Risiko für Genitalverstümmelung in Europa leicht gesunken

Die absolute Zahl der potenziellen Opfer von FGM ist in der EU gestiegen, das Risiko, tatsächlich Opfer zu werden, gesunken. Gesetzgebung und Kampagnen würden Wirkung zeigen, so EIGE-Direktorin Carlien Scheele.

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Frauen und Mädchen, deren Geschlechtsorgane teilweise oder zur Gänze unter oft katastrophalen hygienischen Bedingungen entfernt wurden, leiden ein Leben lang an den Folgen ihrer schweren Körperverletzung. (Symbolbild)
© AFP/Chiba

Wien, Brüssel – Mit dem Anstieg der Migration in den vergangenen Jahren ist in Österreich sowie in der gesamten EU die absolute Zahl der potenziellen Opfer von Genitalverstümmelung gestiegen. Das Risiko, tatsächlich Opfer zu werden, ist aber laut einem am Donnerstag präsentierten Bericht des European Institute for Gender Equality (EIGE) seit 2011 in Österreich gesunken. Das hat vor allem mit der Verschiebung bei den Herkunftsländern zu tun.

Während 2011 in Österreich die größte Gruppe eingewanderter Mädchen noch aus Äthiopien stammte, wo weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/FGM) sehr weit verbreitet ist, war 2019 der Irak Top-Herkunftsland bei jungen Mädchen. Dort ist FGM laut EIGE mit nur fünf Prozent (bei 15 bis 19-Jährigen) keine gängige Praxis, weshalb auch das Risiko für FGM gesunken ist, heißt es in dem Bericht, der neben der Situation in Österreich auch jene in Luxemburg, Spanien und Dänemark speziell untersuchte.

EIGE-Direktorin: Gesetze und Kampagnen zeigen Wirkung

2019 waren hierzulande zwölf bis 18 Prozent der unter 18-Jährigen Mädchen, die aus einem Land, in dem FGM praktiziert wird, stammen, gefährdet, Opfer von Genitalverstümmelung zu werden. In Österreich stammte ein Großteil der Mädchen und jungen Frauen aus Ägypten und Somalia, teilweise auch aus Äthiopien, Guinea, dem Irak, Nigeria und dem Sudan, teilte das Institut für Geschlechterungleichheit kurz vor dem Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung am heutigen 6. Februar mit.

Gesetzgebung und Kampagnen würden Wirkung zeigen, sagte EIGE-Direktorin Carlien Scheele mit Blick auf das gesunkene Risiko. Zudem seien die jeweiligen Communities in den Aufnahmeländern zunehmend gegen die Praxis der Genitalverstümmelung und setzten sich oft für deren Abschaffung ein. „Wir gewinnen den Kampf gegen FGM", so Scheele in einer Aussendung.

Gesunken ist das Risiko, Opfer von Genitalverstümmelung zu werden – trotz gestiegener absoluter Zahlen – auch in Dänemark und Spanien. In Luxemburg ist es auf relativ niedrigem Niveau leicht gestiegen.

Betroffene leiden ein Leben lang unter Folgen von FGM

Weibliche Genitalverstümmelung konzentriert sich weltweit auf rund 30 Länder, und dabei hauptsächlich auf den Westen, Osten und Nordosten Afrikas sowie den Mittleren Osten und Asien. Die Praxis hat massive Folgen für die Betroffenen – von Schmerzen beim Urinieren, qualvollen Menstruationsbeschwerden, Lebensgefahr beim Entbinden bis zu hohem Infektionsrisiko und vor allem permanenten Traumata. Frauen und Mädchen, deren Geschlechtsorgane teilweise oder zur Gänze unter oft katastrophalen hygienischen Bedingungen entfernt wurden, leiden ein Leben lang an den Folgen ihrer schweren Körperverletzung. In Österreich ist FGM verboten.

Zur weiteren Bekämpfung von FGM empfiehlt das EIGE Österreich das gezielte Sammeln von Daten und Fällen von Genitalverstümmelung sowie den Einsatz eines landesweiten Registriersystems. Darüber hinaus sei ein nationaler Aktionsplan sowie die enge Kooperation mit betroffenen Communities vonnöten. (APA)


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