Kein Vorreihen mehr: Landesregierung schärft die Impfstrategie nach

Nach unverständlichen Fällen von Bürgermeister-Impfungen und Vorreihungen gibt es massive Kritik an der Vorgehensweise in Alten- und Pflegeheimen.

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Weil bis zu sechs Impfungen aus einer Dosis möglich waren, wurden auch heimfremde Personen geimpft.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Die schwarz-grüne Landesregierung hat am Dienstag die Tiroler Impfstrategie nachgeschärft. Auch deshalb, weil bei den Impfungen in den Heimen Impfstoff übrig geblieben ist und dieser an heimfremde Personen verabreicht wurde. An Bürgermeister und Gemeindemitarbeiter. Gestern wurden weitere Fälle aus Tiroler Gemeinden bekannt, wo die Ortschefs eine Impfung erhielten. Einer davon ist Mühlbachls Ortschef Alfons Rastner: „Ich habe mich aber nicht vorgedrängt, alles war korrekt. Als Verbands­obmann des Heims bin ich dreimal wöchentlich im Altenheim.“ Trotzdem: Land und Bund trafen noch einmal Klarstellungen.

Für Landeshauptmann Günther Platter (VP) und Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) ist der Impfplan strikt einzuhalten. „Wenn Impfdosen in den Alten- und Pflegeheimen übrig bleiben, müssen sie all jenen Personen gegeben werden, die sie am dringendsten benötigen. Und das sind: alte Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und Gesundheitspersonal – sonst niemand“, betont Platter. Der vorgegebene Impfplan sei keine Orientierungshilfe, sondern eine Vorgabe, an die sich alle Beteiligten zu halten hätten, ergänzt Felipe.

Kritik an den jüngsten Vorkommnissen bei den Impfungen kommt von allen Parteien: Als „extrem unsolidarisch und unmoralisch gegenüber den Risikogruppen“ kritisiert der grüne Klubchef Gebi Mair die Vorreihungen. „Der holprige Impfstart und die vielen Unklarheiten, wann, wie und wo in Tirol geimpft wird, sorgen für großen Unmut in der Bevölkerung“, erklärt SPÖ-Gesundheitssprecherin Elisabeth Fleischanderl, Für FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger steht fest, dass das Chaos-Management der Platter-ÖVP „um eine weitere traurige Facette reicher ist“.

Es könne jedenfalls nicht sein, dass Verbandsfunktionäre, Bürgermeister und Verwaltungspersonal vorgezogen werden, wenn eigentlich noch genügend priorisierte Gruppen auf einen Impfstoff warten, findet Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider ebenfalls deutliche Worte.

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NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer fordert als Konsequenz ein Abgehen von der dezentralen Impfstrategie. „Wenn sich in Tirol nun die Bürgermeister bei Impfungen vordrängen, dann versagt die Impfstrategie, die der Bund an die Länder abgeschoben hat.“ (pn)

Rettungsdienst und Ärzte kommen früher dran

Die Covid-Impfungen in den Altenwohn- und Pflegeheimen sind bereits weitestgehend abgeschlossen, die Covid-Stationen in den Spitälern erhalten in Kürze weitere Impfdosen, um 3500 Personen durchzuimpfen. Bis Ende dieser Woche wird die Impfwilligkeit der über 80-Jährigen von den Gemeinden erhoben. Das Land hofft, dass durch die Zulassung des dritten Impfstoffs, von AstraZeneca, ab Ende Jänner eine flächendeckende Impfung erfolgen kann. Ansonsten wird je nach Infektionsgeschehen in den Gemeinden geimpft. „Dort, wo es mehr Corona-Infektionen und dadurch eine höhere Ansteckungsgefahr gibt, benötigt es dringend einen Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe“, betonen LH Platter und LHStv. Felipe.

Indessen wird bereits die Weiterführung der Phase eins der Tiroler Impfstrategie forciert: Kommende Woche sollen voraussichtlich auch je 300 Impfstoffdosen an Rettungsdienstmitarbeiter, den Sozialsprengel und die Behindertenhilfe ergehen. 400 Impfdosen sind für niedergelassene Ärzte sowie Zahnärzte vorgesehen.


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