Lepra 150 Jahre nach Entdeckung des Erregers nicht ausgerottet

Ein Impfstoff ist, anders als beim Coronavirus, immer noch nicht auf dem Markt. 2020 sollten in Brasilien wichtige klinische Tests starten – doch dann kam die Pandemie dazwischen.

Von Lepra gezeichneten Hände, aufgenommen in einer Leprastation im indischen Jaipur. (Symbolfoto)
© Zentralbild/Ralf Hirschberger

Würzburg – Lepra ist fast 150 Jahre nach der Entdeckung des Erregers in vielen Ländern nicht ausgerottet. Anders als beim Coronavirus ist ein Impfstoff immer noch nicht auf dem Markt. 2020 sollten in Brasilien, wo die Krankheit sehr verbreitet ist, wichtige klinische Tests starten. Doch dann kam die Pandemie dazwischen.

Seit gut einem Jahr sind das neue Coronavirus SARS-CoV-2 und die damit verbundene Krankheit Covid-19 das Thema rund um den Globus. Andere Krankheiten wie Tollwut, Malaria, Ebola, Tuberkulose und viele mehr sind seit Beginn der Corona-Pandemie aus dem Fokus geraten, obwohl ebenfalls etliche Millionen Menschen von ihnen betroffen sind – vor allem jenseits der Industrienationen. Auch Lepra gehört dazu.

Abertausende zusätzliche Infektionen wegen Pandemie

Ausgangsbeschränkungen und Unterbrechungen in der Gesundheitsversorgung könnten in den nächsten Jahren zu Abertausenden zusätzlichen Infektionen führen, die es ohne Corona womöglich nie gegeben hätte, warnen Hilfsorganisationen weltweit. Medikamente fehlen vielerorts, coronabedingt kommt es zu Lieferengpässen. Gerade in ärmeren Ländern sei die Lage kritisch.

Lepra wurde schon in der Bibel erwähnt und an Mumien im alten Ägypten nachgewiesen. Lepra-Bakterien zerstören die Haut und die Schleimhäute und befallen Nervenzellen. Der Erreger Mycobacterium leprae wird wahrscheinlich per Tröpfcheninfektion übertragen. "Eine Berührung allein führt noch nicht zu einer Infektion, der Kontakt muss eng und längerfristig sein", erklärte Jenifer Gabel von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW). Die durchschnittliche Inkubationszeit betrage drei bis vier Jahre, manchmal aber auch bis zu 20 Jahre.

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Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung können erkranken

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete für das Jahr 2019 mehr als 200.000 Neuinfektionen weltweit. Die Statistik für das Jahr 2020 wird wahrscheinlich weniger Fälle aufweisen, glauben die Experten beim Hilfswerk. "Jedoch nicht, weil sich tatsächlich weniger Menschen infizieren, sondern weil coronabedingte Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Fallsuche zusätzlich erschweren."

Die Krankheit ist heilbar, aber etwa vier Millionen Menschen weltweit müssen mit teils schwersten Behinderungen leben – und mit Stigmatisierung. Nach Angaben des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) können nur fünf Prozent der Weltbevölkerung überhaupt erkranken, der Rest ist immun. Bei mehr als jedem zehnten Menschen wird die Krankheit so spät entdeckt, dass körperliche Schäden bestehen bleiben.

Seit rund 20 Jahren wird an einem Impfstoff gegen Lepra gearbeitet. In diesem Frühjahr soll es mit den klinischen Tests in Brasilien nach deren coronabedingten Verschiebung losgehen. Sollten sich die bisherigen Ergebnisse im Verlauf der Studie bestätigen, so die Experten, sei mit einer Zulassung des Impfstoffes 2025 zu rechnen – mehr als 150 Jahre nach der Entdeckung des Lepra-Erregers 1873. (APA/dpa)

Forscher entdeckten an Lepra erkrankte Schimpansen im Dschungel

In Afrika haben Wissenschafter bei wild lebenden Schimpansen Lepra nachgewiesen. Wie sich die Tiere im Dschungel infizierten, sei noch unklar, teilte die Deutsche Lepra-und Tuberkulosehilfe (DAHW) in Würzburg anlässlich des Welt-Lepra-Tages am 31. Jänner mit. Wahrscheinlich hatten die Affen aus Guinea-Bissau und der Elfenbeinküste nie Kontakt zu einem Menschen.

Dabei seien Forscher bisher davon ausgegangen, dass der Mensch das Hauptreservoir für den Lepra-Erreger ist und dass sich Tiere durch Kontakt zum Menschen infiziert haben, sagte DAHW-Sprecherin Jenifer Gabel. "Doch der Genotyp des Bakterienstamms, den wir in Stuhl-und Gewebeproben der betroffenen Affen in West-Afrika finden konnten, tritt beim Menschen äußerst selten auf", erklärte Wildtierexperte Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut. "Es müsste daher andere Quellen in der Tier- und Umwelt geben."

Lepra-Experte August Stich, Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin am Klinikum Würzburg Mitte, sagte: "Für die Bekämpfung der Lepra heißt das, wir dürfen uns nicht nur auf den Menschen fokussieren, sondern müssen das Tierreich mit einbeziehen."

Lepra ist eine Infektionskrankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befällt und diese zerstört. Das Bakterium (Mycobacterium leprae) wird wahrscheinlich per Tröpfcheninfektion übertragen. Genau weiß es die Wissenschaft aber auch fast 150 Jahre nach seiner Entdeckung 1873 nicht.

Dass Tiere Lepra haben können, ist seit Jahren bekannt. Der Erreger wurde beispielsweise bei Gürteltieren im Süden der USA gefunden. Ein internationales Forscherteam konnte vor zehn Jahren mit Hilfe von DNA-Analysen nachweisen, dass Menschen sich bei Gürteltieren mit Lepra anstecken können.

Lepra zählt damit zu den sogenannten Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die auf natürlichem Weg vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Aufmerksamkeit bekommen sie derzeit, weil bisherige Untersuchungen zum Coronavirus SARS-CoV-2 auf Fledermäuse als Ursprung hinweisen. Einen tierischen Ursprung haben etwa auch Ebola, Vogelgrippe oder HIV.


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