Covid-Impfung in Tirol: „Jeder Geimpfte ein Gewinn“

Ab 1. Februar können sich alle Tiroler fürs Impfen anmelden. Ärzte, die bereits in Heimen impfen, führen Listen von Anwärtern für die „Reste“. Das sorgt jetzt für Diskussionen.

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Das Land empfiehlt Ärzten, Listen zu führen.
© HANS PUNZ

Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Die Stimmung zugunsten des Impfens hat sich verbessert“, sagt Günter Atzl, Direktor der Tiroler Ärztekammer. Er verfüge zwar nicht über gesicherte empirische Daten, aber die Berichte der Ärzte ließen darauf schließen. Das habe nicht zuletzt damit zu tun, dass bei Weitem nicht die Menge an Impfstoff zur Verfügung stehe, die vom Bund angegeben werde.

Atzl ist täglich in Verhandlungen mit Vertretern des Landes, doch bis Freitagmittag stand noch nicht fest, wann die Impfung der niedergelassenen Ärzte und von deren Personal starten kann. In Vorarlberg und Wien wurden diese schon in Impfstraßen durchgeimpft. Tirol hat 1400 niedergelassene Ärzte, samt Mitarbeitern seien das rund 6000 Personen. Impfstoff wird von jenen, die an vorderster Front stehen, also dringend erwartet.

Anders die Situation in den Altenheimen: Hier wird seit drei Wochen geimpft, das funktioniere zwar gut, die Impfbereitschaft beim Personal sei jedoch ausbaufähig, heißt es. Dazu kommt, dass beide Impfstoffe, von BioNTech/Pfizer und von Moderna (noch nicht eingetroffen), nach Erstnutzung binnen sechs Stunden verbraucht werden müssen. Eine Durchstechflasche reicht bei BioNTech/Pfizer für fünf bis maximal sechs Dosen, bei Moderna für zehn. Der Impfplan wird derzeit nach Risikogruppen abgearbeitet. Die Dosen können aber nicht punktgenau errechnet werden. Was passiert also mit den salopp als „Rest“ oder „Überling“ bezeichneten Dosen?

Elmar Rizzoli, oberster Corona-Krisenmanager des Landes, erklärt dazu, man könne nicht bis zum letzten Stich organisieren, wer eine Dosis erhält. Wichtig sei, dass der Impfstoff in einen Arm finde: „Jeder Geimpfte ist ein Gewinn für alle.“ Daher rate man impfenden Ärzten zu Listen mit Personen, denen „Reste“ ver­impft werden können. „Die Ärzte wissen schon, wer ein Risikopatient ist und wer kurzfristig impfwillig ist.“ Mittlerweile wurden in den Altenheimen bereits 10.000 Impfungen verabreicht. Laut Rizzoli weiß man nicht von vornherein, wie viel aus einer Flasche herausgeht: „Eigentlich sind es fünf Dosen, aber es kann sein, dass die Flaschen wegen der raschen Produktion übervoll sind und etwas überbleibt.“

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Ärzte wegen fehlender Transparenz empört

See, Innsbruck – Mit der Impfpolitik steht er auf Kriegsfuß: Artur Prem, praktischer Arzt in See im Paznaun, setzt alle Hebel in Bewegung, um eine Impfung zu bekommen. „Ich möchte den Impfstoff auf offiziellem Weg haben. Nicht unter der Hand über irgendwelche Hintertüren.“ Sein Risiko, mit dem Virus angesteckt zu werden, sei hoch, zeigt er auf. „Zu mir kommen infizierte Patienten in die Ordination. Bei Hausbesuchen stelle ich fest, dass die Wohnräume oft nicht durchgelüftet werden.“ Auch weil er sich in fortgeschrittenem Alter befinde, habe er größtes Interesse „an einer Dosis in eigener Sache“.

Seit mehr als einer Woche blieben seine Bemühungen – auch bei der Standesvertretung – ohne Erfolg. „Ich bin überall mit lapidaren Antworten abgespeist worden“, fasst der Landarzt zusammen. Man müsse den Eindruck gewinnen, „dass Ärzte nicht zu den systemrelevanten Berufsgruppen gehören“. Auch in seinem Hinweis auf das Ländle klingt Ärger gegenüber Tirol mit: „Die Vorarlberger haben es geschafft, praktische Ärzte zu impfen.“

„Es gibt keine klare und für alle Beteiligten transparente Organisation der Impfungen. Diese Unplanbarkeit ist mittlerweile unerträglich“, kritisiert die aktuelle Vorgangsweise auch Herbert Bachler, Hausarzt und Präsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Aus seiner Sicht ist es „ethisch problematisch“, wenn so genannte „Überlinge“ oder „Reste“ von Impf-Ampullen nicht geregelt verimpft werden. Hier dürften keinesfalls „unter der Hand“ Impfdosen abgegeben werden. Und: „Es kann nicht sein, dass Hausärzte, die an der Front stehen, noch auf eine Impfung warten, aber Privatpersonen, die nicht direkt auf der Prioritätsliste ganz oben stehen, geimpft werden, nur weil sie sich auf eine Liste setzen lassen“, sagt Bachler. (lipi, hwe)

Jedenfalls hofft das Land Tirol, dass kommende Woche auch der Moderna-Impfstoff kommt. „Jetzt müssen alle Gruppen ihre Hausaufgaben machen und die Impfwilligen abfragen, auch Betriebe der kritischen Infrastruktur.“ Aktuell bekomme Tirol nur eine bestimmte Anzahl an Impfstoffen. Rizzoli hofft, dass sich diese ab kommender Woche verdoppelt. Dann brauchen jene Patienten, die als Erstes geimpft wurden, die zweite Dosis.

Rizzoli stellt fest, dass die Ungeduld vieler Impfwilliger dazu führe, dass Teile des bislang skeptischen Pflegepersonals umdenken: „Wir sehen, dass die Impfbereitschaft in den Heimen bei den Mitarbeitern steigt.“


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