Lockerungen des Lockdowns stehen bevor: Beratungen laufen noch

Die Regierung hat am Montagvormittag mit Experten ihren Gesprächsreigen gestartet, der eine Rückkehr des Präsenzunterrichts und eine Öffnung des Handels als Folge haben dürfte.

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Gesundheitsminister Rudolg Anschober (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne, v.l.) trafen sich am Montag mit Experten zu Beratungen über Lockerungen des Lockdowns im Bundeskanzleramt in Wien.
© APA/BKA/DRAGAN TATIC

Wien – Die Lockerung des Lockdowns ist auf dem Weg. Die Regierung hat am Montagvormittag mit Experten ihren Gesprächsreigen gestartet, der eine Rückkehr des Präsenzunterrichts und eine Öffnung des Handels als Folge haben dürfte. Später wird auch noch mit Opposition und Landeshauptleuten konferiert. Verschärfungen dürfte es bei der Einreise geben.

Bei den Experten, die heute Vormittag ins Kanzleramt geladen waren, handelt es sich um schon bekannte Namen. Das Quartett bestand aus der Virologin Dorothee von Laer, dem Virologen Andreas Bergthaler, Uni Wien-Vizerektor Oswald Wagner und Herwig Ostermann von der Gesundheit Österreich GmbH.

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Die genauen Details der Lockerungen sind noch unbekannt, fix zu sein scheint aber, dass die Schulen wieder Unterricht vor Ort anbieten und dass der Handel auch außerhalb der Produkte des täglichen Bedarfs wieder seine Dienste anbieten kann. Dazu werden Friseure wieder zur Schere greifen dürfen.

Wunsch-Wert bei Neuinfektionen nicht erreicht

Dies alles kommt, obwohl das Ziel von rund 700 Fällen pro Tag trotz Lockdowns bei weitem nicht erreicht wurde und es angesichts der seit Wochen stagnierenden Zahlen unwahrscheinlich ist, dass der Wunsch-Wert bis zum Ende der Woche erreicht wird. Heute verzeichnete man beispielsweise über 1100 Neuinfektionen, obwohl Montage und Sonntage stets die geringsten Werte haben.

Als Grund, warum die Zahlen nicht wie erhofft nach unten gehen, wird neben den infektiöseren neuen Corona-Varianten genannt, dass sich die Menschen immer weniger an die Regeln halten. Insofern gibt es die Hoffnung, dass mit einer gewissen Lockerung auch eine quasi emotionale Entspannung in der Bevölkerung eintritt.

Zudem will man auf Bedenken von Experten eingehen, wonach vor allem Kinder und Jugendliche durch die eingeschränkten Möglichkeiten, Gleichaltrige zu treffen, immer stärker mit psychischen Problemen konfrontiert sind. Die Bundesjugendvertretung appellierte folgerichtig heute an die Bundesregierung, die psychosozialen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Kinder und junge Menschen keinesfalls außer Acht zu lassen. Die Öffnung der Schulen und der Zugang zu Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit müsse Priorität haben.

Dass Friseure aufmachen, ist fix

Eine blinde Öffnung wird es jedoch nicht sein. Diskutiert wird, die FFP2-Pflicht noch einmal zumindest auf ältere Schüler auszuweiten - allenfalls auch beim Personal in Kindergärten. Offen sind diverse Organisationsfragen den Unterricht an den Schulen betreffend. So wird dem Vernehmen nach überlegt, in den Volksschulen auf Schicht-Unterricht zu verzichten. Angesichts der jetzt schon ziemlich vollen Schulen könnten sonst mit dem Nebeneinander von Unterricht und Betreuung Platzprobleme entstehen. Freilich, damit gäbe es in den Volksschulen den gleichen knappen Abstand zwischen den Schülern wie bisher. Helfen könnte eine Test-Verpflichtung.

Beim Handel ist die Frage, inwieweit der im Alltag relativ neu geltende Zwei-Meter-Abstand auch auf die Zahl der in den Geschäften zugelassenen Personen Auswirkungen haben wird. Dass Friseure aufmachen, ist fix. Ob dies auch für andere körpernahe Dienstleister gilt, die vielleicht weniger dringend gebraucht werden, war vorerst noch unter Verschluss. Im Kulturbereich werden sich wohl nur Museen und Bibliotheken Hoffnung auf Öffnung machen dürfen.

Verschärfungen bei der Einreise

Verschärfungen dürfte es bei den Einreisen geben. In Diskussion sind Landeverbote für Staaten mit besonders hohen Inzidenzen. Aktuell wäre hier beispielsweise Portugal ein heißer Kandidat. Pendlern könnten verpflichtende Corona-Tests bevorstehen. Zudem könnte die Möglichkeit des Freitestens nach anderen Einreisen fallen. (TT.com, APA)


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