„Nobel war seine ganze Person": Arik Brauer in Wien verabschiedet

Der Universalkünstler Arik Brauer war Ende Jänner im Alter von 92 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben. Die Trauerfeier am Dienstag fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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Bundespräsident Van der Bellen würdigte den Verstorbenen für dessen lebenslangen „Willen zu einem aufrechten Gang".
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Wien – Der am 24. Jänner 92-jährig verstorbene Universalkünstler Arik Brauer ist am Dienstagnachmittag am Wiener Zentralfriedhof verabschiedet worden. Aufgrund der Coronaauflagen fand die Trauerfeier nur im kleinen Kreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Unter den geladenen Gästen war auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der den Verstorbenen für dessen lebenslangen „Willen zu einem aufrechten Gang" würdigte.

„Eine Stimme ist verstummt. Und es war nicht irgendeine Stimme", sagte Van der Bellen. Brauer habe stets Stellung bezogen, aber ohne, dass seine Stimme laut oder aggressiv gewesen wäre. „Sie war gut vernehmbar, aber sie war leise – früher hätte man gesagt: nobel. Und nobel war seine ganze Person", so der Bundespräsident. Er erinnerte an Brauers Kindheit, die von Verfolgung durch die Nationalsozialisten geprägt gewesen sei. „Eine solche Kindheit kann niemand vergessen und soll auch niemand vergessen." In Brauers Fall sei sie „der Ausgangspunkt für eine Lebenshaltung, die von einem unerschütterlichen Humanismus geprägt war", gewesen.

Bei der etwa halbstündigen Trauerfeier, die wegen der coronabedingten Personenhöchstzahl von 50 unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, waren vorrangig Familienmitglieder anwesend. Brauers Töchter Timna, Talia und Ruth lasen während der Zeremonie „Die Freiheit", ein Gedicht ihres Vaters, der auch Musiker, Maler, Grafiker und Bühnenbildner war.

Brauers Töchter Timna, Talia und Ruth bei der Trauerfeier.
© APA/Pfarrhofer

Öffentlichkeit konnte sich am Vormittag verabschieden

Pianist Rudolf Buchbinder verneigte sich ebenfalls. „Freundschaft ist so selbstverständlich, wenn sie da ist. Wenn ich mir vorstellen soll, dass diese Selbstverständlichkeit nicht mehr möglich sein soll, erst dann spürt man, wie unselbstverständlich es ist, einen Freund zu haben", sprach er zur Trauergemeinde. Er habe Arik Brauer immer für sein „Menschsein" bewundert. Dieser sei für ihn wie ein Regenbogen gewesen – und ein Regenbogen sei auch mit Freundschaft zu vergleichen: „Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Und es sind viel zu viele Farben, um sie zu beschreiben."

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), das Ehepaar Samy und Haya Molcho und Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, fanden sich ebenfalls unter den geladenen Trauergästen. Im Anschluss an die Feierlichkeiten sollte die Urne im kleinen Familienkreis in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt werden.

Die Öffentlichkeit hatte bereits am Vormittag die Möglichkeit, sich von Brauer zu verabschieden und sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Zwischen 9 und 12 Uhr war die Halle 2 dafür geöffnet. Der Universalkünstler, geboren als Erich Brauer am 4. Jänner 1929 in Wien, war am 24. Jänner im Alter von 92 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben. Brauer war zwar als Maler einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, reüssierte aber auch als Grafiker, Bühnenbildner und Sänger („Sein Köpferl im Sand", „Sie ham a Haus baut"). (APA)


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