Bereits 3426 Corona-Tote in Alters- und Pflegeheimen seit Pandemiebeginn

Das entspricht 43 Prozent aller in Österreich registrierten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Besonders schwierig sei die Situation laut Anschober im November und Dezember gewesen, die Zahl der Infizierten in Heimen ist nun aber rückläufig.

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Gesundheitsökonomin Andrea Schmidt und Gesundheitsminister Rudolf Anschober während der PK zum Thema „Infektionen und Impfungen in Alters- und Pflegeheimen".
© APA/Fohringer

Wien – In Österreichs Alters- und Pflegeheimen sind 3426 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Das sind 43 Prozent aller Covid-19-Todesfälle, die bis Mittwoch registriert wurden. Unterdessen wurden bereits 90 Prozent der Heime durchgeimpft. Bei den Über-85-Jährigen haben 15 Prozent zumindest die erste Immunisierung erhalten, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums. Deutlich rückläufig ist die Zahl der Infizierten in Heimen.

Im November und Dezember sei die Situation in Alters- und Pflegeheimen besonders schwierig gewesen, sie ist „in den letzten Wochen ganz erfreulich besser geworden", konstatierte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Im Dezember habe es noch knapp 4900 infizierte Bewohner gegeben, nunmehr seien es 882.

📽️ Video | Gesundheitsminister Anschober über die Situation in Pflegeheimen

Der erste Durchgang der Impfungen in den Heimen ist laut Anschober weitestgehend abgeschlossen, in jenen Heimen, in denen es „ein akutes Infektionsgeschehen" gegeben hatte, mussten die Immunisierungen verschoben werden. Er rechnet bei den Heimbewohnern mit einer Impfquote von 80 bis 90 Prozent. Sie sei damit „viel höher, als wir bisher geglaubt haben".

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15 Prozent der über 80-Jährigen mindestens einmal geimpft

Laut Andrea E. Schmidt, Gesundheitsökonomin der Gesundheit Österreich, leben rund 74.000 Menschen in Alters- und Pflegeheimen. 800 der 900 Heime seien bereits durchgeimpft. Bisher wurden 54.933 Menschen über 80 Jahren in Österreich geimpft, davon sind 33.806 sogar über 85 Jahren. Somit wurden 15 Prozent der Bevölkerung über 85 Jahren mindestens einmal geimpft, sagte Schmidt. Bei den Über-85-Jährigen ist die Letalität bei einer Covid-19-Infektion am höchsten, sagte Schmidt. Bei den Männern beträgt sie sogar 30 Prozent.

Die klare Botschaft sei: „Wer die Gesamtbevölkerung schützt, schützt auch die vulnerabelsten Gruppen", sagte die Expertin. Mit den Impfungen würde die Gesamtletalität bei den Bewohnern in Alters-und Pflegeheimen, also der Anteil der Menschen, die an den Folgen einer Coronavirus-Infektion sterben, von 18,9 auf 3,6 Prozent zurückgehen. Die Gesamtletalität der Bevölkerung könnte durch die Impfungen von 1,9 auf 1,3 Prozent sinken, betonte die Ökonomin. Das würde einen Rückgang von 35 Prozent bedeuten.

Wer die Gesamtbevölkerung schützt, schützt auch die vulnerabelsten Gruppen.
Andrea E. Schmidt, Gesundheitsökonomin

„Mit der Impfung bald ein bisserl Normalität"

Die Vorarlberger Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) berichtete bei der Pressekonferenz über die Entwicklung in Alters-und Pflegeheimen in ihrem Bundesland. Seit dem Frühjahr wurden rund 500 der 2400 Bewohner positiv getestet. 97 Menschen starben, 404 sind wieder genesen, betonte Wiesflecker. Mittlerweile gibt es laut der Landesrätin noch acht positive Bewohner und keine Cluster. Wiesflecker kritisierte, dass es in den Pflegeheimen zu wenig diplomiertes Personal gibt. „Wir brauchen zusätzliches, unterstützendes Personal", sagte die Landesrätin. Außerdem fehlt es den Mitarbeitern an der ihnen zustehenden Anerkennung. Die Impfquote beim Personal liegt in Vorarlberg bei 53 Prozent.

Sandra Schober, Heimleitung Haus der Barmherzigkeit Graz, berichtete von der Entwicklung in ihrem Pflegeheim, das von der ersten Infektionswelle stark getroffen wurde. Nunmehr sei man gut vorbereitet und ausgerüstet. Die Durchführung der Impfungen bedeute „wahnsinnig viel Aufwand". „Ich kann nur hoffen, dass mit der Impfung bald ein bisserl Normalität wiederkommt", sagte Schober. Dass unter der ersten Gruppe der Geimpften auch Mitarbeiter aus Heimen und Gesundheitspersonal waren, habe bei vielen den Eindruck entstehen lassen, dass die Impfungen bei diesen Personen getestet werde, um zu sehen, ob sie funktionieren. Das erkläre auch die teilweise geringere Impfbereitschaft beim Personal. (APA)


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