programm-
änderungen sind weniger das Problem. Bitter ist, dass mit Wengen und Kitzbühel absolute Klassiker wegfallen, stattdessen haben wir in der Flachau zweimal Märchenwiese und Ähnliches in Chamonix. Da wie dort wird es extrem knappe Rennen geben, weil sich auf diesem Hang die Spreu nicht so leicht vom Weizen trennen lässt. Aber es ist, wie es ist und es ist für alle gleich.

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Dennoch: Wie sehr schmerzt für einen Fieberbrunner der Wegfall der Kitzbühel-Torläufe?

Feller: Schon die Absage von Wengen habe ich extrem schade gefunden, weil es ein unglaublich cooler Hang ist. Dann habe ich mir gedacht, zweimal Kitzbühel ist auch cool, da habe ich die doppelte Chance, dass ich endlich meine Gams mitnehmen kann. Andererseits müssen wir froh sein, dass wir unseren Job machen dürfen, dass wir Rennen haben und dass es in Österreich möglich ist, dass ein neuer Veranstalter so kurzfristig einspringt. In Zeiten wie diesen muss man auch das Positive sehen.

Welche Wertigkeit hätte es, wenn Sie am Sonntag den Kitzbühel-Slalom in Flachau gewinnen sollten?

Feller: Hätti, wari, tati. Ich habe noch keinen Weltcupsieg, deshalb sollten wir gar nicht vom Gewinnen reden. Klar ist aber: Kitzbühel ist Kitzbühel und Flachau ist Flachau. Schlussendlich gibt es zweimal 100 Punkte zu holen.

Mitter teilt gegen Feller aus

Christian Mitter, Rennsportleiter der ÖSV-Damen, fand gestern sehr deutliche Worte für den Sager von Manuel Feller, der Weltcup-Hang in Flachau sei eine „Märchenwiese“. „Er soll schauen, dass er seine Zwetschken beinand hat. Dann muss er dort auch gewinnen“, sagte der Steirer im Zoom-Meeting aus Kranjska Gora, wo am Wochenende zwei Damen-Riesenslaloms stattfinden.

„Leicht oder nicht leicht. Zagreb ist auch nicht schwierig und Adelboden bis auf fünf oder sechs Tore auch nicht wirklich“, konterte Mitter. Es gäbe außerdem auch bei den Damen ausreichend schwierige Hänge, betonte Mitter. Gerade erst in St. Anton habe man dies gesehen. „Außerdem ist auch im Herren-Weltcup nicht immer alles brutal steil und eisig.“ (APA, TT)

Und zweimal die Möglichkeit, das Rote Trikot wieder zurückzuerobern. Ist die Slalom-Kristallkugel ein ganz großes Ziel?

Feller: Was heißt ganz großes Ziel. Wenn man zwei oder drei Monate zurückblickt, muss man alles in Relation setzen. Da hatte ich noch Rückenprobleme, Trainingsrückstand und es war damals nicht absehbar, dass ich so in der Weltspitze mitmischen würde. Andererseits, wenn du die Möglichkeit hast, musst du dir auch die Ziele entsprechend neu setzen. Warten wir einmal das kommende Wochenende ab, es kann sich in beide Richtungen einiges bewegen und verändern. Wenn ich am Start stehe, denke ich aber nicht an solche Sachen. Da geht es nur darum, schnell und stabil Ski zu fahren. Wenn ich das weiterhin auf den Punkt bringe, werde ich auch ein Wörtchen mitreden können.

Haben Sie irgendwelche Erfahrungen mit Flachau?

Feller: Nicht, dass ich wüsste. Und wenn, dann im Kinder- oder Schülerbereich. Ich weiß, es ist die Strecke vom Hermann (Maier, Anm.), von dem her werden wir uns bemühen.

Wie haben Sie Ihren Adelboden-Ausfall weggesteckt?

Feller: Es war ein dummer Fehler, ich war oft genug in Adelboden, um zu wissen, dass man bei diesem Tor den Ski nicht so auslassen soll. Andererseits reden wir vom Rennfahren. Ich versuche positiv zu bleiben, die Sachen objektiv zu beurteilen und immer ein Stückchen besser zu werden.

Corona bleibt das bestimmende Thema. Haben Sie Bedenken, dass es in den nächsten Wochen auch im Ski-Weltcup eine Art Lockdown geben könnte?

Feller: Jein. Die aktuelle Situation ist besorgniserregend. Ich mache mir schon meine Gedanken, wenn unser Land im Lockdown ist und dann heißt es plötzlich, dass Engländer das neue Zeug (Coronavirus mit britischer Mutation, Anm.) daherbringen, da fragt man sich schon, was die hier eigentlich machen. Und was denkt sich da ein Wiener, der zu Hause in seiner Wohnung hocken muss?

Das Gespräch zeichnete Max Ischia auf


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