Corona trieb Arbeitslosigkeit im Tourismus drastisch in die Höhe

In der Tourismusbranche, die voraussichtlich noch bis mindestens Ende Februar stillsteht, sind aktuell rund 72.000 Menschen auf Arbeitssuche – rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Arbeitsminister Martin Kocher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
© HANS PUNZ

Wien – Im Tourismus steht seit November alles still. Der aktuelle Lockdown gilt für die Hotels und Gastro-Betriebe aus derzeitiger Sicht wahrscheinlich bis Ende Februar – bei den ersten Lockerungsschritten ab 8. Februar sind sie jedenfalls nicht dabei. Die triste Lage wirkt sich auch auf den Jobmarkt aus: In der Branche sind aktuell rund 72.000 Menschen auf Arbeitssuche – das sind um rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die aktuellen Daten des Arbeitsministeriums zeigen.

„Der touristische Arbeitsmarkt ist zur Zeit extrem schwierig", betonte auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag in einer Pressekonferenz. Das gilt für den Beherbergungsbereich ebenso wie für die Gastronomie und das Veranstaltungswesen. „Rund ein Drittel der krisenbedingt Arbeitssuchenden ist auf den Tourismus zurückzuführen", strich Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) hervor. Die über 70.000 Arbeitslosen im Tourismus entsprächen eine Anteil von etwa 16 Prozent an der gesamten Arbeitslosigkeit in Österreich. „Wir haben im Tourismus eine große Herausforderung", so Kocher.

Kurzarbeit stark genutzt, Fachkräftemangel droht

Doch auch da werde die Kurzarbeit stark genutzt. Derzeit würden in der Branche damit rund 130.000 Arbeitsplätze gesichert. Etwa 70 Prozent der unselbstständig Beschäftigten im Tourismus seien derzeit in Kurzarbeit. Das ist den Angaben zufolge rund ein Viertel aller Kurzarbeitenden in Österreich.

📽️ Video | Pressekonferenz zu Arbeitslosigkeit und Tourismus:

„Der Zugang 'Kurzarbeit statt Kündigungen' hat sich bewährt", sagte Köstinger. Allein im Bereich Beherbergung und Gastronomie habe das Instrument der Kurzarbeit 129.000 Arbeitsplätze „gerettet", hieß es aus dem Arbeitsministerium. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf null Prozent zu reduzieren, gilt vorerst bis Ende März. „Das bietet den Betrieben die Sicherheit, die Mitarbeiter halten zu können", so die Tourismusministerin. Eine Verlängerung steht bereits im Raum: „Heute finden auch Gespräche mit Sozialpartnern statt, um über Nachfolgemodelle zu verhandeln", berichtete die Ministerin.

Doch es geht nicht nur um das Erhalten von Arbeitsplätzen, sondern auch um das Zurückgewinnen von Arbeitnehmern für die Zeit nach der Krise – Stichwort Fachkräftemangel zum Beispiel bei Servicekräften, Köchinnen und Köchen. „Sehr viele haben die Branche in den vergangenen Monaten verlassen", räumte Köstinger ein. (APA)


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