Corona: Mutations-Verdacht doch nur bei einem weiteren Fall in Tirol

Nach erneuter, noch detaillierterer Überprüfung der vormals auffälligen PCR-Proben durch das Labor kann nach derzeitigem Kenntnisstand bei acht Proben Entwarnung gegeben werden. Bei einer Probe wird aktuell weiterhin von einem Verdacht auf eine Virusmutation ausgegangen.

Weitere Proben im Tiroler Unterland haben Auffälligkeiten gezeigt.
© Halldor KOLBEINS / AFP

Kitzbühel – In Tirol besteht doch nur bei einem weiteren Fall der Verdacht auf eine Infektion mit der britischen Mutation des Coronavirus. Zuvor hatte das Land Tirol in einer Aussendung von neun Verdachtsfällen berichtet. Nach erneuter, noch detaillierterer Überprüfung der vormals auffälligen PCR-Proben durch das Labor kann nach derzeitigem Kenntnisstand bei acht Proben Entwarnung gegeben werden. Bei einer Probe wird aktuell weiterhin von einem Verdacht auf eine Virusmutation ausgegangen. Diese Probe wird nun weiter analysiert und von der AGES überprüft. Ergebnisse werden in etwa einer Woche erwartet. Keine neuen Erkenntnisse gab es bei den weiteren Ermittlungen in Jochberg.

Zusammen mit den diese Woche bekannt gewordenen 18 Mutations-Verdachtsfällen in Zusammenhang mit dem Jochberg-Cluster gibt es damit in Tirol 19 Verdachtsfälle.

Die abschließenden Befragungen rund um das Cluster in Jochberg am Samstag ergaben nach Angaben des Landes keine neuen Anhaltspunkte zu einer neuen Infektionsquelle.

„Infolge der Erstprüfung in den jeweiligen Laboren besteht der konkrete Verdacht, dass es sich nach den bereits bekannten Verdachtsfällen im Zusammenhang mit dem Cluster in Jochberg zum aktuellen Zeitpunkt bei einer weiteren positiven Coronatestung, die heute bekannt wurde, um die britische Coronavirus-Mutation handelt. Diese wird nun näher untersucht", erklärt Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes Corona, und betont: „Es ist davon auszugehen, dass diese Virusvariante ansteckender ist als der bisher bekannte Virusstamm. In ganz Österreich sind bereits zahlreiche Fälle von Virus-Mutationen bekannt. Darüber hinaus zeigen stichprobenartige PCR-Analysen aus Wien, dass dort bereits 17 Prozent der analysierten Fälle von der Virus-Mutation betroffen sind. Davon sind wir in Tirol derzeit weit entfernt. Jedoch ist es gerade jetzt umso wichtiger, rasch zu handeln, um die mögliche Ausbreitung einzudämmen. Dies können wir unter anderem durch vermehrte Testungen bestmöglich gewährleisten. Dadurch werden Coronavirus-Infektionen entdeckt und entstehende Infektionsketten können schnellstmöglich gestoppt werden. Auch das routinemäßige Contact Tracing wird in diesen Fällen intensiviert und enge Kontaktpersonen wie gehabt umgehend abgesondert.“

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Für die derzeit stattfindenden kostenlosen PCR-Testungen für die gesamte Bevölkerung im Bezirk Kitzbühel haben sich bis Samstag, 16.00 Uhr, rund 4.000 Personen angemeldet, etwa 3.000 Tests wurden durchgeführt. Für 1.515 Proben liegt bereits Testergebnisse vor, 36 davon waren positiv. Sie werden im Detail geprüft. Das Land rief die Bevölkerung erneut auf, das Testangebot im Bezirk Kitzbühel wahrzunehmen, das noch bis einschließlich Montag gilt. Eine Anmeldung ist über www.tiroltestet.at oder die Gesundheitshotline 1450 möglich. (APA)

Stichprobe in Wien weist 17 Prozent Mutations-Anteil auf

Die Verbreitung der neuen ansteckenderen Corona-Variante könnte schon recht weit fortgeschritten sein. Wie erste der APA bekannt gegebenen Ergebnisse einer Stichprobe von 83 positiven PCR-Tests zeigten, wurde bei 14 die für das britische Virus typische Mutation nachgewiesen. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sah den Verdacht bestätigt, wonach die Variante schon länger in Österreich sein dürfte. Komplexitätsforscher Peter Klimek sieht keine großen neuen Erkenntnisse.

