Tests, Schichtbetrieb und Maskenpflicht: Das heißen die neuen Regeln für Schulen

Lange mussten Schulen gänzlich auf Distance Learning umstellen. Nun wagt die Regierung trotz noch immer hoher Infektionszahlen eine vorsichtige Öffnung. Damit diese jedoch nicht die Zahlen explodieren lässt, gibt es Begleitmaßnahmen.

Volksschüler können wieder vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren, müssen sich dafür aber zweimal pro Woche testen lassen.
© HERBERT NEUBAUER

Wien – Die ab den Semesterferien geplanten neuen Regeln für die Schulen werden vorerst bis Ostern gelten. Das kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Dienstag an. Die Volksschüler kehren an allen fünf Tagen der Woche zurück, die anderen im Schichtbetrieb. Eine Teilnahme am Präsenzunterricht ist allerdings nur mit negativem Selbsttest an der Schule möglich – auch das Tragen einer FFP2-Maske befreit davon nicht.

Man öffne die Schulen mit einem Sicherheitskonzept und "mit größter Vorsicht", betonte Faßmann. "Wir holen den Präsenzunterricht zurück, aber nicht mit Hurra und Blauäugigkeit". Die Infektionszahlen seien nicht dort, wo sie sein sollten, auch die Mutationen wären nicht zu unterschätzen. "Wir wollen vermeiden, dass wir die Schulen nach zwei bis drei Wochen wieder sperren müssen."

📽️ Video | Neuer Schulbetrieb bis Ostern: Masken, Tests, Schichtbetrieb

Nasenbohrtests unter Aufsicht der Lehrer zweimal pro Woche

In der Volksschule wird an allen Tagen der Woche im Normalbetrieb unterrichtet. "Alle anderen Modelle bringen keinen wirklichen Gewinn", so Faßmann. Jeweils am Montag und Mittwoch werden die Schüler per Nasenbohrertests in der Schule unter Aufsicht der Lehrer getestet. Beim ersten Mal können Eltern auf Wunsch mit dabei sein – als Orte kommen dabei etwa ein Freibereich, der Turn- oder Festsaal in Frage. "Wer nicht möchte, dass sein Kind getestet wird, der lässt es zu Hause, im Homeschooling", so Faßmann. Die Schüler müssen dabei den Stoff selbstständig erarbeiten, können aber bei Bedarf von vom Unterricht freigestellte Pädagogen (etwa schwangere Lehrerinnen) unterstützt werden. Diese Regelung habe man von Juristen überprüfen lassen.

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Die Volksschüler müssen im Schulgebäude grundsätzlich einen Mund-Nasen-Schutz tragen, an ihrem Platz in der Klasse dürfen sie diesen abnehmen. Das 48-Stunden-Zeitfenster zwischen den Tests wird am Freitag überschritten – das bringe ein "kleines, erhöhtes Risiko", meinte Faßmann. Dieses sei aber kalkulierbar – Volksschulkinder hätten im Vergleich zu älteren Kindern weniger Sozialkontakte außerhalb des Unterrichts.

📽️ Video | Reaktion der Opposition

Schichtbetrieb in Sekundarstufen, Tests und MNS-Pflicht

In der Sekundarstufe 1 (va. Mittelschule, AHS-Unterstufe) gibt es einen Schichtbetrieb mit zwei gleich großen Schülergruppen. Am Montag und Dienstag ist die Gruppe A in der Schule, am Mittwoch und Donnerstag die Gruppe B. An den jeweils anderen Tagen sind Arbeitsaufträge zu erledigen, auch hier kann man sich bei Bedarf von freigestellten Lehrern helfen lassen. Möglich ist auch eine Art hybrider Unterricht – also das Übertragen des Präsenzunterrichts auch für die Schülergruppe daheim via Internet.

Auch an den Unter- und Oberstufen wird Montag und Mittwoch getestet. Am Freitag steht dann wie bisher Distance Learning für alle am Programm – also etwa ebenfalls mit Arbeitsaufträgen oder auch mit Video-Unterricht nach Stundenplan. In der Woche darauf beginnt dann die Gruppe B. Die Unterstufenschüler müssen auch im Unterricht am Platz einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Oberstufenschüler brauchen eine FFP2-Maske.

Auch Schularbeiten und Tests sollen weiter durchgeführt werden

Schularbeiten und Tests können grundsätzlich abgehalten werden. Auch der Stundenplan bleibt aufrecht – es kann also auch Turnunterricht und Musik stattfinden, allerdings mit den bisherigen Einschränkungen (keine Kontaktsportarten, kein Singen). Im Unterstufenbereich wird es an den Tagen, an denen die Kinder nicht in der Schule sind, wie bisher Betreuung geben. Diese sei (im Unterschied zu den Volksschulen) aber nur in geringem Ausmaß in Anspruch genommen worden, so Faßmann.

