Anschlag von Wien aus geplant: Iranischer Diplomat in Belgien verurteilt

Ein iranischer Diplomat, der damals an der Botschaft in Wien stationiert war, soll für die Planung eines vereitelten Sprengstoffanschlages in Frankreich verantwortlich sein. Ein Gericht in Belgien verurteilte den Mann zu 20 Jahren Haft.

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© Volkmar Schulz /

Antwerpen, Wien – Im Prozess um den vereitelten Sprengstoffanschlag auf eine Großkundgebung von iranischen Exil-Oppositionellen in Frankreich ist der Hauptangeklagte zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht im belgischen Antwerpen sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der damals in Wien akkreditierte iranische Diplomat Assadollah A. für den Terrorplan gegen die Veranstaltung mit Tausenden Teilnehmern verantwortlich ist.

Nach Angaben einer Gerichtssprecherin wurde der Mann wegen versuchten Mordes und Beteiligung an einer terroristischen Organisation schuldig gesprochen. Brisant ist das Urteil, weil Assadollah A. den Ermittlungen zufolge Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes MOIS ist, zu dessen Aufgaben die Beobachtung und Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Irans gehört. Es gilt deswegen als möglich, dass den Anschlagsplänen ein direkter staatlicher Auftrag zugrunde lag. Der 2018 in Deutschland festgenommene Iraner war zum Tatzeitpunkt an der iranischen Botschaft in Wien als Diplomat akkreditiert.

Kundgebung im Juni 2018 in Villepinte bei Paris

Diese These vertritt auch die im Iran verbotene Oppositionsgruppe NWRI. Der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) hatte die Großkundgebung am 30. Juni 2018 in Villepinte bei Paris organisiert. An ihr hatten auch zahlreiche westliche Unterstützer teilgenommen, darunter der Anwalt des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, Rudy Giuliani.

Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe vehement zurück und behauptet, dass die Terrorplanungen von Regimegegnern inszeniert worden seien. Sie hatte bereits gegen die Festnahme des damals in Wien lebenden Assadollah A. in Deutschland heftig protestiert, weil der Mann zum Tatzeitpunkt an der iranischen Botschaft in Österreich als Diplomat akkreditiert war. Assadollah A. war am 1. Juli 2018 an einer Autobahnraststätte in Bayern verhaftet und dann von Deutschland an Belgien übergeben worden.

Außenministerium begrüßt "Aufklärung durch Justizbehörden"

Nach der Verurteilung begrüßte das Außenministerium "die gründliche Aufklärung des Falls durch die belgischen Justizbehörden". Österreich habe bereits im Juli 2018 nach Bekanntwerden der schweren Vorwürfe sofort Konsequenzen gezogen und A. den Diplomatenstatus aberkannt, betonte das Außenministerium am Donnerstag auf APA-Anfrage.

Das irankritische Bündnis Stop the Bomb forderte unterdessen die Schließung der iranischen Botschaft in Wien. "Es ist höchste Zeit, die iranische Terrorbotschaft zu schließen. Warum sollte Österreich diplomatische Beziehungen zu einem Regime aufrechterhalten, das seine Vertretung und sein Personal in Wien nutzt, um Terroranschläge in Europa durchzuführen?", so der wissenschaftliche Direktor von Stop the Bomb, Stephan Grigat, am Donnerstag laut Aussendung. (APA)


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