In Tirol lebende Gina Disobey gewinnt den Protestsongcontest 2021

Der kritische Song "Seeking Asylum is not a Crime" über die Unterbringung von Asylwerbern im Rückkehrzentrum Bürglkopf erhielt die meisten Punkte der Jury. Auch der "Ischgl Blues" von Marcus Hinterberger landete im Spitzenfeld.

Laut Gina Disobey handelt es sich bei ihrem Songtext um Originalzitate eines ehemaligen Bürglkopf-Bewohners.
© Screenshot/FM4/Facebook

Wien – Tirol stand im Zentrum des gestrigen Finales des Protestsongcontests 2021: Die in Tirol lebende Künstlerin Gina Disobey gewann mit ihrem ersten selbstgeschriebenen Song „Seeking Asylum Is Not A Crime“, Marcus Hinterberger landete mit seinem „Ischgl Blues“ im Spitzenfeld. Die Veranstaltung wurde per Videostream abgehalten, im Zuschauerraum des Wiener Rabenhof Theaters hatte lediglich die sechsköpfige Jury Platz genommen.

📽 Video | Gina Disobey über ihren Song "Seeking Asylum is not a Crime"

Michael Ostrowski bot nicht nur die übliche pointierte Moderation und häufige Outfit-Wechsel, sondern ergriff angesichts der Ausnahmebedingungen auch die Gelegenheit zum ausführlichen Überziehen: Dreieinviertel Stunden dauerte die Finalshow, in der die Songs der aus über 200 Einsendungen ausgewählten Finalisten eingespielt wurden. Anschließend an ihre jeweiligen Videos wurden die Teilnehmer per Zoom von zu Hause zugeschaltet.

Marcus Hinterberger hatte sich dafür in einen Stall zurückgezogen und bot vor einem Kälbchen gleich noch eine den aktuellen Tiroler Corona-Entwicklungen geschuldete Zusatzstrophe.

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📽 Video | Marcus Hinterberger trat mit seinem "Ischgl-Blues" an:

Der Ischgl-Satiriker hatte später im Publikumsvoting die Nase vorn. Zu den Favoriten der Jury (Sigrid Horn, Simone Dueller, Yasmo, Bobby „Slivo“ Slivovsky, Max Schabl und Martin Blumenau) gehörten aber Dassi mit seiner eine Woche nach dem Wiener Terroranschlag geschriebenen Nummer „S.D.O. (Schleich di du Orschloch)“, die Singer-Songwriterin Nelavie mit ihrem Lied „Teilzeit Feminist“, angesichts dessen einige männliche Jurymitglieder Besserung gelobten, und „Seeking Asylum Is Not A Crime“, dem laut eigener Aussagen ersten Song von Gina Disobey, für Yasmo „ein Protestsong, wie er im Buche steht“.

Protestsong gegen Bürglkopf-Unterbringung gewinnt

In Summe ergab das einen klaren Sieg für Gina Disobey, die in ihrem kraftvollen und anklagenden Song, der sich laut Jury sowohl zum Demonstrieren wie zum Tanzen eignet, den Hungerstreik von Asylwerbern 2019 gegen die unmenschlichen Bedingungen im umstrittenen Tiroler Rückkehrzentrum Bürglkopf thematisiert. Laut Gina Disobey handelt es sich beim Text um Originalzitate eines damaligen Bürglkopf-Bewohners.

Beim 18. Protestsongcontest war „eigentlich alles dabei“, resümierte Martin Blumenau in seinem „Themencheck“. Nicht ganz. Denn ausgerechnet gegen das Coronavirus und die Anti-Covid-19-Maßnahmen, die zu diesen außergewöhnlichen Final-Bedingungen geführt hatte, wurde nicht protestiert. „Vielleicht, weil es langweilig ist“, wurde gemutmaßt. (TT.com, APA)


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