Gönnjamin Blümchen brünftelt drauf los: Das war die zweite „Bachelor"-Folge

Woche zwei und der „Bachelor" gönnt sich schon ein Date nach dem anderen – alle elf Minuten würde er gerne eine andere betätscheln. Im blümchenjagenden Balzreigen regiert daher bereits jetzt die wallende Mimissgunst. Die eine verliert ihren Fuß, die andere den Boden unter den Füßen. Und dann wäre da ja noch das lehrreiche Instagram-Gate. Eine TV-Kritik.

Mimi verschließt gerne mal die Augen vor der Realität.
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Von Tamara Stocker

Innsbruck – Die gute Nachricht zuerst: Wir haben die erste Folge überstanden. Die schlechte: Sieben kommen noch. Aber wie sagt man heutzutage so schön? „Die nächsten Wochen werden entscheidend sein." Entscheidend dafür, ob diese Staffel noch unangenehmer wird als die vorherige – oder Rosenkrautkavalier Niko Griesert tatsächlich Schwiegermuttis Liebling bleibt. Denn wenn das so weitergeht, wird jeder bald jemanden kennen, der den „Bachelor" gar nicht so übel findet. Wo kämen wir denn da hin?

In Woche zwei lässt er sich immerhin schon mal zu einer ersten Straftat hinreißen. Zumindest, wenn es nach Fauchfürstin Mimi geht, die schon argusäugend mit den Krallen wetzt. Der Typ besitzt nämlich die Frechheit, nicht nur sie, sondern auch noch andere Frauen zu daten. WIE BITTE? Wie kann er nur. Aber der Gute gönnt sich halt. Die „Knallerfrauen" (sic!), die RTL ihm da angekarrt hat, machen es ihm auch wirklich nicht einfach. „Die sind halt echt natürlich", bilanziert er und ich bin mir nicht sicher, ob wir eh die gleiche Sendung schauen. Zwischen all den verformten Fertigteilnasen und stülpigen Spritzschnuten gibt's eigentlich wenig, das noch ökologisch abbaubar ist. Aber gut. Was zählt ist, dass sich Frau wohl in ihrem Körper fühlt.

Hängen über dem Hauptstadt-Himmel

Praktisch auch, dass das diesjährige Dirnendomizil wie eine Privatklinik für Busen-OPs aussieht. Also wie das Weiße Haus, nur halt auf Wish bestellt. Und freilich quillt das Pampasgras aus allen lammfelldeckendekorierten Altbauritzen heraus. Hach. Es geht doch nichts über ein natürliches Insthabitat für die weißgebissigen Werbezecken von morgen. Da darf man auch ruhig mal vor Freude quieken wie eine Horde Ferkel bei der Kastration.

Will ja nix sagen, aber da sitzt ein Spanner in der Sauna.
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Kaum sind die Gehege unter diesem gackernden Gegelle abgesteckt, wird die gockelgeile Ober-äh-Zicke Mimi aka „Michelle G-Punkt" auch schon zur ersten privaten Beschnupperungsaudienz geladen. Und da zeigt ihr Niko gleich mal, wie bodenständig er ist. Er will nämlich nur ein bisschen mit ihr abhängen. 125 Meter über dem Boden. Und sich dann einfach mal fallen lassen. Übersetzt heißt das: Mimi soll abnippeln.

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Ich könnte mir ja echt nichts Romantischeres vorstellen, als in der pastellfarbenen Abenddämmerung Berlins in 125 Metern Entfernung zu meinem Lover nacheinander von einem Hochhaus zu springen. Immerhin ist dieses „Bodyflying" mal wieder eine Aktivität, bei der man sich unfassbar gut kennenlernen kann. Oben am Abgrund sind die Gespräche dann auch besonders tiefgründig: „Oh mein Gott, ich kotze gleich." Tja. Abseilen beim ersten Date ist halt nicht jedermanns Sache.

Der letzte „Bachelor", der so tief gesunken ist, war im Sommerhaus.
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Mimi will bei ihm landen

Aber Dank Nikos gutem Zuspruch in motivierendster Merkel-Manier („Du schaffst das schon!") und seiner äußerst modernen Gedankenspieltaktik aus dem Jahr 1955 („Ich muss ihr zeigen, dass es nicht gefährlich ist“) traut sich Mimi dann doch und springt ihrem Niveau im Sinkflug entgegen. „Das war ganz, ganz schlimm. Oh Gott, das war so schlimm." – Sätze, die man beim ersten Date unbedingt hören möchte.