Lehrer müssen sich laut ihrer Berufsgruppenregelung einmal pro Woche testen lassen. Man strebe aber auch für sie einen zweiten Test an der Schule an, so Faßmann. Im Unterricht gelten weiter die Berufsgruppenregeln: Getestete Pädagogen dürfen laut derzeitigen Plänen auch weiterhin mit Mund-Nasen-Schutz unterrichten, ungetestete brauchen eine FFP2-Maske.

Im Kindergartenbereich will das Bildungsministerium die Länder bei der Beschaffung von Tests für die Elementarpädagoginnen unterstützen.

Eltern und Lehrer freuen sich über Rückkehr des Präsenzunterrichts

Eltern und Lehrer haben auf den Plan, Schüler nach den Semesterferien wieder in die Klassen zurückzuholen, erfreut reagiert. Weniger Einigkeit gibt es bei der konkreten Ausgestaltung: Nur Kinder und Jugendliche, die in der Schule einen Antigen-Selbsttest durchführen, dürfen am Präsenzunterricht teilnehmen, die anderen müssen sich den Stoff daheim erarbeiten. Für die Lehrer ein stimmiges Konzept, die Pflichtschul-Elternvertretung fordert Fernunterricht statt Selbststudium.

"Wir plädieren immer für Freiwilligkeit", betont Sprecherin Evelyn Kometter, Sprecherin des Dachverbands der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, im APA-Gespräch. Es sei legitim, dass Präsenzunterricht nur für getestete Schüler angeboten wird. Allerdings müsse es für jene, die den Test verweigern, mehr geben als Arbeitsaufträge und die Möglichkeit, sich von vom Unterricht freigestellten Pädagogen unterstützen zu lassen. Kometter fordert für diese weiterhin Distance-Learning-Angebote durch die Lehrer der jeweiligen Klasse. Immerhin sei jedes Yogastudio dazu in der Lage, Livestreams anzubieten.

Sie pocht außerdem auf Betreuung für die Zehn- bis 14-Jährigen an jenen Tagen, an denen sie keinen Präsenzunterricht haben. Gerade Familien mit mehreren Kindern, die vielleicht an unterschiedlichen Tagen in der Schule seien, stünden sonst vor Betreuungsproblemen. Skeptisch zeigt sie sich auch bezüglich des Freitags als Distance-Learning-Tag für alle, hier werde stellenweise die Internetverbindung zusammenbrechen, wenn das Netz nicht ausreichend ausgebaut sei. Zumindest jene Schüler, die Probleme mit dem Lernstoff haben, müssten an diesem Tag für Förderunterricht an die Schule kommen dürfen, fordert sie. Wenn die Gesundheit der Schüler nicht gefährdet werden solle, brauche es außerdem neben Test- und Sicherheitskonzepten an den Schulen endlich ausreichende Kapazitäten in den öffentlichen Verkehrsmitteln wie z.B. Schulbussen.

Lehrervertreter findet Lockerung durch Tests vertretbar

Für den obersten Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) birgt die Rückkehr in den Präsenzunterricht zwar u.a. wegen der schwer einschätzbaren Auswirkungen der Virusmutationen ein gewisses Risiko, angesichts der neuen Teststrategie könne man dieses aber eingehen. Auch die Testverpflichtung sei in diesem Zusammenhang nachvollziehbar. Probleme erwartet er in der Praxis keine, selbst Volksschüler könnten die Nasenvorraumtests leicht bei sich anwenden. Er glaubt auch, dass viele Lehrer diese selbst für eine zweite Testung pro Woche nutzen werden, hier habe es bereits in der Vergangenheit viele Anfragen gegeben. Kimberger rechnet außerdem damit, dass auch viele Pädagogen trotz Berufsgruppentestung freiwillig FFP2-Maske tragen werden, vielfach sei das schon jetzt der Fall.

Wichtig sei für einen sicheren Schulbetrieb, dass die Testlogistik auch wirklich funktioniert. Probleme wie bei der ersten Tranche, als teilweise keine, zu wenige oder fehlerhafte Testkits in den Schulen angekommen sind, dürften nicht mehr vorkommen. Außerdem fordert der Gewerkschafter, dass Lehrern so schnell wie möglich ein Impfangebot gemacht werden soll. "Die Impfung ist das Mittel, um im Bildungsbereich den Weg aus der Krise herauszufinden."

Auch an den AHS und BHS werden Rückkehr in die Schulen, Teststrategie und FFP2-Maskenpflicht an den Oberstufen begrüßt, wie AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins betont. Sie geht im Gespräch mit der APA davon aus, dass auch mit der Neuregelung die flexiblen Möglichkeiten des Schichtbetriebs für die Oberstufen erhalten bleiben werden. Die dortigen Schüler sind bereits seit den Herbstferien grundsätzlich im Schichtbetrieb, sollten allerdings nach den bisherigen Plänen nach den Ferien klassen-, gruppen- oder jahrgangsweise in die Klassen geholt werden können. (APA)


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