Durchgeführt wurde die spezifische PCR-Analyse an der MedUni Wien. Hacker (SPÖ) hat laut eigenen Angaben am Donnerstag den Auftrag erteilt, alle positiven PCR-Befunde in Wien auch automatisch auf Mutationsmarker mittesten zu lassen. Nun gebe es den ersten Outcome des Auftrags. "Wichtig ist, dass es sich hierbei - Stand jetzt - immer noch um Verdachtsfälle handelt und die endgültige Bestätigung durch Sequenzierungen aussteht", sagte der Ressortchef.

Offen sei auch noch, um welche Mutation es sich tatsächlich konkret handle. Das erste Resultat bestätige jedoch den Verdacht der Stadt Wien, dass die besagte Mutation B.1.1.7. sich wohl bereits viel länger in Österreich aufhalte als seit erst ein paar Wochen. Hacker hatte bereits wiederholt die Vermutung geäußert, dass eine Verbreitung zwischen 15 und 20 Prozent nicht überraschend wäre.

"Für Beurteilung ist es noch zu früh"

"Für eine definitive Beurteilung dieser Situation und eine etwaige Neu-Beurteilung der Situation der letzten Wochen ist es noch zu früh, da die Ergebnisse der Sequenzierungen erst im Laufe der kommenden Woche einlangen. Danach gibt es ein klareres Bild, das dann eben zu beurteilen sein wird", betonte der Stadtrat.

Mit 14 Verdachtsmomenten auf die britische Mutation des Virus bei 83 positiven Proben kann natürlich unmöglich auf die derzeitige Ausbreitung der Version B.1.1.7. geschlossen werden, sagte Peter Klimek vom Complexity Science Hub (CHS) Vienna. Der Komplexitätsforscher wies darauf hin, dass aufgrund der PCR-Vorproben auch erst einmal eine hohe Wahrscheinlichkeit auf das tatsächliche Vorhandensein der Mutation gegeben ist, aber auch diese erst nach der Sequenzierung endgültig ist. Um das tatsächliche Ausmaß der Mutations-Anteils festzustellen bräuchte es eine ausreichend große Stichprobe, ähnlich wie bei einer Meinungsumfrage.

So gesehen haben diese 14 Fälle der möglichen Mutation, die bei den positiven Corona-Tests an einer Teststraße in Wien registriert wurden, keinen neuen Erkenntniswert, erläuterte Klimek, denn dass die aufgetretene Coronavirus-Mutation bereits im Wiener Abwasser ihre Spuren hinterlassen haben könnte und damit in der Bundeshauptstadt kursiert, stand ja bereits fest. Die in der Wiener Hauptkläranlage am Dienstag entnommene Probe wurde in einer Vortestung ebenfalls positiv auf die neue Variante getestet. Es sei so auf jeden Fall noch zu früh, um neue Schlüsse zu ziehen.

Man könne aber davon ausgehen, dass sich B.1.1.7. in einer ähnlichen Geschwindigkeit wie in Dänemark ausbreiten werde. Dort wurde anhand der dort hohen Rate an SARS-CoV-2-Sequenzierungen festgestellt, dass der Anteil von B.1.1.7 an den untersuchten Virusproben binnen drei Wochen von 0,2 auf 2,3 Prozent gestiegen war. Daher könne man auch im Fall von Österreich davon ausgehen, dass die Probleme mit der Mutation nicht erst in zwei Monaten auftreten werden, sondern eher bereits davor.


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