Lehrerin mit Leib und Seele: Jill Biden als neue First Lady der USA

Als Nachfolgerin von Melania Trump wird Jill Biden einen neuen Stil ins Weiße Haus bringen. Die nächste First Lady will sich für viele Projekte einsetzen. Die volksnah auftretende Jill Biden will ihren Mann zudem auch öffentlich unterstützen – mehr als ihre Vorgängerin.

Jill Biden hat ihren Ehemann im Wahlkampf tatkräftig unterstützt.
© AFP/Watson

Washington – Jill Biden ist stolz darauf, Lehrerin zu sein. Das Unterrichten ist für die neue First Lady der USA mehr Berufung als Beruf: Die 69-Jährige will auch nach ihrem Einzug ins Weiße Haus daran festhalten. Damit könnte sie die erste First Lady werden, die neben den offiziellen Aufgaben noch eine Anstellung hat. Aus dem Weißen Haus will sie sich auch für Bildungsinitiativen und Lehrer im Besonderen stark machen. „Ich will, dass die Menschen Lehrer wertschätzen und ihre Leistungen kennen, um den Beruf zu fördern“, sagte Biden im vergangen Jahr dem Sender CBS.

Seit mehr als drei Jahrzehnten unterrichtet die promovierte Pädagogin unter anderem an Gymnasien und an öffentlichen Hochschulen, die in den USA günstiger sind und meist als weniger prestigeträchtig gelten. „Ich unterrichte viele Einwanderer und Flüchtlinge“, sagte sie CBS. „Ich liebe die Tatsache, dass ich ihnen auf ihrem Weg zum Erfolg helfen kann.“ Doch als First Lady will sich Biden nicht auf ein Thema beschränken. Sie will sich ebenso für Familien von Militärangehörigen, finanzunabhängigen Zugang zum Studium und für Krebsforschung einsetzen. Damit wird sie auch ihre Arbeit fortsetzen, die sie bereits als Second Lady angestoßen hatte, als ihr Mann Joe Biden (78) von 2009 bis 2017 unter Barack Obama Vizepräsident war.

Nicht distanziert wie Melania, sondern zugänglich und volksnah

Ins Auge sticht der Kontrast zwischen Biden und der scheidenden First Lady: Die 50-jährige Melania Trump, ein Ex-Model aus Slowenien, wirkt stets wie aus dem Ei gepellt – vor allem aber kühl und distanziert im Auftritt. Öffentlich spielte Melania, Trumps dritte Ehefrau, kaum eine Rolle. Jill Biden hingegen trat schon im Wahlkampf häufig mit ihrem Mann auf; auch alleine absolvierte sie Auftritte. Sie wirkte dabei meist zugänglich, spontan und volksnah. Im Wahlkampf machte Biden aber auch durch Entschlossenheit von sich reden, als sie bei einer Veranstaltung vor laufenden Kameras mit schnellem Reflex eine Störerin abwehrte, damit ihr Mann weiter sprechen konnte.

Während ihrer Zeit als Gattin des Vizepräsidenten stieß Biden auch gemeinsame Initiativen mit der damaligen First Lady Michelle Obama an. Nun wird sie Doug Emhoff, den Gatten von Vizepräsidentin Kamala Harris, an ihrer Seite haben. Der „Second Gentleman“, ein 56-jähriger Anwalt, trat bereits im Wahlkampf mehrfach mit Jill Biden auf. Berichten von US-Medien zufolge verstehen sich die beiden sehr gut.

Doug Emhoff, die künftige Vize-Präsidentin Kamala Harris, Joe und Jill Biden.
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Biden über seine Frau: „Der Fels in der Brandung"

Als die junge Jill Tracy Jacobs mit damals 26 Jahren Joe Biden kennenlernte, war dieser ein verwitweter US-Senator. Kurz nach Bidens Wahl 1972 waren seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi bei einem Autounfall getötet worden. Biden kümmerte sich alleine um seine beiden Söhne Beau und Hunter, die bei dem Unfall verletzt worden waren. Drei Jahre später traf er Jill, nach zwei weiteren Jahren heiratete das Paar. 1981 kam ihre gemeinsame Tochter Ashley zur Welt.

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2015 musste das Paar einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Beau Biden starb an einem Hirntumor. „Es verändert einen für immer, wenn man ein Kind verliert“, sagte Jill Biden. Joe Biden spricht häufig über seinen verstorbenen Sohn und die bittere Erfahrung, sein eigenes Kind begraben zu müssen. Gleichzeitig vergisst er selten zu betonen, wer die Familie trotz allem immer zusammenhält, nämlich seine Frau Jill, wie er im Wahlkampf sagte: „Sie ist die Liebe meines Lebens und der Fels in der Brandung unserer Familie.“ (dpa)


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