ÖTV-Doppel-Ass Oswald in Voll-Quarantäne: "Das war natürlich ein Schock"

Von Los Angeles aus trat Philipp Oswald die Reise zu den Australian Open an. Dann kam aber die Information, dass der Flug quasi verseucht gewesen sei und alle zwei Wochen eingesperrt werden. Das bedeutet: Kein Training, kein Kontakt zur Außenwelt und 24 Stunden im Hotel.

Philipp Oswald und Doppel-Partner Marcus Daniell dürfen für zwei Wochen nicht zum Tennisschläger greifen.
© Jonas Güttler

Melbourne – Im Vorfeld der Australian Open sind nach Flugreisen mit Tennis-Profis nach Melbourne vier weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, darunter soll auch ein Spieler sein. Damit sind bisher neun positive Fälle bekannt, mehr als 70 Aktive müssen daher für 14 Tage in ihren Hotelzimmern in Voll-Quarantäne bleiben. Mit Philipp Oswald ist ein Österreicher davon betroffen. Der Vorarlberger berichtete der Fach-Homepage www.tennisnet.com über die aktuelle Situation.

Oswald hatte in der ersten Turnierwoche des Jahres am Turnier in Delray Beach teilgenommen, für den Flug nach Australien wurden ihm und seinem neuseeländischen Doppelpartner Marcus Daniell Plätze im Flieger ab Los Angeles zugewiesen. Mit im Flugzeug sei Tennys Sandgren gewesen. Der schon im November positiv getestete US-Amerikaner erhielt nach erneutem positiven Test die Erlaubnis für den Flug, da er nicht mehr infektiös sei. Er ist auch nicht der Grund für die nunmehrige Quarantäne.

Verseuchter Flug – zwei Wochen Voll-Quarantäne

Der Flug sei dann locker besetzt und sehr komfortabel gewesen, die ersten Eindrücke in Melbourne ebenfalls sehr gut, wie Oswald in einem Telefonat berichtete. "Es wurde streng kontrolliert und man hat gemerkt, dass Corona extrem ernst genommen wird." Dann kam aber die Information, dass der Flug quasi verseucht gewesen sei und alle zwei Wochen eingesperrt werden. "Das war natürlich ein Schock! Es ist schon ein Wahnsinn, dass wir nicht trainieren können", urteilte Oswald.

Ist man nicht in Voll-Quarantäne, dürfe man auch nur zwei Stunden pro Tag Tennisspielen, dann müssen die Spieler 90 Minuten in einem Fitnessraum verbringen. Eine halbe Stunde vor Ablauf werde eine Bestellung aufgenommen. Nach der Fitnesseinheit bleibe noch eine Stunde für das Essen, ehe es für 19 Stunden zurück aufs Zimmer geht. Bei Oswald hingegen sind es 24 Stunden. "Ich werde meine Übungen machen, meditieren und zu den vorgegebenen Essenzeiten essen", kündigte er an.

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Es ist schon sehr mühsam. Ich finde es auch nicht ganz fair, dass ein paar Spieler in Adelaide trainieren dürfen und wir in Melbourne einkaserniert werden.
Philipp Oswald, Tennisprofi

Er berichtete am Wochenende auch von schlechtem, weil überlasteten Wlan in seinem Zimmer, womit die Kommunikation mit der Familie erschwert würde. Auch dürfe er einzig Essen bestellen, hoffte aber auf Besserung. In einem Gespräch wurde von "Tennis Australia" Verständnis signalisiert, aber keine Änderung der Quarantäne-Lage. "Es ist schon sehr mühsam. Ich finde es auch nicht ganz fair, dass ein paar Spieler in Adelaide trainieren dürfen und wir in Melbourne einkaserniert werden."

Im Spieler-Chat habe es viele Diskussionen darüber gegeben, dass in Adelaide für die Stars wie etwa Novak Djokovic, Rafael Nadal und Dominic Thiem viel bessere Bedingungen herrschen. "Erstens durften die Spieler viel mehr Personal mitnehmen", erzählte Oswald. "Sie haben zudem in ihren Hotels einen Fitnessraum." Sie müssten ihre Fitness-Übungen daher nicht während des möglichen Fünf-Stunden-Zeitfensters absolvieren. "Sie haben die fünf Stunden nur für das Tennisspielen zur Verfügung."

Tennisplätze sieht Oswald nur vom Fenster aus

Oswald sieht auch Tennisplätze, aber nur vor seinem Fenster. Er könne seinen Gegnern also zusehen, wie sie sich spezifisch auf das Major vorbereiten. Von fünf Stunden täglich wie ursprünglich kommuniziert ist da aber auch keine Rede. Oswald: "Die Spieler werden in Gruppen eingeteilt und dürfen im Fünf-Minuten-Takt ihre Zimmer verlassen. Immer, wenn eine Gruppe rausgeht, kommen danach Reinigungskräfte, die den Korridor und den Lift putzen." 1.200 Leute seien für diese Arbeiten eingeteilt.

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Im Vorfeld sei es nicht so kommuniziert gewesen, dass bei einem positiven Fall im Flieger automatisch alle Passagiere in Quarantäne müssten. "Es hat eher so geklungen, dass jeder Fall individuell angeschaut wird. Das war bei uns dann nicht der Fall. Sie haben eher die Schablone über alle gelegt und gesagt, dass jeder eine potenzielle Gefahr für Australien darstellt." Oswalds Quarantäne endet am 29. Jänner, schon drei Tage später soll er beim ATP Cup engagiert sein.

Da spielt er im Team u.a. mit Thiem und Dennis Novak, die beiden Niederösterreicher würden sein Defizit mit der guten Vorbereitung in Adelaide sicher kompensieren, meinte er. Forderungen von Djokovic nach Lockerungen der Auflagen in Melbourne wie die Unterbringung der Spieler in Häusern mit Tennis-Courts wiesen die Behörden umgehend zurück. Die Regeln für die Profis seien die gleichen wie für alle anderen Menschen, betonte Daniel Andrews, der Premierminister des Bundesstaates Victoria. (APA)


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