Auch 20-jährige Armenierin und ihr Bruder (16) wurden abgeschoben

Auch eine junge Armenierin und ihr Bruder waren unter den Jugendlichen und Kindern, die am Donnerstagmorgen aus der Zinnergasse in Wien weggebracht wurden.

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Ein Demonstrant und Polizeieinheiten bei der Auflösung der Kundgebung gegen die Abschiebung am Donnerstag in Wien.
© APA/Glanzl

Wien – Unter den Schülerinnen, die am Donnerstag aus Wien abgeschoben worden sind, hat sich eine junge Armenierin befunden, die im Mai 2016 als Minderjährige nach Österreich gekommen war und die demnächst an einer Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe die Matura ablegen hätte sollen. Gemeinsam mit der 20-Jährigen wurden laut Eva Velibeyoglu, der Anwältin der Familie, auch die Eltern sowie der 16 Jahre alte Bruder der Schülerin außer Landes gebracht.

Der 16-Jährige befürchte nun, dass er in Armenien zum Wehrdienst eingezogen wird und damit sein Leben in Gefahr steht, sagte Velibeyoglu im Gespräch mit der APA. Armenien war im Vorjahr mit Aserbaidschan in einen Krieg um die Region Berg-Karabach verwickelt, der zumindest 4700 Menschenleben gekostet haben dürfte. Der Bursche war mit seinen Eltern im November 2013 als Zehnjähriger nach Österreich gekommen. Er legte die Hauptschule ab und besuchte zuletzt die zweite Klasse einer Fachschule, die er im kommenden Jahr abschließen hätte sollen. Seine ältere Schwester, die drei Jahre später nachgeholt wurde, wollte nach der Matura in Österreich Jus studieren. Zu Armenien hätten die Geschwister „jegliche Kontakte verloren", meinte Anwältin Velibeyoglu Freitagmittag.

Anwältin: „Gut ausgebildete, bestens integrierte Leute"

Die Familie war auf Basis eines rechtskräftigen letztinstanzlichen Asylbescheids am vergangenen Montagabend in ihrer Wohnung in Wien-Favoriten von der Fremdenpolizei festgenommen und ins Abschiebezentrum in der Zinnergasse gebracht worden. Am Donnerstag wurden sie außer Landes geschafft. Der Vater soll sich zuletzt infolge einer Erkrankung in Therapie befunden haben, seine Frau hatte einen Arbeitsvorvertrag in der Tasche.

Zum Zeitpunkt ihrer Abschiebung war beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eine Beschwerde gemäß Artikel 144 B-VG gegen den Bescheid des Bundesverwaltungsgerichts anhängig. Wie Velibeyoglu der APA berichtete, habe der VfGH der belangten Behörde – dem Bundesverwaltungsgericht – eine einwöchige Frist zur Stellungnahme ihrer Beschwerde eingeräumt. Dessen ungeachtet und obwohl der Antrag an den VfGH mit der Bitte um eine aufschiebende Wirkung verbunden war, sei die Familie nach Tiflis gebracht worden. „Hier werden gut ausgebildete, bestens integrierte Leute einfach abgeschoben", stellte Velibeyoglu fest. (APA)

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