Seuchengefahr steigt mit Bevölkerung, Grippeviren im Fokus

Die Erfahrungen mit dem Coronavirus befeuern die Sorgen um eine Ausbreitung anderer neuer Erreger. Als Kandidaten für eine mögliche künftige Pandemie sieht die Münchner Virologin Ulrike Protzer unter anderem Influenzaviren.

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München – Forscher sehen nicht nur in der Globalisierung, sondern auch in der steigenden Zahl der Weltbevölkerung eine Gefahr für neue weltweite Pandemien. Auch das weitere Vordringen von Menschen in die Natur trage zu Krankheitsausbrüchen mit weiter Verbreitung bei, warnt die Münchner Virologin Ulrike Protzer. Denn so kämen Menschen mit neuen Erregern in Kontakt, die von Tieren auf sie überspringen und sich dann von Mensch zu Mensch verbreiten könnten.

Zudem gelte: "Je enger Menschen zusammenleben - und das ist mit dem Anstieg der Bevölkerungszahlen gerade in Ballungsräumen und Mega-Citys der Fall -, desto leichter kann ein Virus sich ausbreiten", sagte die Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München.

Unliebsame Überraschungen bei Influenzaviren

Als Kandidaten für eine mögliche künftige Pandemie sieht die Wissenschafterin unter anderem Influenzaviren. Diese brächten immer wieder unliebsame Überraschungen. Sie kämen in Vögeln oder Schweinen vor, zudem sei leicht eine Übertragung auf den Menschen und zwischen Menschen möglich. "Die Influenzaviren hatte man hier immer schon im Blick. Jetzt müssen wir sicher auch noch viel mehr auf andere Erreger wie zum Beispiel Coronaviren schauen. Und es gibt eine ganze Reihe anderer Viren, die zum Beispiel hämorrhagische Fieber verursachen wie Ebola." Allerdings machten diese schwerer krank. "Damit breiten sie sich nicht so leicht aus - da jemand, der schwer erkrankt ist, nicht mehr draußen unterwegs ist oder in einen Flieger steigt."

Dass ausgerechnet China als Land mit den ersten Coronavirusfällen inzwischen weitgehend coronafrei sei, liege an dem radikalen Vorgehen der dortigen Behörden. "Bei uns würde sich niemand trauen, eine Mehrmillionenstadt wegen 100 Fällen dichtzumachen. Und bei uns wird auch kein Mensch persönlich nachverfolgt", sagte Protzer.

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Konsequenter und schneller bei nächster Pandemie

Eine Ausbreitung in einer freien und mobilen Gesellschaft sei deutlich schwerer zu verhindern. "Wenn man die Freiheit und Mobilität erhalten will, und das wollen wir ja, muss man mit dem Risiko leben", erläuterte Protzer. Aber man habe gelernt. "Ich glaube, dass wir bei der nächsten Pandemie schneller und konsequenter sein werden", sagte Protzer. "Man muss ja nicht gleich ein ganzes Land in Lockdown versetzen, sondern wenn man das irgendwo identifiziert, dann kann man ja sehr schnell auch lokal reagieren. Das ist ja das, was die Chinesen uns letztendlich gerade vormachen."

Wann eine erneute Pandemie kommen könnte, sei Kaffeesudleserei. "Früher ist man davon ausgegangen, dass es alle 100 Jahre eine Pandemie gibt. Aber früher waren die Menschen eben nur in einem sehr kleinen Bereich mobil." (APA/dpa)


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