Wenn dein Lover den Jochen-Schweizer-Erlebnisgtschein für Paare wirklich einlösen möchte.
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Damit mausert sie sich zur Haushochfavoritin: „Sie ist schon eine sehr, sehr mutige Frau. Ich mag sie. Wenn ich sage ich mag sie, heißt das, dass sie definitiv im Kopf rumschwirrt". Joa. Oder, dass du sie halt bumsen willst. Und nach erstem Knie-Getätschel und Mutantrinken beim anschließenden Sofa-Schampus-Schnack fackelt er dann wirklich nicht lange: „Ich hab noch was für dich. Mach mal kurz die Augen zu." OK. Er wird doch wohl nicht ... oder doch ... bitte nicht. WAS? Puh. Gott sei Dank. Der Hosenstängel bleibt drin. Stattdessen beglückt er Mimi mit einen Rosenstängel, die auf dem Heimweg gleich noch beim Standesamt anruft und ihr Ehegelübde verfasst.

Die Körbe vom „Bachelor" hatten auch schon mal mehr Stil.
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Wenig verwunderlich, dass die restlichen Kandidatinnen am nächsten Tag einen Korb vom „Bachelor" bekommen. Oder ist das doch ein Katzenklo, das da vor der Tür steht? Die Angraberinnen dürfen darin jedenfalls nach ihren Namen buddeln – aber bevor es für die acht Auserwählten zum Gruppendate auf den Indoor-Strand geht, muss Hannah in dem ganzen Saustall noch ihren Fuß finden. Den hat sie nämlich als Kind beim Rasenmähen verloren. Aua. Habe ich da etwa gerade zum ersten Mal in elf Staffeln beim „Bachelor" etwas gefühlt?

Anders als für Hannahs Ex-Gspusis ist die Fußprothese für Niko kein No-Go. Und an dieser Stelle muss ich mal kurz betonten, wie abstoßend ich die Tatsache finde, dass es Männer zu geben scheint, die eine Frau nicht wollen, weil sie keine High Heels tragen kann. Hey, ihr Nasen: Es soll auch Frauen ohne Handicap geben, die sich dieser Fußfolter schon aus Prinzip nicht hingeben wollen und einem schmerzfreien Leben in Sneakers frönen. Verrückt, oder?

In dem Chaos kann man schon mal seinen Fuß verlieren.
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Strand- und Meerfeeling mal anders

Und es soll auch Frauen geben, die Beachvolleyball in Ausgehgarderobe spielen. Mit Taillengürtel, Lederjacke und High-Waist-Hose stehen die Trullas da im Sand wie eine Gruppe Volksschulkinder, die ihre Turnbeutel daheim vergessen hat. Niko baggert, was das Zeug hält und lädt Nadine und Michèle Ohne G-Punkt anschließend noch zum pritschnassen Prunkmahl auf einer im Pool platzierten Plexiglaspattform ein. Also auf gut Deutsch: Da steht ein Tisch in einem abgeranzten Schwimmbecken. Im Hallenbad. Geil! Dort dinieren, wo andere Lulu machen. Ein Träumchen. Ich kann den romantischen Duft von Chlor, Schweiß und Pommesbratfett förmlich riechen.

Wenn Strand und Meer wegen Corona nicht drin sind, muss halt das Schwimmbecken herhalten.
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Verduften darf dann aber zunächst einmal Bodenseetante Nadine, nachdem sie sich mit Michèle einen Redewettbewerb geliefert hat, wer denn jetzt die Sportlichere von ihnen ist. Man kennt's. Und Michèle und Niko kennen sich ja – wie in Folge 1 festgestellt – auch schon. Von Instagram. Kennt man auch. Wobei ... die einzigen Personen, die in meine DMs sliden, sind irgendwelche Bots, die mich zur Gruppe „FREE iPhone Give Away Sexy" hinzufügen.

Niko liegt Bildung am Herzen

Wenn dich schon wieder so ein Creep fragt, ob du zum Lernen kommen willst.
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Apropos sexy: Niko findet Michèle im real Life so toll, dass er sie beim Planschen prompt in Komplimenten ertränkt. Und wie sich herausstellte, ging es zwischen den beiden bereits im Chatfenster heiß er. Zumindest war Niko auch dort schon heftigst am tastaturteln – und Michèle lässt die Welt nun an seinen furiosen Flirtkünsten teilhaben: „Ich glaube, ich war in der Prüfungspahse und dann hast du gesagt: ,Ja, du kannst doch auch bei mir lernen'." OK. Wie bitte??? Sie hätte bei ihm „lernen" respektive ihren Kopf in seinen Intimbereich bewegen können? Wie konnte denn bitte aus so einem Angebot keine Beziehung werden? Ist doch mindestens so kreativ wie: Du gehst Duschen? Ohne mich? ;)

