App „Clubhouse" auf dem Weg zum Massenprodukt – trotz grober Datenschutzverstöße

Bisher ist sie nur für iPhones verfügbar, aber der enorme Zulauf macht den Machern der Social-Media-Anwendung Clubhouse offenbar Lust auf mehr: Sie kündigen eine Android-Version an. Hinter dem raschen Wachstum steckt allerdings ein umstrittener Mechanismus.

Clubhouse ist eine Audio-App, bei der die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können.
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Berlin – Die Internet-Talk-App „Clubhouse" wächst rasant und ist nach Einschätzung von Experten auf dem Weg zum Massenprodukt. „Wir konzentrieren uns darauf, Clubhouse für die ganze Welt zu öffnen", kündigten die Unternehmensgründer Paul Davison and Rohan Seth kürzlich an. Verbraucherschützer sehen dies allerdings mit Sorge – sie werfen Clubhouse Verstöße gegen Datenschutzregeln vor.

Mit Hilfe frischen Kapitals von mehr als 180 Investoren wollen die Clubhouse-Gründer den Wert des Unternehmens auf fast eine Milliarde US-Dollar (820 Millionen Euro) steigern. Mittelfristig dürften wohl auch die Nutzerinnen und Nutzer zur Kasse gebeten werden, auf welche Weise genau, ist noch offen.

Erst Anfang vergangenen Jahres war die erste Test-Version der App auf den Markt gekommen, seither hat die Zahl der Nutzer massiv zugenommen. Noch im vergangenen Mai war deren Zahl mit lediglich rund 1500 angegeben worden, inzwischen sind es fast zwei Millionen mit schnell steigender Tendenz. Die App steht bei Apple in der Rubrik soziale Netzwerke derzeit auf Platz eins der Downloads. Auf Android-Geräten steht Clubhouse bisher nicht zur Verfügung.

Android-Version in der Mache

Das Geschäftsprinzip beruht auf einer Mischung aus Offenheit für lockere Gespräche mit Freundinnen und Freunden oder interessanten Menschen rund um die Welt einerseits und einem Hauch von Exklusivität andererseits. Erreicht wird dies durch ein Einladungsprinzip: Bei Clubhouse mitreden kann nur, wer von einem bestehenden Nutzer eingeladen wird – der wiederum vorerst nur höchstens zwei Einladungen an andere verschicken darf.

Wer es geschafft hat, den Zugang zu ergattern, der kann sich in virtuelle Räume begeben und dort per Audio-Signal real mit anderen dort Anwesenden sprechen. Ein Video-Signal ist nicht vorgesehen. Tausende solcher Räume stehen dafür zur Verfügung. Der Ausschluss der Android-Nutzer liegt dem Unternehmen zufolge an technischen Gründen und soll, wie es heißt, möglichst bald beendet werden. Man werde „bald mit der Arbeit an der Android-App beginnen und weitere Funktionen für Barrierefreiheit und Lokalisierung hinzuzufügen, damit Menschen auf der ganzen Welt Clubhouse auf eine Art und Weise erleben können, die sich für sie vertraut anfühlt", schrieben die Firmengründer in einem Blogeintrag.

Unterdessen werde man sich darum kümmern, technische Probleme bei den Servern wegen des großen Nutzer-Zulaufs in den Griff zu bekommen. „Ein großer Teil einer neuen Finanzierungsrunde wird in die Technologie und Infrastruktur fließen, um das Clubhouse-Erlebnis für alle zu skalieren, sodass es immer schnell und zuverlässig ist, unabhängig davon, wie viele Leute teilnehmen."

Umstrittene Verbreitungsmethode

Auf ganz andere Probleme weist Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen hin. Denn für die virale Verbreitung setzt Clubhouse auf eine umstrittene Methode, die bereits Grundlage des rasanten Wachstums von WhatsApp war. Nachdem man die App installiert und die Einladung aktiviert hat, verlangt die App Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte-Adressbuch des verwendeten iPhones. Diese Praxis wurde bei WhatsApp von Datenschützern in Europa heftig kritisiert, weil die Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden.

„Durch den Zugriff der App auf sämtliche gespeicherte Kontakte besteht die Gefahr, dass Schattenprofile erstellt und zu Werbezwecken genutzt werden", warnt Oelmann. Dies sei aber laut Datenschutz-Grundverordnung unzulässig, da die Betroffenen nicht vorab über die Nutzung ihrer persönlichen Daten informiert würden.

Gespräche werden aufgezeichnet

Zudem können bei Clubhouse der Verbraucherzentrale zufolge alle Gespräche aufgezeichnet werden, wenn beispielsweise während des Live-Gesprächs ein Regelverstoß gemeldet wird. „Wer dann aber Zugriff auf die Gesprächsinhalte bekommt und wer und wann über die Löschung der Gespräche entscheiden wird, bleibt im Dunkeln", kritisiert Oelmann. Darüber hinaus sammele Clubhouse auch Nutzungs-Daten zur Erstellung eines Kommunikationsprofils.

Welche Daten genau für welche Zwecke erhoben und verarbeitet werden, bleibe dabei offen, werfen Kritiker dem Unternehmen weiter vor. Die Verbraucherzentrale Bremen kommt zu dem Schluss: Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie die Nutzung von Clubhouse mit der Preisgabe ihrer persönlichen Daten sowie der ihrer Familie, Freunde und Bekannten bezahlen. (APA/AFP, dpa)


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