Österreich hinkt beim Impfen hinterher, bisher 18.600 Geimpfte in Tirol

Die Impfquote in Österreich liegt teilweise deutlich hinter jener der Nachbarländer. In Tirol wurden bisher rund 18.000 Erstimpfungen verabreicht. Beim Impfplan verzögert sich Phase 2 um ein bis zwei Wochen.

Laut Daten aus dem e-Impfpass haben in Österreich bisher 2,13 Prozent der Bevölkerung die erste Dosis erhalten. Die Daten sind jedoch nicht vollständig.
© Thomas Böhm

Wien – 189.926 Personen oder 2,13 Prozent der Bevölkerung haben in Österreich die erste Dosis einer Corona-Schutzimpfung erhalten (Stand: 2. Februar). Die für einen vollständigen Impfschutz notwendige zweite Dosis haben 19.062 Menschen verabreicht bekommen, womit laut Gesundheitsministerium bisher insgesamt 208.988 Impfungen stattgefunden haben, die auch im E-Impfpass eingetragen worden sind. Im Schnitt wird derzeit alle 10,4 Sekunden eine Impfung verabreicht.

Hinweis

Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass die Infrastruktur zur flächendeckenden Eintragung in den e-Impfpass sich noch im Aufbau befindet und die Daten daher noch nicht vollständig eingetragen sind.

Damit liegt Österreich bei der Impfquote im internationalen Vergleich teilweise deutlich hinter den Nachbarländern. In Slowenien sind bisher 3,7 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft worden, in der Schweiz 3,6 Prozent, in Italien 3,5 Prozent, in Ungarn 3,2, in Deutschland 3,1 Prozent und in Tschechien und der Slowakei je 2,8 Prozent (Quelle: ourworldindata.org). „Impfweltmeister“ ist nach wie vor Israel, wo inzwischen 58,8 Prozent der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 geimpft wurden. Auf den Plätzen folgen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit 34,8 Prozent, Großbritannien mit 14,9 Prozent, Bahrein mit 10,2 Prozent und die USA mit 9,89 Prozent.

Bisher mehr als 18.600 Erstimpfungen in Tirol

In Tirol haben bis Mittwochmittag über 18.600 Menschen ihre erste Teilimpfung gegen erhalten, 1400 wurden bisher ein zweites Mal geimpft. Diese Zahl weicht deutlich von jener des Bundes ab – wonach Tirol mit Stand Mittwochnachmittag erst rund 12.500 Impfungen durchgeführt hat –, da am Dashboard des Bundes lediglich die im bereits im e-Impfpass eingetragenen Impfungen erfasst werden. Bei den Eintragungen kann es jedoch zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Das Land Tirol stellt deshalb jene Zahlen zur Verfügung , die aus der aktuellen Statistik und Datenbank hervorgehen. Die Impfungen teilen sich demnach wie folgt auf:

Verabreichte Impfungen in Tirol

  • Krankenanstalten: 4280
  • Altenwohn- und Pflegeheime: 11.660
  • Gesundheits- und Sozialsprengel/Mobile Dienste: 470
  • Einrichtungen der Behindertenhilfe: 340
  • Rettungsdienste: 400
  • Niedergelassene Ärzte und Zahnärze: 500
  • Über 80-Jährige in Gemeinden: 950

Zweitimpfungen laufen an

In dieser Woche stehen Tirol 8000 Impfdosen zur Verfügung, die vornehmlich für Zweitimpfungen in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern reserviert sind, teilte das Land mit. In der kommenden Woche können voraussichtlich nur 5500 Dosen verimpft werden. Diese sollen ebenfalls großteils für Zweitimpfungen verwendet werden.

Bis Mittwochmittag haben sich in Tirol 87.700 Personen über tirolimpft.at für eine Covid-Impfung vorgemerkt. Zusammen mit der Bedarfserhebung der Tiroler Gemeinden bei Personen über 80 Jahren – insgesamt 28.300 – sind es bisher insgesamt rund 116.000 Personen aus der breiten Bevölkerung, die sich gegen Covid-19 impfen lassen wollen, berichtet das Land.

Phase 2 verzögert sich

Was den Impfplan des Bundes betrifft, wird die erste Tranche des AstraZeneca-Impfstoffs, von dem bis Ende März 780.000 Dosen in Österreich eintreffen und zunächst ausschließlich an Personen unter 65 Jahren verimpft werden sollen, Anfang kommender Woche ankommen.

Das teilte das Gesundheitsministerium mit. Bis Mitte März sollen damit Beschäftigte in der mobilen Pflege, Gesundheitspersonal mit hohem Expositionsrisiko sowie Menschen mit Behinderung sowie deren Assistenten Impfschutz erhalten. Begründet wird das seitens des Ministeriums vor allem damit, dass der AstraZeneca-Impfstoff leichter lager- und handhabbar ist als die Produkte von BioNtech/Pfizer und Moderna, von dem im ersten Quartal insgesamt 1,2 Millionen Dosen erwartet werden.

Mit der Phase 2 des Impfplans, in welcher vor allem das großflächige Impfen von Personen im Alter von 65 bis 79 Jahren vorgesehen ist, wird nicht wie ursprünglich angedacht Ende Februar, sondern ein bis zwei Wochen später begonnen. Hochrisiko-Patienten, für die Impfstoffe von BioNntech/Pfizer oder Moderna in Betracht kommen, sollen noch in der Phase 1 und damit früher mit Impfschutz bedacht werden. Mit einer Impfung in der Phase 2 dürfen dann Kontaktpersonen von Schwangeren, Gesundheitspersonal auf Nicht-Covid-19-Stationen und 24-Stunden-Betreuer, Personal in Schulen, Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Bedienstete im Strafvollzug, bei der Polizei und beim Bundesheer rechnen.

Sputnik-Vakzin derzeit kein Thema

Keinen Handlungsbedarf sieht Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Bezug auf den russischen Impfstoff Sputnik. „Diese Frage stellt sich derzeit nicht, da es noch nicht einmal einen Antrag auf Zulassung bei der EMA (EU-Arzneimittelbehörde, Anm.) gibt“, sagte ein Sprecher des Kanzlers am Mittwoch. Anders sieht das NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. Man müsse nun alles daran setzen, dass so viele Menschen wie möglich geimpft werden. Per Presseaussendung appellierte er daher an die Bundesregierung, „sich bei der EU dafür einzusetzen, dass die EMA rasch prüft, ob der russische Impfstoff Sputnik V zugelassen werden kann“. Sollte sich bestätigen, dass Sputnik V sicher ist und zuverlässig wirkt, müsse Österreich „augenblicklich in die Beschaffung“ gehen: „Die Bundesregierung darf hier nicht wieder schlafen, mit der Folge, dass wir die Letzten sind, die einen neuen Impfstoff bekommen.“

Unterdessen zeigte sich, dass die Impfbereitschaft beim Personal in den heimischen Apotheken offenbar besonders groß ist. Einer internen Umfrage der Apothekerkammer zufolge wollen sich rund 80 Prozent gegen Covid-19 impfen lassen. Die Impfwilligkeit dieser Gruppe liegt damit deutlich über jener von Mitarbeitern in den übrigen Gesundheits- und Pflegeberufen, wo etwas mehr als die Hälfte in einer jüngst veröffentlichten SORA-Umfrage ihre Impfbereitschaft bekundet haben. (TT.com, APA)


Kommentieren


Schlagworte