Kein Wunder, dass Nikos Möchtesoooogern-Verlobte Mimi da eifersüchtig ist. Die Herzrivalin ist der Rosenjägerin nämlich ein Dorn im Auge. „Ich finde das fake. Wenn doch alles so prima ist, warum hat's dann damals nicht geklappt, als sie geschrieben haben? Jetzt ist er aber der ,Bachelor', jetzt findet sie ihn toll." STIMMT! Alles ihre Schuld. Völlig unvorstellbar, dass es vielleicht ja an ihm lag. Und sie nicht auf sein läppisches Lustgemolche eingegangen ist, er sich nicht mehr gemeldet hat und dann halt eine andere zum Lernen gekommen ist. Aber Michelle G-Punkt bleibt ihrer Mimimissgunst treu und ärgert sich weiter so sehr über ihre Namensvetterin und all die lästigen lästereiaufzeichnenden Kameras, dass sie erst mal lecker Herpes bekommt. Karma.

Die Baby-Bombe ist geplatzt

Tags darauf scharrt das nächste Gruppendate-Gespann schon aufgeregt mit den Hufen. Beim Speed-Dating im Touri-Bus dreht der „Bachelor" am Glücksrad und stellt die ganz wichtigen Fragen: „Und, wie sieht deine Körpertemperatur so aus?" Bei Anna eher schlecht, weshalb Sankt Nikolaus sie kurzerhand in seine Schuhe schlüpfen lässt. Später reibt er ihr beim Bootschippern auf der Spree auch noch die frostigen Hände warm. Die 30-jährige Anna, die sich, angesprochen auf den keifenden Konkurrenzkampf, schon als Gönnjamin geoutet hat, bleibt ihrem Credo treu: „Danke, dass du mich ausgewählt hast, dann gönnen wir uns jetzt einmal."

Anna gönnt sich erst mal ein Speed-Date mit dem „Buschelor" – im Brasilien-Trikot.
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Das hat er sich als 20-Jähriger wahrscheinlich auch gedacht, als er eine 19-jährige Amerikanerin geschwängert hat. Seine neunjährige Tochter lebt jetzt am anderen Ende der Welt. Diese Bombe lässt er im Gespräch mit Anna erstmals platzen – und die reagiert vollkommen angemessen: „Das ist schon krass. Ich hab ja einen kleinen Hund, auch mit 21 bekommen." Gemeinsame Schicksale. So wichtig.

Natürlich ist Mimimi über die frohe Kindeskunde nur mäßig begeistert. „Ich hätte aber gerne Babys, die aussehen wie er und ich", schmollt die scheinverlobte Herpesgeplagte in ihrem Griesert-Groll – und ich? Ich hab' mich gerade beim Augenverdrehen verrenkt.

Gieriges Grabbeln am „Bachelor"-Basar

Und als stünden Mimis Blitzhochzeit mit dem „Bachelor" nicht schon genug Tusneldas im Weg, kommen pünktlich zur Nacht der Rosen nochmal zwei neue dazu: Linda, die „keine Macken" hat, aber trotzdem erst mal gepflegt aus dem Auto stolpert und Denise, die nicht zwinkern kann und auch sonst keinen Talente zu haben scheint. Die Nachzüglerinnen waren noch in Quarantäne, oder wie es Niko formuliert: „Es tut mir so leid, dass ihr noch in der Schutzzeit wart!" Ja, mein Beileid. Jetzt seid ihr vor Mimis Giftpfeilen nicht mehr sicher.

Zum Abschuss freigegeben ist am Entscheidungsabend auch der Gejagte selbst. Niko mutiert zur fragenumwobenen Ansprechbar und ist gefragter als ein Dixi-Klo auf einem Openair-Festival. Und länger als auf einem solchen sitzen die Damen auch nicht neben ihm, weil immer jemand kommt, der viiiiel dringender (reden) muss. Ganz dringend nach Hause will wenig später Namensschmeckerin Maria, die dem „Bachelor" – ebenso wie Bodenseetante Nadine – doch nicht so gemundet hat, und sich nicht einmal von ihm verabschieden will: „Da kann ich drauf verzichten, alles Gute!" Tja. Wir aber nicht – in der nächsten Folge wird schließlich endlich gefummelt und ordentlich gefetzt.

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