Schweizerin Suter holte Abfahrts-Gold, erneut keine Medaille für ÖSV

Nach der Nullnummer im Super-G verpassten Österreichs Ski-Damen auch in der Abfahrt die Medaillenränge. Die Schweizerin Corinne Suter holte für die Eidgenossen die zweite Goldene. Silber ging an die Deutsche Kira Weidle, Super-G-Weltmeisterin Lara Gut-Behrami (SUI) fuhr zu Bronze.

Corinne Suter unterzog ihre erste Goldmedaille bei Weltmeisterschaften gleich dem obligatorischen Biss-Test.
© GEPA pictures/ Thomas Bachun

Cortina d'Ampezzo – Auch die Abfahrt hat bei der Ski-WM in Cortina bei den Damen Gold sowie zwei Medaillen für die Schweiz gebracht. Die Super-G-Silberne Corinne Suter siegte am Samstag 0,20 Sekunden vor der deutschen Sensations-Zweiten Kira Weidle, Super-G Weltmeisterin Lara Gut-Behrami (+0,37) wurde Dritte. Beste der erneut medaillenlosen ÖSV-Damen war Ramona Siebenhofer als Fünfte (+0,50), Tamara Tippler wurde wie im Super-G Siebente.

Die zweite Medaillenentscheidung bei den Damen ging bei erneutem Prachtwetter und mit einem Mini-Starterfeld von nur 31 Fahrerinnen in Szene. Zu den Fehlenden zählte neben Petra Vlhova, Mikaela Shiffrin und Federica Brignone, die sich bereits auf die Kombi konzentrierten, auch die verletzte Topfavoritin Sofia Goggia. Die Italienerin hatte vier von fünf Saisonabfahrten gewonnen und war in der fünften Zweite geworden. Auch die ÖSV-Damen mussten wie im verpatzten Super-G mit Nicole Schmidhofer und Nina Ortlieb zwei ihrer Stärksten verletzt vorgeben, hatten nach verheißungsvollen Trainingsergebnisse aber doch einige Erwartungen.

Als erste der Favoritinnen ging Breezy Johnson mit Startnummer fünf ins Rennen. Die US-Amerikanerin legte aber gleich mit einem Beinahe-Sturz los und war trotz starker Aufholjagd chancenlos auf eine Medaille. Gleich darauf machte mit Corinne Suter die einzige Saisonsiegerin im Rennen auf der härter gewordenen Piste unter der Tofana mit klarer Bestzeit eine neue Zeitrechnung auf.

Suter führte 44 Hundertstel vor Ester Ledecka, als mit Christine Scheyer die erste Österreicherin einen verpatzten Lauf hinlegte. Wie es geht, zeigte unmittelbar nach ihr die spätere Überraschungs-Zweite Weidle. Für die einzige deutsche Teilnehmerin war es letztlich das erste Edelmetall überhaupt. "Die Medaille von Romed Baumann hat uns etwas Druck genommen", erklärte Weidle.

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Der Wind im oberen Streckenteil nahm immer mehr zu, dennoch fuhr die Super-G-Goldene Gut-Behrami lange Zeit auf Kurs Speed-Double. Im Finish fiel die Schweizerin aber doch etwas zurück. Ähnlich ging es danach mit Siebenhofer der letzten Weltcupsiegerin auf dieser Strecke sowie auch Tippler. Bei ihrer lange Zeit sehr beherzten Fahrt ließ Tippler, größte Medaillenhoffnung im ÖSV-Quartett, im Finish viel Zeit liegen. Bei "Qualifikantin" Mirjam Puchner war schon nach dem windigen oberen Teil klar, dass die letzte ÖSV-Medaillenhoffnung nicht halten würde.

Erstes Schweizer Abfahrts-Gold seit 1986

Suter machte sich zur ersten Schweizer Abfahrtsweltmeisterin seit Maria Walliser 1989 und avancierte dank Abfahrts-Gold und Super-G-Silber zur "Speedqueen" der Cortina-WM. Sie hat es zudem wie bisher nur US-Star Lindsey Vonn geschafft, bei zwei separaten Weltmeisterschaften Medaillen in Abfahrt und Super-G zu gewinnen. "Ich kann es noch nicht ganz realisieren, da müssen mir noch ein paar sagen, dass ich es geschafft habe", sagte die 26-jährige Abfahrts-Weltcupsiegerin des Vorjahres.

Ich kann es noch nicht ganz realisieren, da müssen mir noch ein paar sagen, dass ich es geschafft habe.
Corinne Suter, Abfahrts-Weltmeisterin

Siebenhofer fehlten als Fünfter und bester ÖSV-Dame nur 13 Hundertstel auf das Podest. Die Steirerin war kurz vor dem Ziel noch ganz vorne mit dabei gelegen. "Ich habe den Super-G-Teil echt gut erwischt. Vielleicht bin ich mit mehr Speed hingekommen als gedacht. Ich wollte rein attackieren und musste gleich nachdrücken, dadurch habe ich Speed verloren", analysierte Siebenhofer.

"Schade, ich hätte mich echt bereit gefühlt, hatte am Start ein gutes Gefühl und die Ski sind gegangen wie die Feuerwehr", sagte die Steirerin, die dank ihrer Ambitionen im Riesentorlauf zuletzt große Speed-Probleme gehabt hatte. "Vor einigen Wochen hätte man glauben können, dass ich hier gar nicht fahre", erinnerte Siebenhofer. So gesehen sei das Ergebnis beachtlich, auch wenn ihr bei Weltmeisterschaften das Glück weiter nicht hold ist. "Ich darf nicht sagen, dass ich WM nicht mag. Irgendwann kommt alles zurück", ist Siebenhofer überzeugt. "Ich hab's probiert und kann mir außer der einen Kurve nicht viel vorwerfen."

Tippler: "Wir sind eben da, wo wir gerade sind"

Für Tippler und Österreichs Ski-Damen gab es damit in Cortina keine Speed-Medaille. "Ich bin schon enttäuscht, weil es wieder so knapp war, aber auch nicht zu Tode betrübt", sagte Tippler (29). "Ich habe angegriffen, unten sind mir aber wie Ramona einige kleine Fehler passiert." Den Wind habe sie natürlich gespürt. "Das war aber nicht ausschlaggebend. Die Favoriten haben verdient gewonnen. Wir waren in der Außenseiterrolle und sind eben da, wo wir gerade sind."

Puchner wurde in ihrem ersten WM-Rennen Elfte. "Ich bin mir gar nicht so schlecht vorgekommen, habe aber vor dem Tofanaschuss extremen Gegenwind gespürt", berichtete die Salzburgerin, die sich bei der 2017-er-WM in St. Moritz im Training das Bein gebrochen hatte. "Auch unten sind mir fünf km/h abgegangen." Hart ging nach Platz 19 Christine Scheyer mit sich ins Gericht. "Das war total verhunzt. Ich bin schon am Start mit den Stöcken weggerutscht. Es war Kampf von oben bis unten." Dabei habe sie nur ganz normal Skifahren wollen. "Das Gefühl jetzt ist echt beschissen." (APA)

WM-Abfahrt der Damen in Cortina d'Ampezzo – Endstand:


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