NS-Lager-Denkmal Reichenau soll neuen Standort bekommen

Mit einer Verlegung des Denkmals soll ein würdigeres Andenken an das ehemalige Arbeitserziehungslager ermöglicht werden, in dem mindestens 140 Menschen zu Tode kamen.

Bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Gestapo-Lagers Reichenau wurde vergangene Woche auch über eine Verlegung des Denkmals diskutiert.
© Jenewein

Innsbruck – Eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis in unmittelbarer Nähe zum städtischen Recyclinghof – ein Umstand, der vergangene Woche anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus einmal mehr für Kritik sorgte. Von mehreren Seiten wurde der Wunsch geäußert, das Denkmal an das ehemalige NS-Arbeitserziehungslager Reichenau an einen anderen, würdigeren Ort zu versetzen.

Die Vorbereitungen dazu laufen, wie die Stadt am Montag in einer Aussendung mitteilte. „Der Wunsch nach einem passenderen Ort für den Gedenkstein ist nachvollziehbar und legitim. Wir werden als Stadt unseren Teil dazu beitragen, um eine Verbesserung des Ist-Zustandes zu erreichen“, kündigte Bürgermeister Georg Willi (Grüne) eine denkmalrechtliche Prüfung an. Eine mögliche Option liegt bereits auf dem Tisch. „In der Nähe des momentanen Standortes gibt es beispielsweise eine städtische Grünfläche an der Innpromenade. Diese könnte sich als neuer Standort eignen“, meinte Willi.

Fachkommission soll Vorschläge erarbeiten

Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) bat in der Sache allerdings um Geduld. „Das würdige Gedenken an das NS-Lager Reichenau steht bereits auf unserer Agenda. Dieses Projekt ist jedoch von einer viel größeren Tragweite als alle bisher umgesetzten, weshalb eine gründliche Vorbereitung und wissenschaftliche Begleitung notwendig sind“, erklärte die Stadträtin. Zu den bereits umgesetzten Projekten zählen etwa die Gedenktafel für die Aktivistin Diana Obexer-Budisavljević, die Umbenennung einer Bushaltestelle in der Reichenau sowie die Aberkennung der Ehrungen von Burghard Breitner.

Der nächste Schritt soll nun eine wissenschaftliche Studie bzw. die Einrichtung einer Fachkommission sein. Ziel sei die Kontextualisierung des Denkmals Reichenau sowie die Erarbeitung von Vorschlägen für einen neu zu schaffenden Erinnerungsort, hieß es in der Aussendung. „Wir haben sehr gute Historikerinnen und Historiker an der Universität Innsbruck, die das in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und unter Einbindung des städtischen Kulturausschusses machen können“, so Schwarzl. „Wir sind uns unserer historischen Verantwortung bewusst. Die Aufarbeitung der Geschichte des Lagers Reichenau ist ein bedeutsamer Bestandteil des städtischen Gedenkens“. Das Thema soll in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses besprochen werden. (TT.com)

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