Gerüchte um Russland-Aufenthalt: Verschollener Tengelmann-Chef am Leben?

Seit dem Verschwinden von Miteigentümer Georg Haub schwelt ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht beim Tengelmann-Konzern. Nachdem sein Bruder den Antrag auf Todeserklärung zurückzieht, kommen Gerüchte auf, der ehemalige Konzernchef sei noch am Leben.

Georg Haub wird seit dem 7. April 2018 vermisst.
© APA/AFP/dpa/ROLAND WEIHRAUCH

Köln – In den Streit bei der milliardenschweren Tengelmann-Eigentümerfamilie Haub kommt Bewegung. Tengelmann-Miteigentümer Georg Haub habe seinen Antrag zurückgezogen, den im April 2018 auf einer Bergtour verschollenen Bruder Karl-Erivan Haub für tot erklären zu lassen, berichtete ein Sprecher des Amtsgerichts Köln. Die gleichlautenden Anträge von Tengelmann-Chef Christian Haub und der Unternehmensgruppe Tengelmann würden dagegen aufrechterhalten.

Die Bild-Zeitung berichtet vom Schreiben eines Insiders, das „Informationen zum realen Umstand und Aufenthalt" von Karl-Erivan Haub geben soll. Demnach soll Haub ein Doppelleben in Russland geführt und mit einer Russin liiert gewesen sein. Der Zeitung zufolge könnte Georg Haub glauben, dass sein Bruder noch am Leben ist.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war am 7. April 2018 allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt in der Schweiz tödlich verunglückte. In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte daraufhin sein jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen.

Erbschaftssteuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe

Seit dem Verschwinden schwelt ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht bei dem milliardenschweren Handelskonzern. Im Oktober vergangenen Jahres hatten Christian Haub und sein Bruder Georg zusammen mit der Unternehmensgruppe beim Amtsgericht Köln beantragt, den Vermissten für tot erklären zu lassen. Ein Unternehmenssprecher sagte damals, Ziel sei es, klare und stabile Verhältnisse im Gesellschafterkreis sowie Sicherheit für die Unternehmensgruppe und ihre 90.000 Mitarbeiter zu erhalten. Mit dem Schritt der Brüder stieg aber auch der Druck auf Katrin Haub, die Ehefrau des Verschwundenen, sowie ihre Kinder, die Anteile ihres Familienstamms zu verkaufen. Schließlich müssen sich die Kinder auf Erbschaftssteuerzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe einstellen.

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Katrin Haub übte damals scharfe Kritik an den Plänen der Brüder des Verschwundenen. „Es ist sehr befremdlich, dass sich jemand Drittes anmaßt, solche Entscheidungen für unsere Familie treffen zu wollen", erklärte sie damals. Die Staatsanwaltschaft Köln plant nach Angaben eines Justizsprechers nach wie vor nicht, sich den Anträgen auf Todeserklärung anzuschließen.

Die Familie Haub gehört zu den reichsten Unternehmerfamilien Deutschlands. Zu ihrem Vermögen gehören milliardenschwere Beteiligungen etwa an der Bauhauskette Obi und dem Textildiscounter KiK. Auch bei zahlreichen Internetunternehmen wie Zalando oder Delivery Hero ist das Unternehmen engagiert. (dpa)


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