Kommentar zur Kitzbühel-Abfahrt am Freitag: Grenzgängergesellschaft

Der folgenschwere Sturz von Urs Kryenbühl sorgte für heftige Diskussionen in Kitzbühel.
© HELMUT FOHRINGER

Von Max Ischia

Auf die Frage, was Matthias Mayer Sorgen bereite, antwortete der Kitzbüheler Vorjahreschampion im TT-Interview vielsagend: „Dass ich mein Limit überschreite.“ Wohlwissend, dass der Weg zum Erfolg eine permanente Gratwanderung ist. Erst recht auf der mythenumrankten Streif. Dass mit Aleksander Aamodt Kilde, Thomas Dreßen, Steven Nyman oder Mauro Caviezel gleich reihenweise Kapazunder verletzungsbedingt in der Gamsstadt fehlen, ist gewissermaßen akzeptierte Realität einer erfolgsfixierten Grenzgängergesellschaft. Gestern detonierte der Schweizer Urs Kryenbühl mit Tempo 146 km/h nach dem Zielsprung. Jener Passage, die schon vielversprechende Karrieren (Scott McCartney, Daniel Albrecht) aus den Angeln gehoben hatte und seit dem Auftakttraining im Zentrum wiederholter Diskussionen stand. Die Verantwortlichen hatten die neuralgische Stelle wiederholt nach bestem Dafürhalten entschärft.

Nicht zuletzt Sieger Beat Feuz heizte freilich die Diskussionen an, ob die getätigten Maßnahmen auch die richtigen waren. Zuvor war Saisonsenkrechtstarter Ryan Cochran-Siegle in der Traverse ungebremst ins Netz geknallt. Jener US-Boy, der im Abschlusstraining noch mit Atemschutz und dunklem Brillenglas unterwegs war, um sich fürs Rennen noch Reserven zu schaffen. Noch Fragen?

Vielleicht jene, ob es zu verantworten war, dass man das Rennen trotz langer Unterbrechungen, aufkommender Windböen und flacherer Sicht bis Startnummer 30 durchpeitschte, um damit eine Wertung möglich zu machen? Sagen wir so: Mit FIS-Renndirektor Hannes Trinkl lag die Letztverantwortung bei einem ehemaligen Abfahrtsweltmeister, also bei einem ausgewiesenen Fachmann. Dass Trinkl nach dem 30. Fahrer dann doch die Reißleine zog, verdeutlicht nur, dass jede seiner Entscheidungen auf einem schmalen Grat fußte.

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